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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-08 · Heft 28 (8.7.1873) · p. Seite 457

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 28 (8.7.1873)
Date
1873-07-08
Page
Seite 457 (sequence 9)
Language
German
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457 Das ganze Viertel, in welchem die Synagoge liegt, ist ernstlich bedroht. Die gcsammte Bevölkerung ist in Bewegung. Als unser Eorrespontent aus Südsrankreich in Nr. 2.'» über den prächtigen Tempel in Bordeaux und den mächtigen Eindruck berichtete, den der Gottesdienst in demselben ans ihn gemacht hatte, dachte wohl Niemand daran, das; diesem GottcShause ein so nahes Ende bevorstehe! Redact.) Serbien. Belgrad, im Juni. Unsere Leser werden sich erinnern, daß das Ceittralcomitö der Alliance in Paris und das Eoniilö der englischen Alliance in London Glückwunschadressen an den neuen Fürsten von Serbien zu seiner Thronbesteigung gesandt haben, in welchen sie zugleich um die Besserstellung der Israeliten in Serbien petitionirten, die allen Verträgen zuwider vom Lande und aus den Städten verbannt und auf Belgrad allein beschränkt worden sind. Nach einem Schreiben des Herrn David B. Nnsso an das Eomite in Paris haben diese Adressen kein Resultat gehabt, trotz der Versprechungen des Fürsten. Vielmehr ist es noch ärger geworden. Ein Befehl der Regierung schreibt den Israeliten, die seit zehn Jahren in Schabatz, Pozarevatz nnd Semendria wohnen, vor, diese Städte in kurzer Zeit zu verlassen. Die unglücklichen Familien ziehen nach Belgrad, uni ohne Erwerbsmittel die Zahl derer zu vergrößern, welche buchstäblich Hungers sterben. Herr Russe glaubt, daß eine Aendernug dieses grausamen Befehlcö nur durch eine Eolleekivnote der Großmächte bewirkt werden könne, und bittet, eine solche zu erwirken. Wir glauben, das; gegenwärtig eine solche gemeinsame Note kaum zu erwirken sei. So unterläßt Herr Andrässy als östreichischer Minister des Auswärtigen jede Aeußerung gegen die rumänische Regierung, wie er sagt, um dieser keine Schwierigkeit zu machen nnd Rumänien in nicht noch schlimmere Hände zu bringen; selbst die Ablehnung betreffs des Anschlusses der rumänischen Eisenbahnen hat er stillschweigend hingenonunen, um — bessere Zeiten abzuwarten. In gleicher Weise wird von Wien aus den Fürsten von Serbien und von Montenegro geschmeichelt — und da wird man sich wohl hüten, für die serbischen Juden einzutreten. Dann glauben wir auch ferner, daß selbst eine solche Note keinerlei Wirkung bei der serbischen Regierung haben werde. Wenigstens hat die Erfahrüng die 'Nutzlosigkeit aller solcher Schritte bei den an rer Donau seßhaften Barbaren hinlänglich erwiesen. Im Gegentheile, sie werten dadurch noch aufgebrachter gegen die Juten, und glauben gerechtfertigt zu sein, sie als Fremde zu behandeln, da sie in der Fremde Hülfe gegen ihre heimischen Peiniger suchen. America. Ncwyork, 1<>. Juni. 'Privatinitth.i Die Zahl der hiesigen Canzclredner wirr im Lause des nächsten Sommers um zwei vermehrt werden, durch I)r. Gottheit aus Manchester, den der Tempel Emanu-el als englischen Prediger ihrem Rabbiner l)r. Adler zugesellt, und durch I >r. Kaemps aus Prag, der einem Rufe der Gemeinde Ansche Ehesed folgt. Daß Ersterer, der vor einigen Wochen drei Probevorträge hielt «zwei in englischer und einen in deutscher Sprache-, gern daraus einging, seinen bisherigen Wirkungskreis mit einen, größeren zu vertauschen, ist selbstverständlich, wenn man erwägt, daß er von der reichsten und liberalsten Gemeinde America's einstimmig gewählt wurde. Dagegen muß uns Dr. Kaemps durch seine Bereitwilligkeit in Erstaunen setzen, mit welcher er in eine Gemeinde einlritt, deren Annalen keineswegs sehr glänzende Blätter aufznweisen haben. Wie wir wissen, ist Dr. Kaemps in Prag von einem gebildeten jüdischen Elemente umgeben. WaS erwartet ihn aber hier? Eine Gemeinde, die, mit wenigen ehrenvollen Ausnahmen, aus ungebildeten Mitgliedern zusammengesetzt ist, eine Gemeinde, in der das Element der Parvenüs reichlich vertreten ist! Dieses Element machte sich ihrem bisherigen Rabbiner gegenüber nur zu sehr geltend. Dr. Mielziner, früher in - Kopenhagen thätig, ein Mann von vielseitigem Wissen und rechtlicher Gesinnung, versah diese Stelle während einer Reihe von acht Jahren, und halte rnancherlei Kämpfe zu bestehen. So gediegen auch sein Vortrag, so err,stlich und redlich auch sein Bestreben war, er fand keine Anerkennung bei dem großen Hansen, weit er es verschmähte, eie Eanzel durch oratorische Gaukelkünste zu entweihen. Seinen Bemühungen gelang es. die Gemeinde auf die Bahn des Fortschrittes zu leiten, und sie zu veranlassen, ihr erst vor fünf Jahren reuovirteS Gotteshaus in der unteren Stadt zu verkaufen und den Bau eines neuen und geräumigeren in der oberen Stadt zu unternehuien. Doch siehe da, sobald es sich um diesen Neubau handelte, dachte diese undankbare Genreinde daran, einen neuen Prediger anzustellen. Und warum dieses? Etwa aus er;*:: r»*v? Ei bewahre! Wer in dem Ausbauen und AnSschmücken prachtvoller Tempel, sowie in dem Anftellen glänzender Eanzelredncr immer einen Ausfluß wahrer Religiosität erblickte, würde in einen großen Jrrthuur verfallen. Ter Wetteifer, der zwischen manchen jüdischen Gemeinden hier zu Lance besteht, ist kein edeler, von dem man sagen könnte: rs:p rr:rn nz-rz. Biele dieser Gemeinden verfahren, wie große Geschäftshäuser: sie sehen daraus, das; ihre Waare gepriesen wird, um einen desto stärkeren Absatz zu erlangen. Wenn iljic Schaufenster durch einen großen Ehasan und einen glänzenden Redner prangen, dann geht das Geschäft, die Sitze werten verkauft, und die Menge strömt zu. Dies ist der Schlüssel zu der..bemcrkeuswerthe» Thatsache, daß die Gemeinte Ansche Ehesed, die früher kaum 2000 Doll, ihren tüchtigen Eanteren nnd dem gelegentlichen Prediger zahlte, jetzt einen Rabbiner mit einem lebenslänglichen Gehalte von 7<>0u Dollars anftelll. Ties Eapital ist eine Geschäftsanlage, die reichliche Zinsen bringen soll. Daß aber dieser Köder einen Dr. Kaemps, der schon so lange einen ehrenvollen 2S

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