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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-22 · Heft 30 (22.7.1873) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 30 (22.7.1873)
Date
1873-07-22
Page
Seite 487 (sequence 7)
Language
German
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487 Neutra. r>. Juli. Der „pester Lloyd" enthält von hier eine sehr ausführliche Klageschrift über das Verfahren, welches der neugewählte Bürgermeister, der vor -kurzem mit' Hülfe der jüdischen Wahlstimmen in der Wahl gesiegt hat, gegen jütische Bürger cinschlägt. Es werden zwei Fälle erzählt, in welchen sich dieser Bürgermeister rechtswidrige Handlungen, mit Schmähungen verbunden, gegen jütische Bürger hat zu Schulden kommen lassen. An sich sind sic zu unbedeutend, um hier weitläufig erzählt zu werden. Wir können unsererseits die dortigen Glaubensgenossen nur aufsordern, sich Nichts gefallen 311 lassen, sondern von Anfang an ihr 3u'd>t beharrlich anszusechten, damit dem Herrn Bürgermeister nicht der Kamin schwelle, und er in seinen Uebergrifsen immer weiter gehe. Es wird doch in Ungarn noch Recht zu finden sein! Bedauerlich ist es, daß dies in einer Stadt vergeht, wo bis jetzt der schönste Frieden zwischen den verschiedenen Consessionen herrschte. Kolomea, u>. Juli. Tie Majorität der Wählerschaft wirr hier einen verfassungstreuen Reichsrathseandidaten aufstellen. Für den hiesigen Bürgermeister-Posten wird b)r. Rasch, ein Israelit, candidirt. Lemberg, ln. Jnli. In mehreren Städten Galiziens wurden bereits israelitische Localwahlcomit6s organisirt. Die Censtitnirung sämtntlicher jüdischer Zweigcomites soll bis l. August erfolgen. Krakau, 12. Juli. Ter „N. fr. Pr." wird telegraphirt: „Eine Versammlung jüdischer Wähler, darunter auch Zyblikiewicz als Präses des Eentralwahlcemitü's Westgalizicns, beschloß nach heftigen Debatten, rem lemberger jüdischen Centralwahlcomitv nicht beizutreten. (Wenn es wahr ist, nicht überraschend, renn bekanntlich ist Einigkeit niemals die Tugend gewesen, durch welche sich die Inden auszeichncn. Redact. d. A. Z. d. I.) Frankreich. Paris, l l. Juli. Baron Gustav Rothschild hatte gestern eine lange Unterredung mit dem Schah, in welcher derselbe sehr warm für die Juden in Persien plairirte. Ter Schah versprach, in seinen Staaten bezüglich der Behandlung der Juden Modisieationen eintreten zu lassen. Paris, 12. Juli. Ter „Eöln. Ztg." schreibt man: „Heute Nachmittag gab der Schah Audienzen. Unter Denen, welche empfangen wurden, befanden sich auch die Mitglieder der „Alliance israelitc“ mit Erömieup an rer Spitze. Die beiden Großrabbiner halten sich ihnen angeschlossen. Crömieuzmachte den Wortführer und bat den Schah, daß bei den Reformen, die er beabsichtige, er die Juden nicht vergesse, die sich in seinen Staaten in einer mißlichen Lage befänden. Crcmieup sprach Französisch, und der Schah verstand wenig von-seiner Rede. Rothschild hat die Sache der Jtiden aber durch einen voreiligen Schritt verdorben. Er sandte nämlich seinen Secretär, Dr. Albert Cohn, zu ihm, um sich über die schlechte Lage der Juden zu beklagen. Ter Schah nahm dies mit Unwillen, auf und ließ antworten, daß cs nicht wahr sei, daß »tcui die Juden in seinen Staaten verfolge. Aus Südfrankreich, <». Jnli. «Privatmttch.) Sie haben wahrscheinlich aus den Zeitungen das Abbrennen des hiesigen Tempels gelesen, dessen Pracht ich Ihnen wenige Tage vorher beschrieben hatte. Freitag den 27. Juni früh 11 > Uhr versuchten die dazu bestellten Gasröhrenarbeiter, ob das Gas für die Abendbelenchtung seinen gehörigen Laus hätte. Sie fanden Alles :m besten Zustande, zündeten einige Leuchter an, und löschten sie dann wieder ans. indem sie die Schrauben umdrehten. Als sie eben die Tempelthüre schließen wollten, bemerkten, sie eine kleine Flamme, die einen Theil der Frauengalerie umzüngelte. Sie machten Lärm, riefen Leute herbei; Alles verlor den Kops, so daß der Großrabbiner Lcvy, der zehn Minuten entfernt von dem Tempel wohnt, und gleich vom Vorfälle unterrichtet wurde, der Erste war, als er sogleich herbeilief, der an ein Retten des Gebäudes dachte. Das vorräthige Wasser genügte aber nicht, den schon bederitenden Brand zu löschen, und dadie Feuerlöschmannschaft noch nicht angekommen war, rettete der Großrabbiner mit der größten Gefahr wenigstens die Thorarellen imd andere Gebetrequisiten. Als bald nachher die Wasserpumpen kamen, mußte man sich damit begnügen, die benachbarten Häuser zu retten, der Tempel war verloren, das Tachgebälk eingestürzt, nur die kahlen Wände blieben noch übrig. Tie ganze Garnison war herbei - geeilt,, die Seminaristen des hiesigen katholischen Geistlichenseminarinms, das unweit von da ist, wurden ebenfalls von ihren Tirectoren «Geistlichenzur Brandstätte hingeführt, wo sie sich am Löschen auf's Eifrigste bethätigten. Alles war umsonst. Nach dem Brande schickte der Cardinal seinen Bicairegeneral zu dem Großrabbiner, um ihm sein Beileid im Rainen aller Geistlichen des Sprengels anszudrücken, und da Dieser den noch an der Brandstätte weilenden Großrabbiner nicht traf, hinterließ er ihm ein Brieschen, in welchem er dieses Beileid aus die herzlichste Weise ausdrückte. Einige Stunden später kam auch der hiesige Pastor «md drückte dem Großrabbiner dieselben Gefühle ans. Der Tempel war für 1 «.<>,<>(><» Francs assceurirt, und da er sich in einer engen Gaffe befand, beabsichtigt man einen neuen in einer schöneren Gasse auszubauen, wozu die Stadt wahrscheinlich den Platz und der Staat eine Subvention geben wird. Wahrscheinlich wird man, wenn diese Idee sich Bahn bricht, ein provisorisches BelhauS ans rer Brandstätte Herrichten. Rumänien. Bordeaux, im Juli. iPrivatmitth.) Ihr jaffyer Eorrespondenl spricht sich in Nr. 27 über die Schulen Rumäniens

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