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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-29 · Heft 31 (29.7.1873) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 31 (29.7.1873)
Date
1873-07-29
Page
Seite 498 (sequence 2)
Language
German
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ausgelassen werten, sie wird neben der Synagoge ihre vollwichtige Stellung einzunehmen haben. Ist hier nicht die Gelegenheit gegeben, sich Liber die Stellung res Lehrers auszulassen? Wir meinen daher, das; der Einzelne durch eiscrige Agitation für geiueinsames Handeln im angegebenen Sinne dem gesannnten Staute wesentliche Dienste leisten kann. Wer hier unthälig bleibt nnd sein ganzes Heil von der Ueberrcichung einer ellenlangen Denkschrift, die vielleicht an maßgebender Stelle nicht einmal gelesen wird, erwartet, der mag sich nicht wundern, wenn er sich in seinen Erwartungen getäuscht findet. .Und nun noch Eins: Wir stoßen nicht selten auf völlige Unkenntniß unserer Gemeinde- und Schulverhältnisse bei unseren Vertretern im Abgeordnetenhause. Daraus erklärt es sich, daß Männer, wie Laster, in selchen Fragen für sie eine vollgültige Autorität sind, obgleich Dieser mit seinen Anschauungen gar nicht inmitten des Jndenthumes lebt. Es muß uns daher sehr daran gelegen sein, unsere Vertreter über die schwebenden Fragen auszuklären, nnd persönlich ans sie cinzuwirken. Sollte nicht Jeder in seinem Kreise dazu im Stande sein? Wir meinen, daß sogar der Parteistandpunct hier nicht hindernd in den Weg tritt. So laßt uns denn, liebe Eollegen! attesannnt die Schulter ansetzen, und den Vorwurf der Unthätigkeit zu einer Zeit fern von uns halten, wo es zu Handeln gilt. Sie aber, verehrter Herr Nedaetcur, stehen ja stets auf der Warte, um zu warnen, zu tnahnen, und zurcchtznwciscn, wenn eö nöthig ist. Blnmenfeld, Lehrer. Wir haben diesem Schreiben Folgendes hinzuzusügcn: Was hier der als praktischer Schulmann und pädagogischer Schriftsteller sehr geschätzte Eorrespondent ausspricht, ist sicherlich durchaus richtig und der Beachtung sehr empfehleuswerth. In der That, kommt uns aus allen Kreisen, welche bei dieser Angelegenheit factisch berührt werden, der Ausdruck derselben Ansichten entgegen, ja auch aus Ländern, die tbatsächlich mit dem preußischen Gesetze Nichts zu schaffen haben, wie Frankreich und' Ungarn. Dennoch müssen wir sagen, daß in dem obigen Schreiben, unserer Meinung nach, nicht erschöpfend ausgesprochen ist, was die Lehrer eigentlich zu thun hätten. Es wäre Dies: Erstens die zukünftigen Abgeordneten ihrer Kreise persönlich anzngehen, um ihnen den wirklichen Stand der Tinge klar zu machen, rer ihnen ja nicht bekannt sein kann; Zweitens ihren Einfluß anzuwenden, damit ihre bezügliche Gemeinde dem Elaborate des berliner Gemeindevorstandcs, wenn cs erst vorliegt und als angemessen befunden wird, sich anschließt. Hiermit glauben wir aber die Aufgabe der Lehrer im Interesse der allgemeinen Sache nicht vollständig gelöst. Wir meinen nämlich, daß Drittens die Lehrer als solche eine Petition an das Eultusministerinm richten sollten, worin sie vom Standpuncte der Lehrer und Cultusbeamten ihre auö der Erfahrung gewonnenen Ansichten tu möglichst präciser kurz "198_ gefaßter Darstellung auseinandersetzen müßten. Wie ohne die Nöthigung zur Gemeindeangehörigkeit, bei völliger Freiheit res Austrittes die Gemeindeinstitute, besonders die Schulen und Unterrichrsanstalten sich gar nicht erhalten, noch weniger zur Blüthe gebracht werden könnten. Nicht sowohl das traurige Schicksal, welches die jüdischen Lehrer und Cultusbeamten treffen wurde, sondern gerade der Verfall nnr das Aufhörcn des jütischen Um terrichtswesens zeige die verderbliche Wirksanikeit einer die Gemeindeangehörigkeil anshebcnden Gesetzesbestimmung offenbar, und beweise zugleich, daß es nicht bloß ras persönliche Interesse res Standes, sondern das der jüdischen Masse selbst sei, welches ihre Petition motivire und berechtige. Es müßte kargelegt werten, wie nur im Ganzen in seltenen Fällen ein eonfessionelles Bedenken das Motiv des Austrittes sein werde, sondern — und Dies mache das Bedrohliche, ja Gefährliche in der Sache ans — in den meisten Fällen, die Ersparung der Steuer, die Zanksucht, verletzter Ehrgeiz n. dgl. m. Die Erfahrung zeige, wie viele Streitigkeiten in den jüdischen Gemeinden schon jetzt aus derartigen Triebfedern entstehen, und erweise sich hieraus, welche Folgen die Freiheit des Austrittes haben würde. Gerade das consessionelle Bedenken, das Einzelne in den Gemeinden haben könnten, ließe sich leicht durch das in diesen Blättern vorgeschlagene Mittel schützen. Eine solche Petition, von recht vielen Lehrern und Eultusbeamteil unterschrieben, würde bei dem Herrn Enltusmiuister und der Staatsregierung gewiß von Wirkung sein. Bei der höchsten Achtung unbedingter persönlicher Freiheit, kann doch die Erscknitterung, ja der Zusammensturz allgemeiner und unentbehrlicher Institutionen, deren Wegfall die bedauerlichsten Felgen für einen großen Bruchtheil der Bevölkerung hätte, nicht ohne die gewichtigste Beachtung bleiben, und eine ideale Principienreiterei darf nicht die Zerstörung vieler segensreicher Anstalten erwirken sollen. Ta rer Herr Eultusminister, den öffentlichen Blättern zufolge, eine längere wohlverdiente Erh .uigsreise nach der Schweiz anlritt, so ist die Zeit gegeben, um die Petition herzustellen. Es dürfte aber nicht gezögert werden. Wenn man einwenden sollte, daß es nicht gnt ausführbar sei, die Lehrer und Enltuöbeamten aus allen Provinzen des Staates, wenigstens in einer großen Zahl, mit ihren Unterschriften zu vereinigen, so könnte eine solche Petition auch provinzweise erfließen. Die Lehrer unv Enltnsbeamten z. B. der Nheinprovinz und WestphalenS zu einer solchen Petition zu vereinigen, würde nicht zu schwer fallen. Tie ganze Angelegenheit inacht, wie wir Nachweisen könnten, überall bedeutendes Aussehen, und das Borgeheu Preußens würde für viele andere Läuter maßgebend sein, oder doch nicht ohne Wirkung bleiben. Um so größer ist die Pflicht aller Bethciligten, ihre Stimme rechtzeitig hören zu lasten.

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