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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-22 · Heft 30 (22.7.1873) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 30 (22.7.1873)
Date
1873-07-22
Page
Seite 491 (sequence 11)
Language
German
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dringt; nun, Du hast Glück, Dir einen Ruf erworben zu haben, aber Du hast noch nicht die Stufe eines Rinderhirten erreicht!" woraus R. Akiba erwiederte: „Auch nicht einmal die eines Schafhirten!"*) Der Jrrthmn des Herrn Dr. Hamburger scheint mir da' her zu kommen, daß er dem Seder-Hadorot folgte, der in rer That im Art. R. Akiba den mehrerwähnten Ansspruch im Namen R. Dosa's citirt und als Duelle Jcbamot l7. a. (soll aber wohl heißen: KJ. :>.) angiebt. Offenbar ist aber im Seder-Hadorot dort eine Zeile ausgelassen**), und muß die Stelle vollständig also lauten: Es sagte R. Tosa ben Hyrkanus zu R. Akiba: „Heil Dir, Akiba, dessen Ruf durch die ganze Erre dringt!" Denselben AuSrus thut später auch Jonathan ben Hyrkanus, der aber hinzusügt „Dock Du bist ' noch nicht zur Stufe eines Riuderhirten gelangt!"***, Tie elf gesperrten Worte fehlen im Seder- Hadorot, und davon scheint der Jrrthmn des Verfassers zu kommen. — Was dessen erstes Eitat im Namen des N. (Dieser betrifft, so kann es wohl unr dadurch entstanden sein, daß dem Verfasser der Hianic „ben Hyrkanus" vorschwebte, den er mit „E l i c f c r b c n H y r kann ö" verwechselte. Daselbst S. 303. Anmerkung r». sagt Herr Dr. Hamburger : „Wohl auch «war R. Akiba Schüler) des berühmten R- Jochanan ben Sakka,' lSota 27. I».)." — Verfasser hätte jedoch *) :)u 2 anuicl (Stclo in Ehid nsche Llgadot, der eine so imullireiide, geringschätzige Anrede anR. Akiba, selbst von einem so eingesleisebleu Schamma'ten sich nicht erklären kann, sucht durel» eine Deutung derr Sinn der 'Worte zu mildern und als eine weniger ge bä ist ge erscheinen zu lauen. Doch ist die Deutung viel zu gesucht, uni wahr zu sein. Auch timt es ja der Große N. Aliba's keinen Abbruch, wenn ein l’ianu von dem ungestümen Charakter o oii atI, a n s il'U iiisnltirt. — bemerken will ich noch, daß der jerusalemische Talmud z. Dt. eine andere ve'eart der obigen Erzählung hat. Darnach wäre nicht A. Akiba allein mit Jonathan zusammengetrossen, vielmebr hätte 3t. D osa die Deputation in plcm* seinel^Brud er mit der Empsehliuig zilgeichielt, sich böslich gegen die „Weilen Israels" zu beiiehinen; dieser aber, nachdem er sich vergebens bemüht batte, seine scharssiiinigen Dednetionen ihnen zugänglich zu machen, hätte dem stk. Dosa sagen lassen: „Diele nennst Du „die weisen Israels", das sind Schüler, die erst noiN lernen inüssen!" Bon einem speeicllen Insulte gegen :>t. Akiba weiß diese vesearl nichts. +*l Sb diese Zeile bles in der neuen «vermntblich in Vembergt ebne Angabe des Jahres und des Drinkorles erschienenen Detavansgabe lauf dem Titelblatte l>eißt es: eorrigirt nach der größeren Ausgabe in Karlsruhe, wobei das Wor: „Karlsruhe" mit großen Buchstaben gedrmll ist, um den Dchein zu erweNeu, als sei das auch eine tarlsrn her Ausgabe', oder schon in der älteren tarlsruber FolioanSgabe seblt, kann ich nicht angeben, da mir die ältere Ausgabe augenblicklich nicht vorliegt. Freilich wäre auch dann noch im Seder-Hadorot eine Ungenanigleit zu vermerken. Das Wort „Heil Dir" kommt nämlieh nicht in R. De i'a's, sondern in Jonathans Anrede an R. Atiba, und zwar nur in ironischem Siimc, vor. Doch muß man so geringe, nur durch Flüchtigkeit erzeugte. Abweichungen bei so slei ßigen Eompilaloren schon übersehen, 'zninal wenn inan ans den im E >i Jacob besindlicheu In sab achtel, wonach A. Dosa den Bibelvers „Besser guter Name als köstlich Del" «Pred. 7, I, aus N. A liba angewandt haben soll, was eigentlich nur eine Umschreibung des Satzes: z'^.2 vT'r^' und zwar in lobendem Sinne, wäre. erwähnen sollen, daß Maimonides in seinem Mischnacommentar (Sota 5. I.), und Tosafot Jom-Tob 5. 2.) diese Ansicht bestreiten. In der Fortsetzung der „Probe" in Nr. 23. dieser Zeitung S. 37 8. sagt Herr Dr. Hamburger: „Man führt seine (R. Akiba's, Halachot an ohne die Einrede seiner Gegner;" als Duelle giebt er an: „Pea 1. 0; Kelim 17. 13." — Doch ist dabei zu bemerken, daß an der ersten Stelle die Entscheidung R. Akiba's nicht als Norm für die Praxis gilt, weil eben die Fassung jener Mischna voraussetzen läßt, daß die Majorität nicht mir ihm übereinstimmt, was auch ans Jeruschalmi Masse rot Eap. I. hervorgeht (f. Kescf Misch neh Hilchot Maasser 0, 3.); dahingegen gelten an der zweiten Stelle die Worte R. Akiba's als Norm, weil sich keine Gegnerschaft findet. Zwar spricht der Eommentar Barten ora die Ansicht aus, das; auch an dieser Stelle R. Akiba's Entscheidung nickt als Norm gilt, stützt sich aber dabei augenscheinlich ans Maimnni's Mischnacommentar, und übersieht, daß Mainnmi selbst im Jad hasch a saka diese Ansicht aufgegeben, und die entgegengesetzte als rechtskräftig erklärt hat. (Bgl. Tosasel Jom-Tob Kelim IN, I. Anfang, und Misch na-lamelech Hilchot Kelim 1. 3.) — Was Verfasser mit den weiteren Quellenangaben: „Kilaim 8. 7; Kelim 11. II." sagen will, ist mir unerfindlich,' da diese Mischnaparagraphen gar nicht existiren. —'Außerdem bemerke ich noch, daß auch die Halachot anderer Tana'ün manchmal ohne die Einrede ihrer Gegner angeführt werden, während die Gegnerschaft öfter ans anderen Stellen ersichtlich ist. (Siehe z. B. Beza 2. 10, wo eine Entscheidung R. Jehnda's sogar in zwei Varianten angeführt wird, ohne rer gegnerischen Sentenz 3k. Simeons Erwähnung zu thun, die aber nichts desto weniger in der Praxis als Norm gilt.) Daselbst: „Uno entscheidet eine Majorität gegen ihn, so gelten doch seine lehren als Norm für eine spätere Zeit." Als Duelle giebt Vers, an: „Nedarim!». 8; Baba lama 5. 0; Nidd a 8. 2. 3." — Aber in Nedarim 0. S. ist gar keine Majorität gegen R. Akiba; Vaba kama .'». 0. geschieht des R. Akiba gar keine Erwähnung,'eben so wenig in Nidda 8. 2*); in Nidda 8. 3. ist wiederum keine Majorität gegen 3t. Akiba. Mit einem Worte, es ist in Bezug auf Majeritätsbestimninngen mit den Entscheidungen R. Aliba's keine Ausnahme gemacht worden. Zu bemerken ist nur, daß die Amorann überhaupt für eine in der Mischna in der Minorität gebliebene *) Dort wird nur R. Ehaniua ben Antigonus angeführt; daß dessen Entscheidung dort als Norm gilt, obschon eine Mehrheit gegen ilm ist, hat seinen C'ruud darin, daß — wie der Talmud »nr Stelle beinertt — der Haupigegner selbst später eingelenkl und die Ansicht R. Ehanina's als die riwlige anerkannt hat. lWiedermn hat sich Ba r renora dort durch Maiiimni's Mi'chnaconmienlar verleiten tasten zu ertlären, daß A. Ehanina's Ansicht nicht normativ sei, während Mainmni selbst in seinem Hauptwerke das Entgegengesetzte lehrt, dein auch alle Easuisten beipstichren: siehe ’ST zur Stelle». 3U*

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