Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1873)
- Date
- 1873-07-08
- Page
- Seite 460 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Mitgliedschaft durch Veränderung des Wohnortes oder des LebenSbcrufes nicht verloren gehe. Diese Anträge dürften aber einer nochmaligen Prüfung würdig und bedürftig erscheinen, und höchst wahrscheinlich dann ein anderes Resultat erzielt werden. Ueberdies war man schon je(?t zu $. 5in Rücksicht eines vorliegenden eclatantcn Falles allgemein der Meinung, daß ein Lehrer, so lange er in irgend einer Weise erziehlich oder unterrichtlich thätig ist, wenn er auch nicht gerade als Gemeinde- oder Hauslehrer fungire, als Lehrer im Sinne des Statutes der Unterstntzungscassc, und folglich als Mitglied derselben betrachtet werden müsse. '— Der nächste Gegenstand der Tagesordnung war die Lesebuchfrage (Referent Treu), lieber das Bedürfnis; eines neuen Lesebuches, das sich an die Fibel anschließt, entspann sich eine gründliche Discussion. Als Resultat derselben ergab sich, daß, obgleich die Materialien zu einem neuen, zweckentsprechenden Lesebuche gesammelt sind, die Ekirung eines solchen, da man erst die Entwickelung dieser Frage durch das Unterrichtsministerium abwartcn wolle, auch wegen des Kostenpunctes zur Zeit nicht für opportun gehalten wurde; daß aber der zweite Theil des haester-hechtschen Lesebuches in Form und Inhalt diesem Zwecke nicht mehr entspreche, daß daher der College Blumenfeld Essen, der gegenwärtige Herausgeber dieses Buches, durch den Lorstand im Aufträge der Eonfcrenz ersucht werden solle, eine neue den berechtigten Anforderungen der Zeit entsprechendere Ausgabe dieses Buches, bei welcher ihm die gesammelten Materialien zur Verfügung gestellt werden sollen, baldigst zu besorgen, und zweifeln wir keinen Augenblick, daß der College Btnmenfeld dieser Aufforderung nach Kräften entsprechen werde. Das fernere Referat Treu'S über häusliche Beschäftigung der Kinder wurde, da es an Zeit zu einem gründlichen und erschöpfenden Eingehen auf die Sache fehlte, von der Tagesordnung abgesetzt und als erster Gegenstand aus die Tagesordnung der nächstjährigen Conferenz gestellt. Die Tagesordnung der nächsten Conferenz unrfaßt also folgende Gegenstände: 1) Ueber häusliche Beschäftigung der Kinder, Referent Treu Münster. 2) Cursus zur würdigen Constrmations-, resp. maw N2- Feier, Referent Oppenheim Marburg. 3) Würdigere Gestaltung des Gottesdienstes in kleineren Gemeinden, Referent Steinweg Rheda. Als Ort der nächsten Conferenz wurde Schwerte gewählt. In den freien Besprechungen kamen folgende Gegenstände zur Berathung: nornnrt dnS Eintrittsgeld aus 2 Tl'lr., bei Lehrer» aber über sechzig Iabrc auf tu" Tchlr. Bei Aufnahme eines ähnlich hohen Eintrittsgeldes in unser Ltatnt dürfte die festgesetzte Altersgrenze von füufmrdvicrzig Jahren in $ füglich in Wegfall kommen. Wir geben dieses zu bedenken. Der Einsender. 1) ein Brief des Herrn Klingenstein an Blnmenau, worin sich dieser über den Mangel der Theilnahme der Lehrer für ihre eigenen Interessen mit Recht beklagt. In Folge dessen wurde von Blumcnau und mir der Anschluß an den allgemeinen deutsch-jüdischen Lehrerverein den Collegen recht warm empfohlen. Mehrere College», die noch nicht Mitglieder des gedachten Bereines waren, erklärten sofort ihren Beitritt dem Herrn Steinweg Rheda, dem Rendanten dieses Vereines; 2) unser Antrag auf Absendung eines Deputirten (nach dem Vorgänge anderer Lehrervereine) an Se. Excellenz den Minister Herrn Dr. Falk, der diesem die Verhältnisse der jüdischen Schulen im Allgemeinen, und im Besonderen die von Rheinland und Westphalen auseinandersetze, da tiefes von den Herren Landrabbiner Dr. Meier und "Rector Horwitz bei deren Zuziehung zu den Beralhungen der Fachmänner im vorigen Jahre, nach dem was durch öffentliche Blätter hierüber bekannt wurde, nicht in genügender Weise geschehen zu sein scheint, indem diese Herren mehr als Vertreter ihrer resp. Seniinaricn aufgetreten sind. In Hinblick auf die bevorstehende baldige Vorlage des Untcrrichtsgesetzes wurde dieser Antrag znm Beschlüsse erhoben, und Blumenau als Deputirter einstimmig gewählt. Die anwesenden Lehrer verpflichteten sich die durch diese Sendung entstehenden Kosten zu tragen. Zugleich fordern wir hiermit die Collegen, die Material, welches sich für Blumenan bei seiner Sendung zur Berücksichtigung eignet, haben, auf, dieses schleilnigst an Steinweg Scheda zur Bearbeitung und Weiterbeförderung gelangen zu lassen. — Hier dürfte es wohl noch vor Schluß unseres Berichtes angezeigt erscheinen, an den Beschluß der Conferenz in Münster im Jahre 1870 — die Abänderung des Gesetzes vom 23. Juni 1817 betreffend — an welchem Beschlüsse und einer damals abgefaßten Petition sich der wohllöbliche Vorstand der Gemeinde Münster bctheiligte, und an die zu gleichem Zwecke von der Conferenz in Bonn 1871 gewählte Commission — bestehend aus Ihrer werthen Person, hochgeehrter Herr Doctor, und Blumenfeld Essen — zu erinnern, und den wohllöblichen Vorstand der Gemeinde Münster und diese Commission zum energischen Vorgehen in dieser Sache mit aller Bescheidenheit aufzufordern, da nach Lasters Resolution und der Erklärung deS Ministers im Abgeordnetenhause eine neue legislatorische Regelung der Angelegenheiten der Inten in der nächsten Sitzung des Landtages bevorsteht, ein Vorgehen in dieser Sache also jetzt, was damals nicht der Fall war, opportun sein dürfte, indem man, nach einem allen Sprüchworte, das Eisen schmieden muß, wenn es heiß ist. Nachdem dem Präses Blumcnau der Dank der Versammlung für seine Mühewaltung abgestattet worden war. gab derselbe