Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1873)
- Date
- 1873-07-15
- Page
- Seite 469 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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409 machten sie daselbst. S. 21 bei Wagenfeil ist nach Grünbanm zu verbessern: 1210, s"-n rsrrr v;p n*:V:2 i'rr a'bn yrir^prN ■paasna •p-'17- Pi d. h. nach der Zeitrechnung der Incarnation, der Menschwerdung Christi. Jedenfalls verdient Herr Grünbanm, ein ariuer polnischer Gelehrter, der in Paris auf der Bibliothek sich Abschriften von mehreren wichtigen Manuscripten machte, die gebührende Unterstützung und Anerkennung, daß er den ganzen Wikkuneb vollständig veröffentlicht hat, der in mancher Hinsicht recht interessant ist, wiewohl die Correctur Lielcs zu wünschen übrig läßt. WaS nun die widersprechenden Sagen und Notizen des Talmud über Jesus betrifft (Rabbi Jechiel ben Joseph sah sich dadurch genö-thigt zu behaupten, daß der Talmud von zwei verschiedenen Personen, die mit dem Jesus der Evangelien nicht identisch sein können, rede: ist -:,cj sp so haben sich die Zeiten hierin derart gewaltig geändert, daß selbst christliche Gelehrte die talutudischen Berichte juin Ausgangspnncte ihrer Untersuchungen benutzen. Wir besitzen in den Evangelien, was Strauß, Renan und die tübinger Schule unwiderlegbar dargcthan haben, nur sagenhafte Darstellungen über Ehristits, voll Gegensätze und Widersprüche (die Synoptiker und Johannes geben unS ja ebenfalls daö Bild von zwei verschiedenen Personen! vjp denen jede historische Berechtigung abgeht. So behauptet der geistreiche Verfasser des Werkes „Das Leben Jesu und die Kirche der Zukunft" (Berlin 1872), der gelehrte Pfar^r Heinrich Lang in Zürich, daß unsere Evangelien mehr freie, der Phantasie entsprungene Schöpfungen, als nüchterne geschichtliche Darstellungen enthalten, und daß wir daher vom geschichtlichen Verlaufe dcS Lebens Jesu weniger wissen, als die Meisten selbst von Denen sich einreden, welche den Forschungen der Wissenschaft auf diesem Gebiete im Ganzen zustimmend gefolgt sind. Professor Noack hat in einer Reihe von Artikeln über Galiläa (Ausland 1872) den Nachweis liefern wollen, daß der Schauplatz der letzten Stunde Jesu in Lydda war, und daß der talmudische Bericht über den Tod Jesu (Sanhedrin 67 a, Jeruschalmi daselbst VII, 12: *pba tnr*s pb pi ncc a^ra ifp^bm) daß derselbe nämlich in Lydda erfolgte, dem der Evangelien, die von Jerusalem sprechen, an geschichtlicher Glaubwürdigkeit und Treue bei Weitem vorzuziehen ist. (S. Buxtorf Lege. talm. 1458). Die Stelle, Sanhedrin 107 b: strrab ^pi ,v:r ,bix .“b rnnrcrn glaubte Dr. Sepp in München, als Gegner der Unfehlbarkeit, in seinem geistreichen, von schwindelhafter Gelehrsamkeit strotzenden Artikel „Tu os Pe(rn.<. Erinnerungen an die Steinzeit" (Allg. Zeitung 1872 Nr. 202 und 207), als Beweis anführen zu können, daß die Kirche nicht ans Simon Petrus, sondern auf Christus gegründet, und daß Christus und nicht der Papst der Fels und das Fundament des neuen Bundes sei. Die Sage im Talmud, das; Jesus einen Stein, d. h. wohl Altar, aufgerichtet und angebetet habe, hat mit der Sage in Matth. 16, IS: „Du bist Petrus (d. h. Stein, FelS),. und auf diesen Felsen will ich meine Gemeine gründen", einige Verwandtschaft. Rabbi Jechiel ist der Ansicht, daß rer Talmud mit der Anbetung des Steines, die Anbetung des Kreuzes meine. Doch wir lassen dies Alles dahingestellt sein, und wetten auch nicht die falschen Behauptungen und Fabeln des Herrn I)r. Sepp über den von JesuS eingeführten Markolisdienst, und den Steineultus in der biblischen Zeit widerlegen, da dies bereits Herr Rabbiner Grünbaum in der allgemeinen Zeitung mit vielem Geschicke und gründlicher Sachkenntuiß gethan hat. Minder schlagend war die Etllgeguung von Herrn De. Stein in Frankfurt am Main, weil demselben, sonderbar genug, die Stellen im Talmud über Christus, die in den ceusirten Ausgaben fehlen, nicht bekannt waren. So viel steht fest, daß auch hierin die Berichte des Talmuds immer mehr zu Ehren kommen, und daß jüdische Gelehrte denselben mehr Aufmerksamkeit, als dies bisher von Jost und Graetz geschehen ist, schenken mögen. Schon der eine Umstand, daß sämmtliche Berichte im Talmud darin übereinstimruen, daß der Tod Jesu am Rüst tage kcö Peßach festes: rtcs aara Vw-’r irrsrn Sanhedrin 10 a. erfolgte, womit auch Johannes 18, 28 und 10, 14 gegen die Synoptiker, - die dessen Hinrichtung am Peßachseste geschehen lassen, übereinstinuut, verdient die höchste Beachtung, weil diese unbezwciselte Thatsache, wenn sie einmal anerkannt wird, den glößlen Einfluß auf den christlichen Eultus ansüben muß. - Zrun Schlüsse wollen wir Herrn Grünbanm darauf aufmerksam machen, daß er bei künftigen Verössemlichnugen von Handschriften den Rath von Gelehrten über vorhandene Editionen u. tgl. eiuhelen möge, um den oben erwähnte:: Fehler zu veruteiden. Xtrei ln inj.Mi ixe&ucßleu. Deutschland. München, 26. Juni. Die schon erwähnte Versammlung von Nich tkatholi ken in Regensburg hat in Sachen der AuSrückungSordre zur Fronleichnamsprocessi on an das KriegSminisicrinm eine Petition zu richten beschlossen, worin gebeten wird, daß die dies Mal ignorirten, gesetzlich zu stecht bestehenden Verordnungen iauS den Jahren l 811 und 1815, in denen verboten wurde, uichtkatholische Soldaten zur Ausrückung beim Fronleichnamsfeste zu eemmandiren) für die Zukunft wieder zur Geltung gebracht, und den Petenten hierüber beruhigende Entschließung mitgetheilt werde. Sollte eine solche nicht erfolgen . so sind die Bittsteller entschlossen, in letzter Instanz mit einer Beschwerde sich an den Landtag zu wenden.