Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1873)
- Date
- 1873-07-08
- Page
- Seite 459 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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45.9 aus anderen Motiven, nicht nur von den Conferenzen fern blieben, sondern auch der Unterstütznngseasse nicht beiträten, und' deren Interessen, wie es ihre Pflicht im wohlverstandenen eigenen : Vortheile wäre, zu fördern unterließen, oder aber den Lehrerbcruf, oft nicht mit Unrecht in Rücksicht auf Anstellung, Besoldung und Zeitverhältnisse, als kurze Uebergaugsstalion zu einem materiell besser lohnenden Lebensberufe betrachteten. Daher eben rühre der so beklagenSwerthe Austritt so vieler mitunter tüchtiger Lehrer ans ihrem Berufe, daher der Mangel an geeigneten Lehrern, daher die Verödung der Schule in so mancher Gemeinde, welcher leider von diesen noch nicht hinlänglich erkannt, geschweige denn nach Gebühr gewürdigt, und dessen gründliche Beseitigung, welche nur durch dauernde Anstellung und den Anforderungen der Zeit entsprechende Besoldung möglich sei, noch fast gar nicht oder nur selten erstrebt werde. Die traurigen Erfahrungen der älteren Lehrer, die nach Decennien segensreicher Wirksamkeit dennoch jeden Augenblick entlassen und mit den Ihrigen dem Mangel preisgegeben werden können, entschuldigen, ja rechtfertigen durchaus den Uebergang der jüngeren Lehrer zu lohnenderer Berufslhätigkeit. Nicht durch Prachtbauten von Synagogen, wie lobenswerth dieses Vorgehen auch immerhin sein mag, werde das Judenthum in würdiger Weise der Nachwelt erhalten, sondern durch das Schassen und Erhallen guter Schulen. Möchten die Gemeinden alle dieses recht bald einsehen, und durch Beseitigung der gerügten Uebelstände, so lange es noch Zeit ist, zu verhüten suchen, daß die Schule und durch sie auch die Synagoge völlig verwaise! — Nach Eröffnung der Sitzung wurden auf Vorschlag des Präses Oppenheimer Werl und Schreiber Dieses per Acelamation zu Schriftführern erwählt. Dann trug der Präses den üblichen Geschäftsbericht vor, über welchen wir uns kurz fassen können, da er sich an den gedruckten Jahresbericht von IST2, über dessen Resultate in diesen Blättern bereits referirt worden ist, eng anschloß. Wir heben daraus hervor: Die Unterstützuugseasse zählt gegenwärtig 13 active Mitglieder, anögeschieden sind , und zwar 5 durch den Tod, 1 durch Dienstunsähigkeit, I durch Auswanderung aus Deutschland, 2 durch Auswanderung aus Rheinlarid und Westphalen, 3 durch Aufgabe des Lehrerberufes, und 1 durch Nichterfüllung statutenmäßiger Bedingungen. Das Vermögen der Casse besteht: 1) in einer fi'rnfproeentigen Hypothek von (Hmio Thlr. 2) in fünf Stück celner Synagogenobligationen a 25 Thlr.125 „ 3) Conto des Rendanten -1) Baarbestand . . . 5) Eingang <.!o «lato. . 810 02 Summa 7 1.02 Thlr. Folgende Gemeinden, deren Verfahren hiermit den anderen Gemeinden alö ein nachahmungswürdigcs Beispiel auf's Wärmste empfohlen wird, haben einen jährlichen Beitrag zur Unterstützungseasse auf ihr Budget übernommen: Aachen, Ahlen, Bonn, Bielefeld,. Bocholt, Bochum, Dortmund, Essen, Elberfeld, Gütersloh, Haltern, Kempen, Münster, Neuenkirchdii, Rheda, Linz am Rhein, wahrscheinlich fortdauernd, Coblen; einmalige GaÄ, Bünde und Srernheim. Auf der Tagesordnung standen Anträge auf Abänderung der $$ 3 a. und 51». und der Statuten der Uuterstützungseasse zur Verhandlung. Der 8 3 a. läßt den Beitritt zur Unterstützungseasse nach vollendetem fünfuudvierzigsten Lebensjahre nicht mehr zu. Auf der vorjährigen Eonferenz zu Neuß wünschten zwei Eotlegen, die in diesem Jahre wieder, wie gewöhnlich, sich durch ihre Abwesenheit auszeichnete», trotz der U eberschrei tuug dieser Altersgränze als Mitglieder der Casse noch beiz,«treten. Zu deren Gunsten wurde vom Schreiber Dieses der Antrag auf Abänderung des betreffenden Paragraphen gestellt. Bei der diesjährigen Begründung desselben wurde mir entgegengestellt, daß die betreffenden Lehrer seit länger denn fünfzehn Jahren im Bezirke der Unterstütznngseasse fungirt hätten, also deren rechtzeitigem Beitritte Nichts entgegengestanden hätte; auch das mr:rn müsse seine Gränze haben. Da erstere Behauptung von verschiedenen Eotlegen als wahr bestätigt wurde, zog ich den Antrag zurück, indem ich dessen Resultatlosigkeit voraussah. Die gegen ihr eigenes und der Ihrigen Wohl gleichgültigen Eotlegen mögen aus diesem Vorgänge die sehr zu beherzigende Lehre ziehen, ihren Jndisfcrentismus nicht zu weit zu treiben, da leider die wohlverdiente Strafe nicht ailöbleibt. Die ferneren Anträge auf Abänderung deS $ 5!>. <wonach ein Lehrer bei Verziehung ans Rheinland-Wesiphalen in eine andere Provinz des Staates Mitglied der Umerstünngscasse zu sein aufhört, welcher Passus aller- - diugs bei Annahme des Falles, daß ein Lehrer seine Berussthäligkeit in einer der beiden Provinzen begonnen und bis nach vollendetem fünsundvierzigsten Lebensjahre fortgesetzt haben, und stets Mitglied der Unterstütznngseasse gewesen sein kann, daß derselbe nun aber wegen Annahme einer Stelle in einer anderen Provinz, wozu nach Lage der Sache mehr als ein Beranlassungsgrund vorliegen kann, seine Mitgliedschaft verlieren soll, wo er wegen vorgeschrittenen Alters Mitglied einer anderen Unlerstützungseasse nicht mehr zu werden vermag, eine offenbare nicht zu rechtfertigende Härte enthält, welche Härte auch dadurch nicht beseitigt wird, daß einem solchen Lehrer die Hälfte der gezahlten Beiträge zurückerstattet werden soll», so wie desselben Paragraphen, wonach die Mitgliedschaft durch Berlassung res Standes der Elementarlehrer, erlischt, erlangten nicht die erforderliche Majorität, obgleich zur Begründung angeführt wurde, daß es coustatirt sei, daß die Rentabilität einer Unterstützuugseasse mit der Zahl der Mitglieder zunehme, und daß nach rem Statute der Lehreruuterstütznngscasse des Kreises Bochum*', einer der bestfcudirten Westphalens, die *) Aus § l des t'L'rinimcr Statutes erlauben wir uns folgend Besttmnulng - „Lebrer über jetzig Jabrc^avten das in tz 31 fest ge stellte t5imrittsgetd" — hierher zu setzen. ^)er z 31 dieses Statute 28*