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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-15 · Heft 29 (15.7.1873) · p. Seite 468

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 29 (15.7.1873)
Date
1873-07-15
Page
Seite 468 (sequence 4)
Language
German
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468 Kirche über das geistige iu:t> weltliche Leben, der blinde Gehorsam gegen die Hierarchie — das ist keine religiöse Zdee, das ist ihr Gegensatz. Weil aber der Kampf so alt ist, und weil sich noch heute für die Gedanken und Bestrebungen der römischen Hierarchie noch so viele Werkzeuge finden, ist es vorauszusetzen, daß, so heftig er auch jetzt entbrennen mag, er doch auch dieses Mal nicht zu Ende gekämpft werden wird, wenn er auch gegenwärtig mit großem Erfolge für die religiöse Idee und die Glaubensfreiheit auslausen sollte. Immerhin wird cs unserem Geschlcchtc zum Ruhme gereichen: den Kampf straff angenommen und entschieden geführt zu haben. Und nun noch Eines. Wir sagten oben, daß zwar die Juden an diesem Kampfe betheiligt seien, das Iudenthum als solches aber höchstens nur nüttelbar davon berührt werde. Worin besteht Dies? Einfach darin, daß es auch im Iudenthume eine Partei giebi, welche zwar nicht einen Menschen, wohl aber den von Menschen herrührenden Schulchan Aruch mit allen seinen sixirten Vorschriften, welche jede Lebensregung fesseln, zum unfehlbaren Papste für alle Zeiten und Enlturstufen machen, ein geschriebener unfehlbarer Papst noch schlimmer ist als ein lebender, der doch einer anderen Meinung werden kann. Diese jüdische Partei würde mit der ultramontanen, falls diese im Staate Geltung gewönne, Hand in Hand gehen, und eine gleiche Herrschaft im Iudenthume auszuüben versuchen, um so mehr, je unwissender die Masse auf dem talmudisch-rabbinischem Gebiete geworden ist. Darum wird der Sieg der religiösen Idee, der Glaubensfreiheit und der Humanität im Allgemeinen gegen den römischen Ultramoutanismus mittelbar auch ein Sieg für das Iudenthum sein. Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, 23. April. barrr imn nn -sec ns-ta::: 'r-nn 5-vn? "sb Disputation des Rabbi Iechiel aus Paris im Jahre 121 <» n. s. w. Nach pariser Handschriften herausgcgeben von Samuel Grünbaum ans Lubranitz. Thorn, 1873. 15) S. 8. Disputationen über theologische Streitfragen wurden in früherer Zeit sehr häufig öffentlich abgehaltcn, obschon dieselben, wie allbekannt ist, weder wissenschaftlich noch moralisch irgend einen stutzen und Erfolg hatten. Die streitenden Parteien gingen ebenso wenig überzeugt und belehrt von einander, wie sie gekommen waren, und am Ende machten sich noch die Disputanten gegenseitig den Sieg streitig. Die ösfcntlichen Disputationen zwischen Christen und Juden bieten uns überdieß oft ein gar schauderhaftes Bild von dem rechtlosen Zustande der Letzteren dar, weil dieselben die gewöhnlichen Bor- oder Nachläufer von blutigen Verfolgungen und schrecklichen Iammerscencn waren. Bekanntlich sind die meisten Disputationen zwischen Christen und Juden in Folge von böswilligen Denunciationen von Apostaten und Illtenfeinden hervorgerufen worden, und darum ist es leicht erklärlich, daß der Ausgang derselben für die auS Ncligionshaß Verfolgten immer ein trauriger war. Thnt Nichts! der Jude wird verbrannt — war der Schlußrefrain aller-derartigen Dispuiationen, wovon uns Heine in seinem Romanzero eine so gelungene, meisterhafte Schilderung gegeben hat. Die vorliegende Disputation, des Rabbi Iechiel bcn Joseph ans Paris mit dem Convertiten Nikolaus wurde in Paris, Sens und Sentis abgehalten; aber trotz der schlagenden Beweisführung des Rabbi Iechiel gegen die denunciatorischen Angriffe des Opponenten und Eouverüten 'Nikolaus, welche sich sogar, wie cs scheint, des Beifalles rer Königin bisweilen zu erfreuen hatten, wurde dennoch der Talmud verbrannt. Wir übergehen hier die historischen Momente, welche diese Disputation vcranlaßten, indem wir der Kürze wegen auf Graetz, Geschichte der Juden Vit S. 113 und 1<‘*2 ff. verweisen, wo alle Facta und Daten mit kritischem Geiste gesammelt sind. Das angezcigte Werkchen, das Herr Samuel Grünbaum nach zwei pariser Handschriften herausgegeben hat, ist aber zum Theilc längst schon von Wagenseil, Dein ixnca sntruiae: Disputatio Rabbi Jcehielis cum quodam Nicolao. Itemque disputatio Rabbi Mosis Naclimanidis cum fratrc Paulo,, ob zwar fehlerhaft und unvollständig, ungefähr der dritte Theil des ganzen Schriftchens, heransgegeben worden — ein Umstand, der dem Herrn Grünbaum und den Approbatoren, Herrn Grand-Rabbin Isidore in Paris und Herrn Hirsch Kalifcher in Thorn, völlig unbekannt geblieben ist. Es ist dies um so mehr zu bedauern, weil durch die Vergleichung der Texte sehr viele sinnentstellende Fehler hätten vermieden werden können. Auch Wolf Biblioth. hebr. III Nr. 088 nnd IV p. 718, und 722—1, hat hier eine kleine "Nachlese geliefert, die selbst von Herrn Dr. Graetz unberücksichtigt geblieben ist. Bon zahlreichen Fehlern, die leicht zu verbessern waren, heben wir blos hervor die Stelle S. 5, wo Rabbi Iechiel behauptet, daß der im Talmud vorkommende Paffus über Jesus nicht der Christus der Evangelien wäre: rrn 22\“bN iw" rs. Bei Wagenscil, S. 18, ist rrmsn .20 wi? 8-1P120N1 ,d^ow:i N172 n-jod pb vsr pi -.dno •»dd mba die Stelle durch Errata nicht minder unverständlich: nunu -o /■»di so D^borvo rrn crcnbi«. Wagenseil übersetzt das unverständliche N-ib^OK.-n: ißlque etiam Hospitale est (quod cum matre incoluisse diciiur, et qnock exinde Mariammi vocaturj. "Allein sowohl in dem Manuscripte Wagenseils als in den beiden dcS Herrn Grünbaum ist das Wort cornnnpirt nnd läßt sich leicht verbessern. Es soll einfach heißen: s-.pbiDom sepulcrum, d. h. das Grabmal Christi ist noch heute daselbst, oder anstatt 20 iriv ist zu lesen: ro?,

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