Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1873)
- Date
- 1873-07-15
- Page
- Seite 473 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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473 Unterricht, um eine priucipiellc Entscheidung herbeizuführen. Das Ministerium hat nun die von der Statthalterei ausgesprochene Bestätigung der Verfügung des wiener Magistrates als legal erklärt, „weil die Zahlungspflicht der Betreffenden nach den §§ 3, 5 und 7 des zu Recht bestehenden Statutes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien außer Zweifel steht". So lange dieselben Israeliten bleiben und in Wien wohnen, gehören ste gesetzmäßig zur israelitischen Cultusgemeinde; nur mit dem Austritte aus dem Judenlhume hört die Gemeindeangehörigkeit auf. Tarnopol «Galizienl, 2. Juni. Zu Ehren des Direetors der hiesigen israelitischen Hauptschule, Herrn Michael Perl, welcher am 13. dieses Monaies seinen siebzigsten Geburtstag begeht, findet hier an dem gedachten Tage eine Schulseierlichkeit statt. Herr Perl ist der würdige und verdienstvolle Sohn jenes Mannes, welcher im Jahre 1813 die erste deutsche Schule für Juden in Galizien hier gegründet und sein ganzes Leben hindurch für die Verbreitung der deiltschen Cultur unter den galizischen Juden unermüdlich gewirkt hat. Den Kampf mit der jüdischen Orthodoxie, den sein Later unerschrocken ausgenommen, setzte Direetor Perl, der seit ungefähr vierzig Jahren die israelitische Hauptschule als Director unentgeltlich leitete, mit Ausdauer fort, obwohl seit Beginn der goluchowskischen Aera die hiesigen Organe der Negierung stets auf Seite der Orthodoxen stehen, und die deutschgebildeten eivilisirten Israeliten ihres legitimen Einflusses auf die Gemeinde- und Schulverwaltung thunlichst zu entkleiden streben. Daher ist es begreiflich, daß Regierung und Gemeindevorstand die deutsche Hauptschule der Juden mit nicht besonders günstigen Augen ansehen, und daß die Schule nur der Opferwittigkeil ihres Direetors ihr wacksendes Gedeihen und ihre Vergrößerung verdankt. Namentlich ist die vor ungefähr zehn Jahren mit ihr in Verbindung gebrachte Mädchenschule, die auch auf 'die materiellen Verhältnisse der armen jüdischen Bevölkerung wohlthärig einwirkt, weil die Mädchen in den gut bezahlten weiblichen Handarbeiten unterrichtet werden, ganz das Werk des Direetors Perl und seiner nunmehr verstorbenen Gattin. Wir wünschen aufrichtig, daß der um die deutsche Bildung und Aufklärung der hiesigen Judengemeinde so hochverdiente Mann, dessen deutsche und streng verfassungstreue Gesinnung sich auch während -der vorherrschenden polnischen Strömung der letzten Jahre gleichgeblieben ist, und die nun immer mehr zu Ehren kommt, noch lange in der bisherigen Weise und mit dem bisherigen Erfolge sortwirke. Buda-Pest. am 28. Juni. tPrivatm.l Von dem in weiten Kreisen ruhmlichft bekannten Director der hiesigen Mädchenhauptschulo, Nathan Fischer, erscheint ein Schulblatt, welches seines gediegenen Inhaltes wegen auch die Beachtung ausländischer Schulmänner verdient. Ter königliche Schulinspector in Buda-Pest hebt in seinem Berichte an den Schulstuhl ganz insbesondere die israelitischen Schulen hervor, und rühmt den Tact der Dircctoren unv Lehrer. rL ... . Frankreich. Pariö, I. Juli. «Nach den Arch. iSr.) Auch die jüdischen Vereine und Anstalten in Paris bequemen sich allmälig, Rechenschaftsberichte über ihr Gebahren zu veröffentlichen. So erschien in diesen Tagen ein Bericht der Finanzcommission des Wohlthätigkeitscomitö's «des israelitischen Eonsistoriums) von Paris für daS Jahr 1873. Der sinancielle Erfolg ist sehr günstig. Für das Jahr 1872 hatte man eine Summe von 221,000 Frcs. als Einnahme veranschlagt, und wurde sie um 32,000 Francs überstiegen, so daß die Einnahme 27.0,o«o Frcs. betrug. Dagegen ward die Ausgabe, die man aus 222,«>0o Frcs. veranschlagt hatte, nur um 11,<><»«> Frcs.- überstiegen, betrug also 230,000 Frcs.; und taniit ergab sich ein Ueberschuß von 20,ooo Frcs. Für das Jahr 1873 beträgt der Ansatz der Einnahme 232,ooo Frcs., dcr Ausgabe 223,000 Frcs. — Jew. Chrom und Arch. isr. geben eine ausführliche Beschreibung der Bar-mizwah eines Sohnes des Solicitor-General. In den deutschen jüdischen Blättern ist es nicht Sitte, Privatacte, wie Hochzeiten, Bar-mizwalss u. dgl. ausführlich zu beschreiben, mögen die betreffenden Privatpersonen noch so reich und noch so angesehen sein. Hoch anzuschlagen, daß ein reicher oder angesehener Jude sein Kind Bar-mizwah werden oder jüdisch trauen läßt, erscheint der deutschen jüdischen Presse kindisch, wenn nicht geradezu verwerflich; innerhalb des Jutenthumes sind ressen Bekenner alle gleich, und haben gleiche religiöse Pflichten. Wer diese vollführt, gut für ihn; wer sie unterläßt, desto schlimmer für ihn. Nur, wo ein allgemeines Interesse berührt wird, trägt ein Familienereigniß einen mehr allgemeinen Charakter.und gehört der Oesfemlichkeit an. Hüten wir uns auf das Gebiet unserer Religion daS Schmeicheln und Kriechen vor den Reichen und Angesehenen einzuführen; wir rhäten Unrecht damit, verbitterten oder corrumpirten die Menge, auf der doch schließlich der wahre und eigentliche Werth liegt. — Der rühmlich bekannte Herr Anspach, Rath am Cassalioushofe, hat das Gesuch, in den Ruhestand versetzt zu werden, eingereicht und genehmigt erhalten. Zu diesem Entschlüsse mag das gegenwärtige französische Regime nicht wenig beigelragen haben. — Professor- Frank hat seine Entlassung als Mitglied des Eentralconsistorinms wieder zurückgezogen. Er kann übrigens nur froh sein, in den gegenwärtigen Oberrath für Unterricht nicht gewählt worden zu sein, da seine Stimme doch nicht hingereichl hätte, den genannten Oberrath von der reaelionären Strömung zrrrückzuhalten, welcher dieser Oberrath anheimgefallen ist. Lyon, 27. Juni. Ter Präfeel Dueros geht auf seinem Wege ilnmnier weiter. Er hat beschlossen, wie die Blätter melden, „einen besonderen Friedhof für Freidenker zu errichten, und zwar aus Anlaß des Erzbischofes von Lyon, der nicht will, daß dieselben in geweiheler Erde ruhen, sondern wie die Juden behandelt werden." Diesen letzten Ausdruck des Erzbifchofeö und 20