Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1873)
- Date
- 1873-07-08
- Page
- Seite 458 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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458 Posten in Prag bekleidet, so sehr anzieht, um noch in vorgerücktem Alter in eine selche Gemeinde zu gehen, ist wirklich erstaunenswerth. Ob diese glänzende peeuniäre Offerte ihn über Alles hinaussetzen wird, was ihn an Prag feffelt, und was er hier schmerzlich vermiffen wird, lassen wir dahingestellt sein. Wir wellen auch durchaus seinen Entschluß nicht im Mindesten beeinflussen. UnS war es darum zu thun, die Sach: in ihr rechtes Licht zu stellen und unseren europäischen Glaubensgenossen eine klare Einsicht in die hiesigen Enltusangelegenheiten zu verschaffen. Man zeihe unS nicht der parteilichen Uebertreibung: wir stehen der Sache fern und werden nur von der Liebe zur Wahrheit geleitet. Auch wundere inan sich nicht darüber, daß die hiesigen jüdischen Blätter diese Schären nicht aufdecken: sie sind zu abhängig, um mit edelem Freimnthe aufzutreten. Einige derselben, wie z. B. der Jewish Messengcr und die Jewish Times ,ersteres das conservative Judcnthmn, letzteres die Reform vertretend) rügen manche Schattenseiten; allein obgleich sie einerseits manchmal in Persönlichkeiten ausarlen, halten sie sich andererseits mehr an Allgemeinheiten, ohne den Dingen auf den Grund zu gehen. Handelt es sich aber um eine Familiensestlichkeit, die dem großen Publicunt gewiß gleichgültig sein kann, dann findet man oft ganze Spalten damit angefüllt, und es gicbl sogar ein jüdisches Blatt, das sich kund auch seinen Redaeteur) damit nährt. So bildet oft eine Bar-Mizwah-Fcier das große Tagesereignis, das Stoff für zwei Nummern einer Zeitung bietet; ein ander Mal ist cs ein Abschiedscffen, das einem Borsitzenden, eines Baueomitö's vor seiner Abreise nach Eurepa gegeben wird, und von so großer Tragweite ist, daß ein mit prominenten Buchstaben überschricbener Artikel davon Bericht erstattet, unv auch nicht den geringsten Umstand dieses folgenschweren Ereignisses verschweigt. Solche Manöver sind natürlich dazu geeignet, recht viele Abonnenten anzulocken, denn welche größere Ehre kann einem Jgnoramns widerfahren, als in großen Lettern in einer weitverbreiteten (!) Zeitung zu prangen? Pinchas. Correspondenz. Parma, Ende Juni 1873. Nach einem Aufenthalte von fast zwei Monaten in hiesiger Stadt bin ich nunmehr bereit, in den nächsten Tagen so Gott will nach Turin und Mailand mich zu begeben. Der Reichthum der hiesigen Bibliothek ist längst anerkannt, aber immerhin noch nicht genügend erkannt. Der Begründer derselben. Bernardo de Rosst, hatte vorzüglich auf die Erwerbung von Bibelhandschriften seinen Fleiß verwendet und eine Sammlung hergestellt, die für dieses Specialgebiet wohl den ersten Rang unter allen Bibliotheken einnimmt. Er selbst hat aber, wiewohl man seinen vielfachen Verdiensten die größte Anerkennung zollen muß, in seinen über die Bibliothek veröffentlichten Schriften sehr oft gegen das Richtige gefehlt. Ich nehme hierbei die Gelegenheit wahr, die Erklärung abzugeben, daß ich in den allermeisten Fällen gesunden habe, daß seine Angaben in Betreff der Variae lectiones auf ganz irrthümlichen Voraussetzungen beruhen. Ihm galten sehr oft offenbare Schreibfehler als Varianten im. Texte. Dagegen sind von ihm die werthvollsten Marginalien mit ihren so wichtigen Beiträgen aus älteren, uns verloren gegangenen Handschriften unbeachtet geblieben. Diese nur in Miniaturschrift gegebenen Roten zu sammeln konnte ich, allerdings nur unter großem Aufwande von Mühe und Arbeit auf Kosten einer Angenentzündung — von der ich aber nunmehr Gottlob! wieder befreit bin — durchaus nicht unterlassen. Auch bedeutende Beiträge für die Texteskritik des Targum Onkelos, aus den Schulen von.Nehardea und Sura stammend, kann ich unter anderem schätzbaren Materiale als Früchte meiner hiesigen Studien bezeichnen. Tie Freundlichkeit, mit der man in der hiesigen Bibliothek sich beeifert hat, durch die besten Arrangements meinen Arbeiten förderlich zu sein, wird mich stets zu großem Danke, besonders gegen den auch in Deutschlands gelehrten Kreisen rühmlichst bekannten Abbö Perreau, verpflichten. Mit Hochachtung Dr. A. Berliner. Ieuil Die rhciiiisch-wrstphiilischc echrcrcoiifcre»). Erwitte, 18. Juni. Am 4. und 5. dieses Monates tagte die diesjährige rheinisch - westphälische israelitische Lehrercouferenz in Rheda. Zn derselben waren achtundzwanzig Lehrer erschienen, die Eonferenz rnithin nur sehr schwach besucht. Vom Rheine waren nur zwei Lehrer anwesend, die übrigen glänzten, wie gewöhnlich, durch Abwesenheit. Für die Eollegen im Regierungsbezirke Trier scheint diese Eonferenz überhaupt nicht vorhanden zu sein; ob sie wohl von deren Existenz noch keine Kenntniß haben? — f e f o n. Am 4. dieses Monates Morgens nach 9 Uhr erösfnete der Präses des Vorstandes, College Blumenau, mit einer kurzen gehaltvollen Ansprache, wie wir solche seit Jahren von ihm zu vernehmen gewohnt sind, die Eonferenz. Derselbe hob darin die geringe Anzahl der anwesenden Lehrer hervor, daß sich stets nur die alten Freunde, von immer neuer heiliger Begeisterung für den erhabenen Berus der Jugendbildung angetrieben, auf den Conferenren einfänden, die trotz ihrer prekären Stellung dieses für sie gewiß nicht unbedeutende Opfer an Kosten zu bringen sich nicht scheueren, und nur wenige jüngere Lehrer, da diese entweder sei es aus Indifferenz gegen den Beruf überhaupt, oder