Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1873)
- Date
- 1873-07-22
- Page
- Seite 483 (sequence 3)
- Language
- German
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483 Pflanzenwelt „zur Speise" gegeben, wie Vers 23 dieselbe Pflanzenwelt dem Menschen „zur Speise." Ter Verbrauch eines Tinges ist als» mit dem eigentlichen Zwecke durchaus nicht identisch. Aehnlich 3. Hiermit stimmt auch Psalm 8, I ff. überein. Ter Sänger schauet zum Himmel empor, aus Mond und Sterne, und rust aus: „Was ist der Mensch, daß Tu sein denkest, der Menschensohn, daß Tu sein achtest?" Tann blickt er zur Erde, und sagt: „Tu setztest zum Herren ihn über Teiner Hände Werke, 'Alles legtest Tu unter seine Füße, Schase und Rinder zumal ss." 'Also auch hier wird dem Menschen nur die Macht gegeben, von den vorhandenen und bestehenden Wesen das zu gebrauchen, dessen er sich bemeistern kann, womit der Zweck der Tinge in keinerlei 'Weise berührt wird, da es dennoch nur ein sehr geringer Theil der bestehenden Tinge ist, den der Mensch sich zu eigen machen und verwenden kann. Mit der Schöpsungsgeschichte läuft bekanntlich der 1<»1. Psalm parallel. Teru Ztvecke des Gesanges gemäß, wird hier alle Herrlichkeit aus Gott selbst zurückgesührt, und in dem Gemälde rer unermeßlichen Schöpfung niiitntt der Mensch nur einen kleinen Raum ein. Ter Sänger, cencentrirr seine Anschauung in dem 'Ausspruche «B. 21): „Ewiger! wie unendlich sind Deine Werke!- 'Alle hast Tu mit'Weisheit gemacht!" Was anders bedeutet dieser Satz, als daß Gott 'Alles zweckentsprechend geschaffen hat, in allem einen Zweck, und Diesen aus die angemessenste Weise verwirklicht hat. Tenn dies ist die Bedeutung des Wortes „Weisheit". So wird denn auch hier und da der Zweck angcdeutet: Ter Zweck der Duette, den Thieren den Turst zu löschen iBers! l), des Grases und trautes, dem Biehc und dein Menschen nach ihrer Art Speise zu geben, der Bäume, den Vögeln zur Wohnung'zu dienen «Vers l«i bis 18», und La wird bemerkt, wie gegensätzlich die hohen Berge den Ziegen, die harten Felsen een Berguläusen zur Zuflucht dienen; ja der Zwiespalt zwischen dem Menschen und den Raubthicren wird hervorgeheben «Vers 22. 23), so daß in letzteren ein Zweck für den Ersteren gewiß nicht zu suchen ist. Ter Zweck des Mondes und der Sonne, der 2lacht und des Tages, des Meeres, „daß der d'ivjathau darin spiele" wird angegeben, aber in der ganzen Schilderung außer der Sättigung des Menschen durch -kraut, Brod und Wein, gleich der Sättigung des Viehes durch Gras und Kraut, und der Bäume durch die Duellen und Bäche, wird nur ein Mal vom Rutzen der natürlichen Tinge sür den 'Menschen gesprochen, nämlich, daß auf dem Meere „Schisse wandeln." 2a, die Dinge der Ratnr dienen nur den Zwecken Gottes, denn (Vers 1) „Winde macht er zu seinen Boten, Fenerslammen zu seinen Dienern." Ter Säuger gieb: auch das Motiv der Schöpfung aus seinen eigenen Gefühlen heraus an: «Vers 31) „Aus ewig ist des Ewigen Herrlichkeit, rer Ewige freut sich seiner Werke." Während also hier die Schöpsung als ein einheitliches Ganzes geschildert wird, in welchen alle Glieder zur gegenseitigen Erhaltung, damit sie bestehen, eittgeordnet sind, also Zweck und Zweckmäßigkeit in derselben anerkannt und gepriesen werden, ist nicht die geringste Spur von der Ansicht vorhanden, daß 'Alles um des 'Menschen willen geschaffen sei. Zm Gegentheile wird hier, wie auch an anderen Drteu >Psalm 115, 15. 10), die Fürsorge Gottes für die Ernährung aller lebenden Wesen verherrlicht «Vers 27. 28). Daß Gott Alles mit bestimmtem Zwecke und in der diesem entsprechendsten Weife geschaffen hat, wird auch an anderen Drten der heiligen Schrift als deren Grundanschauung dadurch in poetischer Weise ausgedrückt, daß die Weisheit personifieirl, als erstes Schöpsnugswerk Gottes dargestellt wird, die nun bei Gott während der Schöpsung gewesen ist, d. h. daß Gott Alles mit Weisheit geschaffen hat. Man lese die glänzend dichterische Schilde'ning, Sprüche Sal. 8, 22 ss., wo Gott Alles mit Weisheit schasst, ordnet und vertheilt. 2n gleicher 'Weise Hiob 28, 23 ff., wo es heißt: „Als er Gewicht dem Winde gab, und die Wasser nach Maßen ordnete, da er Gesetz dem Regen gab, Bahn dem Wctterstrahle: da sah er sie «die Weisheit) und maß sie ab, verwirklichte, erforschte sie." 'Allein noch mehr. Die Ansicht, daß der Mensch der eigentliche Zweck der Schöpsung sei, wird in der Bibel auch geradezu bekämpft. Bekanntlich wird im Buche Hieb die alte Allsicht, daß alle Schicksale der Menschen nur Vohn und Strafe für ihre Handlungen sind, auf's Heftigste bestritten und nachdrücklich beseitigt, vielmehr die Vehre ausgestellt, daß auch die Geschicke der Menschen Selbstzweck haben, nämlich den 'Menschen zu prüfen, zu entwickeln, zur Eutsaltung seiner Seelenkräste zu dienen, ihn zu läutern. Hierfür den Beweis zu führen, wird zum Schluffe ein großes Ramrgemätde anfgerollt, dessen Zweck die Bekämpfung der Ansicht ist, als ob Alles um des 'Menschen willen da sei, und vielmehr gelehrt werden soll, daß jedes Ding in der 'Ratnr seinen Selbstzweck habe, nänllich in feiner Art ta zu sein, das Dasein zu haben und zu genießen. Zu diesern Ente wird erstens gezeigt, lvie die lncisten und größten Werke der Schöpfung dem Menschen in keinerlei Weise unterihau lllid von ihm in ' ihrem Wesen und Umfange nicht ein '.Mal gekannt sind; zweitens, wie Gott Vieles ent- und bestehen läßt, wovon der Mensch gar keinen (gebrauch machen kann. So heißt es 38, 20. 27: Er läßt „regnet! auf mäunerleeres Vaud, auf 'Wüsten, wo kein Mensch, zu sättigen und Verödung und Graswnchs sprießen zu lasten;" drittens, daß der 'Mensch einer Menge Tinge nicht mächtig werden könne und von ihnen einen Mutzen zll ziehen nicht vermöge; so 3'.», 5, der wilde Waldesel, der in den Wüsten und auf den Bergen seine Weide hat, „des Treibers nnv des Srattgetümlnels lacht", der Büffel, den „an die Furche mit dem Seite.zu binden nicht gelingt, der für den Menschen nicht egget, und die Saat nicht einsammelt in die Tenno." Ter Strauß, der „des Rosses und des Reiters spottet", der Habicht, der Adler, das Rikpferd, das doch „GraS frißt gleich Rind", daS Crecodil, 30*