Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1873)
- Date
- 1873-07-22
- Page
- Seite 490 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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490 seiner Mutter selbst entfernt worden ist. Letztere war nichtsdestoweniger durch die ganze Stadt, zu den Eonsuln und selbst zum Vali gelaufen, um sich über den schrecklichen Diebstahl, zu beklagen, deffen Opfer sie geworden war. Die Israeliten von Eanea, die bis auf diesen Tag beständig in bestem Einvernehmen mit der türkischen und griechischen Bevölkerung gelebt hatten, fordern, daß die Thatsachen! zur Kenntnis; des GroßvezirS gebracht werden, damit gegen den' oder die Urheber dieses strafbaren Versuches vorgeschritten werde. Zugleich melden sie ein ernstes Vorkommnis;, welches am: letzten Osterfest bei Gelegenheit der beleidigenden und grotesken Ceremonie des „Judas", welche jedes Jahr zu dieser Zeit wiederholt wird, stattgefnnden hat. Der „Judas" ist eine Puppe, welche man durch die Straßen führt und dann verbrennt. Dieses Mal hatte ein Einschreiten-res ^französischen Eonsuls bei Seiner. Exccllenz Saswet-Pascha die beleidigende Proeession verhindert, aber nichtsdestoweniger fand das Autodafe auf dem griechischen Kirchhofe in Gegenwart von Beamten statt. Wie kann man auf das Ende solcher Manifestationen hoffen, so lange sie durch die Mithülfe dev Regierung so zu sagen sanetivnirt werten? I e u i l Notizen mm Dr. 8. 3oeI, Rabbiner in Krolaschin.-) In Ihrem geschätzten Blatte Nr. 22, Feuilleton, geben Sie, geehrter Herr Nedacteur, „Eine Probe aus I)r. Hamburgers Realencyclopädic aus Bibel und Talmud, Abth. II. Art. R. Akiba." Beim Durchlescn dieser „Probe" bin ich aus einige Eitate gestoßen, bei denen der Verfasser Ungenauigkeiten fick) hat zu Schulden kommen lassen, die Sie mir gestatten wollen, hier zu berichtigen. Daselbst S. 303. führt der Verfasser als einen Beweis der großen Bescheidenheit R. Akiba's Folgendes an: „Und als ihm einst R. E lies er entrüstet zurief: „„Nicht einmal zum Rinderhirten taugst Du!"" antwortete er: „„Auch nicht einmal zum Schafhirten!"" Einige Seiten weiter (S. 30',, bringt dann der Verfasser denselben Ausspruch: „Nicht einmal zum Ninderhirten biss Du fähig!" im Namen des N. Dosa Sohn Hhrkan, und in einer Anmerkung zur Stelle dieselbe Antwort R. Akiba's: „Auch nicht zum Schafhirten!" Für ersteres Eitat giebt er als Quelle an: Iebamot JO, für das zweite: Iebamot 17." -- Aber weder „R. Elieser der Große" (Lehrer R. Akiba's), noch der allverehrte, greise 9t. Dosa haben sich je erlaubt', die unbestrittene Geistesgröße R. Akiba's auch nur an;uzweiseln, geschweige denn ihm Unfähigkeit'vorzuwerfen. Letzteres lhat nur Jonathan, ein jüngerer Bruder R. Dofa'ö, den dieser selbst als einen zwar scharfsinnigen, halachisch sehr gewandten, aber auch rabulistischen und rechthaberischen Gelehrten bezeichnet tos). Iebamot 10. a. In rer interessanten Talmudstelle wird nämlich Folgendes erzählt: Es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß R. Dosa ben HyrkanuS, der als hochbetagter, fast erblindeter Greis schon lauge vom Besuche des Lehrhauses sich zurückgezogen hatte, in einer bestimmten Halacha iyr.xh rar, n-sj gegen die recipirte i Hillelsche) Ansicht sich ausgelehnt habe. Dies lhat den Gelehrten *) Da wir den Artikel auS dem Werke dcS Herrn 9r. Hainburger nn Feuilleton gegeben haben, müssen wir dic'e Notizen au demselben Orte folgen lassen, oblcho» das Feuilleton eigentlich mehr der Unterhaltung al» gelehrten Bemerlnugen gewidmet ist. ' Nedactiou. feto sehr weh, weil der hochgelehrte Greis bei ihnen in hohem Ansehen stand. Man beschloß daher, eine Deputation an ihn abzusenden, bestehend aus R. Iehoschua ben Ehananja, R. Eleasar ben Asarja und R. Akiba ben Joseph. Als nun dem R. Dosa die „Weisen Israels" «ax-a-- gemeldet wurden, hieß er sie freundlich willkommen. Er bat sofort den (ihm wohl persönlich bekannten*» Mi. Iehoschua, sich aus ein goldgesticktes Ruhebett niederznlassen. Daraus stellte ihm dieser den R. Eleasar ben Asarja vor. -„Ich freue mich," sagte 9t. Dosa, „daß unser College Asarja einen (so gelehrten) Sohn hinterlaffcn hat." Als ihm dann R. Akiba vorgestellt ward, sagte R. Dosa: „Ah, Tu bist Akiba ben Joseph, dessen Ruf von einem Ende der Erde bis zmu anderen dringt: nimm Platz, mein Sehn, nimm Platz! Mögen noch Viele in Israel entstehen, die Dir gleichen!" Die Gelehrten legten ihm nun die erwähnte Gesetzesfrage vor, miD er entschied ganz im Sinne der recipirteu Halacha. „Aber," meinten die Depntirlen, „man hat uns doch in Deinem Namen die entgegengesetzte Ansicht mitgetheilt?" — „Habt ihr," entgegnen fragend der 9tabbi, „ausdrücklich meinen Namen Dosa, oder vielleicht nur ben Hyrkanus gehört?" — „Beim Leben des Rabbi," erwiderten die Gelehrten, „wir haben nur schlechtweg ben Hyrkanus gehört!" — ,,'Jiim denn, daS ist mein jüngerer Bruder Jonathan, er ist ein rechthaberischer Rabulist, ein Jünger aus der Schule Schaunuai's; nehmt euch vor ihm in Acht, er könnte euch durch seine Argumente nieterschlagen, denn er hat eine Unmasse von Eontreminen gegen euere Halacha angelegt — ich aber sage euch, laßt euch dadurch nicht beirren, denn ich bin im Besitze einer uralten Tradition, die ganz mit der recipirteu Ansicht übereiustimmt!" — Beim Hinweggehen richteten es die Depntirtcn so ein, das; einer von ihnen dem Jonathan begegnen nmßre. Cs war 9t. Aliba, rer mit Jonathan zusannuentraf, und sofort setzte dieser ihm mit Argumenten zu und trieb ihn so in die Enge, das; er ihn <den R. Akiba);nm Schweigen brachte. Daraus sagte Jonathan: „Also Du bist Akiba, dessen Ruf von einem Ende der Erde bis zum anderen *) Was auch aus Ieruschalmi Z. St. deutlich hervorgeht.