Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1873)
- Date
- 1873-07-15
- Page
- Seite 474 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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474 des Präfecten dürfen wir uus nicht gefallen lassen. Die Juden wollen überall einen eigenen Friedhof haben und gar nicht in der von jenen Herren so genannten „geweihetcn Erde" ruhen. ES ist nicht Sache res Erzbischofes und des Präfecten, sie auszuschließcn, sondern aller Orlen ist es ihr eigener Wille, einen eigenen geweiheten Friedhof zu besitzen. Wo ihnen ein solcher nicht, wie es Fug und Recht wäre, von der Ortsgemeinde gegeben wird, erkaufen sie sich ihn mit ihrem eigenen Gelde. Ist es ihnen doch schon Bortheil genug, weder von der Duldsamkeit des Erzbischofes, noch von der Willkür des Präfecten abzuhängen. Gwßbritaimie». Glasgow, im Juni. Man schreibt von hier: Eine ganze Eolonie jüdischer Schneider und Näherinnen hat sich jetzt in Glasgow niedergelassen. Eine große Zahl derselben halte feste Eontracte mit den Eigenthümern der Kleidcrmanufacluren abgeschlossen, in welchen Eontrasten stets die Clause! verkommt, am Samstag nicht zu arbeiten zu brauchen. Diese Arbeiter kommen gewöhnlich von London und bilden einen beträchtlichen Zuschuß zu der hiesigen jüdischen Gemeinde, welche jetzt an Zahl und Bedeutung die von Edinbnrg übertrifst. (Die Mehrzahl dieser jüdischen Schneider stammt wohl aus der Provinz Posen, wo dieses Handwerk unter unseren Glaubensgenossen sehr verbreitet ist.) Rumänien. Wien,. 2. Juli. Die rumänischen Blätter Nomanul, Roumanie und Bhzantine brachten die Nachricht, daß der Generalconsul der Vereinigten Staaten von Nordamerica in Bukarest, Herr Peirotto, von diesem Posten abberufen worden wäre. Wie uns mitgetheilt wird, entbehrt diese Nachricht jeder Begründung. Herr Peirotto befinde! sich hier im Gefolge des Fürsten Karl von Rumänien, und kehrt am 5. Juli auf seinen Posten zurück. (Die rumänischen Blätter unterlassen es überhaupt keinen Augenblick auf die Juden zu schmähen und Vcrläumdungen über sie zu verbreiten. Wir aber verschmähen cd, ihnen auf diesem Wege zu folgen, und unterlassen es, Auszüge und Widerlegungen zu bringen. Solche helfen gegen diese Lügenbrut doch Nichts, die Mühe, die darauf verwendet wird, ist geradezu verloren, und unsere Leser würden damit nur belästigt werden. Nedaction.) Sonntag wurde eine Deputation des Vereines „Schomer Israel" in Lemberg, bestehend aus dem Vereinsvorsteher, Advocaten I)r. Joseph K'ohn aus Lemberg, dann aus den hiesigen Advocaten und Vereinsmitglicdern Herren Dr. Hönigsmann und Dr. Landesberger, von dem Fürsten Karl von Rumänien empfangen. Die Deputation übergab dem Minister des Auswärtigen, Herrn Boereseo, ein von Di. .Hönigsmann verfaßtes Memorandum zn Gunsten der rumänischen Inden, und erhielt von diesem Minister die beruhigendsten Zusicherungen bezüglich des ferneren Vorgehens der gegenwärtigen rumänischen Regierung in der betreffenden Frage. .Hierauf wurde die Deputation von dem Fürsten Karl in mehr als halbstündiger Audienz empfangen, während welcher sie die Stellung ihrer Glaubensgenossen in Rumänien erörterte und deren Schicksal dem Fürsten an's Herz legte. Auch hier fand die Deputation das freundlichste und huldvollste Entgegenkommen, und begegnete einer durchaus liberalen Ausfassung, selbst in Sachen des berüchtigten Spirituosengesetzes, allerdings aber auch dem Wunsche, die rumänischen orthodoxen Juden selbst möchten das Entgegenkommen durch Aufgeben so mancher abstoßenden Eigenthümlichkeiten in Tracht, Sitte u. s. w. erleichtern. Eine ähnliche Aufnahme hatte auch die am 27. dieses Monates bei Sr. .Hoheit erschienene Deputation der wiener israelitischen Allianz, bestehend aus den Herren Ritter von Werlheimer und l)r. Knranda, gefunden. Der Fürst besprach sich auf's Eingehendste mit' der Deputation, erkannte in dieser Frage eine der brennendsten für Rumänien an, deren Lösung ihm eine ernste Aufgabe sei, und sagte der Deputation einen nochmaligen Empfang ans seiner Rückreise zu. I e u i l Ausflüge nach verschiedenen Stationen. II. Zu einem viel weiteren, wenn auch nur kurzen Aussluge, laden wir heute unsere geehrten Leser ein. Sie sollen mit uns sogar die Gränzen ihres Vaterlandes überschreiten, sofern sie nicht dem schönen Lande a'.'.gehören, in daS wir nufere Schritte lenken. Wir begeben uns an den Fuß jenes riesigen Gcbirgsstockes, der den Mütclpunct Europas bildet, und an den sich gewissermaßen die weilen Ebenen Europas, zum Theil von niedrigeren Armen dieses Gebirges durchzogen, nach allen Weltgegendcn hin lehnen. Aber auch da rasten wir nicht, sondern übersteigen das Hochgebirge ans einem der Pässe, welche in so l e t o n. großartiger Weise durch Kunststraßen gangbar gemacht worden sind. Wir nöthigen unsere Leser durchaus nicht, auf welchem derselben sie in die herrliche Halbinsel der Apenninen, den „Garten Europa'»", in Italien eindringen wollen. Sie mögen über Genf und Ehambörh, über und durch den Mont-Cenis ziehen, den großen Tunnel, bis jetzt das bedeutendste Eisenbahnwerk, passirend; oder über Luzern und den wildromantischen Vierwaldstättersee, durch ras von Schiller so meisterhaft geschilderte Reußthal den Gotthardt besteigen, und durch das schreckenerregende Val tremolo den landschaftlich so reichen Pfad über Airoto und Faido himmtersteigen, nach unserer Meinung den schönsten Alpcnübergang, an welchen der Bernhard. Simplen oder