Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1873)
- Date
- 1873-07-22
- Page
- Seite 492 (sequence 12)
- Language
- German
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492 tanattifche Autoritär sich bisweilen entscheiden, entweder weil durch Baraitot nachgewiesen ist, daß auch noch andere Tanaim dieser Ansicht beistimmen, oder weil sonst triftige Gründe für die Entscheidung der Einzelautorität sprechen; wo solche Gründe nicht vorliegen, wird auch zu Gunsten R. Akiba's keine Ausnahme gemacht. Siehe Jebamot 104. a, wo Samuel sich tadelnd darüber ausspricht, daß Rabba bar Ehia es gewagt, in der Praxis nach der Einzelautorität R. Akiba's sich zu richten. (Schluß folgt.) Vermischtes. Der Osservawre Nomano sindet eö scandalös, daß unter denen, die als die künftigen Minister Italiens genannt werden, auch der Name Maurogonato figurirt, weil dieser ein Israelit ist. Die Gazzetta d'Italia, die für ein gutkatholisches Blatt gilt, sagt dazu: Wir dagegen, die wir der Ansicht sind, daß ein Finanzminister sich nothwendigerweife gut auf's Rechnen verstehen muß, glauben, daß ein Abkömmling Esau's oder Rothschilds die Rechnungswissenschaft gut stndirt haben wird, die zum Gedeihen Italiens unter allen die nothwendigste ist. (Die Bibelfestigkeit der klericalen katholischen Blätter, insbesondere Italiens, hat sich schon oft in schwachem dichte gezeigt. In Obigem, wo die Juden zu 'Nachkommen Esau's gemacht werden,- ist 'ein abermaliges Pröbchen gegeben. Waö die Sache an sich betrifft, so haben die Juden, die wirklichen und die getauften Juden, gerade für das Finanzministerium nur zwei Männer bis jetzt abgegeben , Gouvcheaux und Foulv; dagegen Godefroh, D'Israeli, Crömieux, Unger, Glaser, waren Premierunv Iustizminister.) Die „Rum. Post" schreibt: Dem fasst)er Blatt „Boc. Apar." wird aus Bakan mitgetheilt, daß die Beförderung solcher Eorrespondenz- oder Postkarten verweigert wird, welche in hebräischer oder jüdischer Sprache geschrieben sind.' Wir sind gern geneigt der Sache Glauben beizumefsen, weil dies nicht die erste und leider auch nicht die letzte den Juden gemachte Ehicane sein wird. Sollte es etwa der bakauer Postmeister für eine Entwürdigung der Postkarten halten, daß hebräische Buchstaben darauf signriren, so möchten wir seinem orthodoxen Herzen zurufen, daß Christus nicht rumänisch, sondern hebräisch gesprochen und gepredigt hat — vielleicht besänftigt ihn dies, wenn die Ehicane nicht etwa in der Neugierde oder in irgend einer väterlichen Polizeimaßrcgel ihren Ursprung hat. (Was gehen die Post die Sprache oder die Schriftzüge an, in denen die Rückseite der Evrrespondenzkarten beschrieben ist, wenn nur die Adresie auf der Vorderseite in der Landessprache und deren Schriftzügen abgefaßt ist? Es ist dies zwar eine geringfügige, aber doch eine Monstrosität, wie deren der rumänische Staat seit seinem kurzen Bestände so viele hervorgebracht hat. Redact.) Mistelbach, 8. Juli. Die israelitische Eultusgemeinde vor Gerichts Am 2. Juni d. I., dem jüdischen Psingstfeste, herrschte unter den mistelbacher Israeliten große Aufregung. Der alte Vorstand Monisch Kohn war gestürzt, und an seiner Statt Salomon Klein gewählt worden, und zwar, wie ihm von Heinrich Kohn, dem Sohne res Monisch, öffentlich vorgeworfen wurde, mittelst „falscher Wahl". Ein tiefer Haß grollte zwischen den beiden Parteien, und kaum waren dieselben auf der Straße angelangt, kam rer Streit zum offenen Ausbruche. Salomon Klein und Heinrich Kohn stürzten aufeinander los und packten sich an der Gurgel. Eine Weile sah die fromme Gemeinde neugierig diesem Ringkampse zu; dann aber wurde die Schlacht allgemein. Welfen und Ghibellinen, das heißt die kohnschen Anhänger und die kleinschen, schlugen blind aufeinauder los, und auch die Weiber nahmen an dem Gefechte Theil. Eäcilie Klein kam ihrem Gatten mit ihrem Sonnenschirme zu Hülfe und hieb auf Heinrich Kohn damit ein, dessen Bruder- Franz Kohn wieder dem neugierig zuschauenden Moses Daill „ein paar Ohrfeigen herunterhauie." Frau Brunner haranguirte, man möge nur die kleinschen, diese ungarischen Lumpen, erschlagen, in welchem Commando sie ihr Gatte, Joachim Brunner, zeitweilig ablöste. Ten Höhepunct aber erreichte das groteske Schauspiel, als die alte Mirl Kohn mit fliegenden Haaren und nur mit einem Unlerrocke bekleidet, auf die Straße eilte, und daselbst die Fensterscheiben des kleinscherr Hauses zertrümmerte, während Monisch Kohn mit den Füßen gegen die Hauslhüre stampfte und so das Signal zur Erstürmung des kleinschen Hauses gab. Allein in diesern Augenblicke war die rächende Nemesis in Gestalt einiger handfester Schmiedegesellen erschienen und Mirl Kohn ward an die Wand „geschmissen," während Monisch, Franz und Heinrich Kohn mit Fanstschlägeu tractirt wurden. Zerrissene Hemden, Eravatten, Uhrkelten u. s. w. wurden als Beweisstücke zu Gericht gebracht, und am 7. Juli b. I. hatten sich Monisch, Franz und Heinrich Kohn wegen Beschimpfung und körperlicher Mißhandlung. Mirl Kohn überdies noch wegen boshafter Beschädigung fremden Eigenthumes, Joachim und Negine Brunner wegen gefährlicher Drohung vor dem Bezirksgerichte Miltelbach zu verantworten. Den Versitz bei der Schlußverhandlung nahm Bezirksgerichtsadjunct Gottmann, die Anklage vertrat I)r. Schaschetzky, und zum Vertheidiger der fämmtlichen Angeklagten war Dr. Feßler aus Wien berufen tvorden.