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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-08 · Heft 28 (8.7.1873) · p. Seite 455

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 28 (8.7.1873)
Date
1873-07-08
Page
Seite 455 (sequence 7)
Language
German
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455 welche Weise hier der Ertrag der Wohlthätigkeit verwendet werde. Für 330 Thlr. kann man für den Cohn eines sehr begüterten ManneS eine sehr lheuerc Pension bezahlen. Arme Waisenknaben sollen in Reinlichkeit und mit kräftiger Nahrung, aber einfach, und an möglichst wenige Vedürfniffe gewöhnt, erzogen werten, denn sie haben sich durch daS Leben durchzukämpfen, bis sie irgend welche Stellung sich errungen haben. Man würde diese großen Ausgaben also nicht einmal rechtfertigen können, wenn in dieser Waiscnanstalt eine besondere Opulenz herrschte. Wir halten daher den Leiter deS HauscS für zu einsichtsvoll, als daß er einer solchen Opulenz Raum geben sollte. Nun will doch jeder Pensionshalter an seinen Zöglingen für seine Mühewaltung Etwas verdienen, was wiederum bei einem Waisenhaufc wegsällt, das den Bedarf aus den Zinsen der gespendeten FondS, und den immerfort zufließenden Beiträgen und Geschenken zieht. Wir wären daher wirklich begierig zu wissen, wie es kommt, daß in -dem auerbachschen Waisenhause jeder Knabe 330 Thaler kostet. Der Bericht giebt uns darüber keinen Aufschluß, denn er faßt alle Ausgaben für Unterhalt, Schule n. s. w. in einen Posten zusammen! Wir ersehen aus einem Berichte der Petersburger jüdischen Waisenknabenanstalt, wie jeder einzelne Posten rer Ausgaben genau aufgeführt wird, und dies sollten sich doch alle Anstalten, die auf die öffentliche Wohlthatigkeit angewiesen sind, zur Richtschnur dienen lasten. Denn, wenn es auch oft lange dauert, einmal öffnet das Publicum doch die Augen, und sieht sich die Dinge etwas deutlicher an. Dennoch klagt Herr!)r. Auerbach, daß er der. Beiträge und Geschenke für das Waisenhaus nicht entbehren könne. Nun betragen die Zinsen auü den - FondS jetzt schon jährlich 10,UM Thaler. Dies macht pro Kopf der Zöglinge 200 Thlr. jährlich, und wir glauben, daß dies für die Erziehung armer Waisenkinder schon ein sehr hoher Betrag ist, noch dazu, wo ein Micthzins nicht zu zahlen, also auch nicht zu berechnen ist. Die weiteren Folgerungen überlassen wir dem Leser. München, 23. Juni. Der Vorgang mit dem AnSrücken der Truppen, auch der protestantischen und jüdischen Eonfessieu. zur FrenleichnamSprocession «den auch wir besprachen», bleibt nicht ohne Felge. Von sechzehn der geachtetsten Bürger der Statt Regensburg ist felgende Einladung erlassen worden: „Nichtkaiholische Mitglieder! Durch die bei letzter FronleichnamSpreeessien befohlene Ausrückung von Angehörigen der Linie und Landwehr nichtkatholischer Eonfession, fühlen wir die unS verfassungsmäßig garantirte Glaubens- und Gewissensfreiheit beeinträchtigt und gefährdet, und fordern Euch deshalb auf, mit uns Mittel und Wege zu berathen, welche für alle Zukunft diese unsere verfassungsmäßigen Rechte und Freiheiten vor ähnlichen Angriffen sicher stellen. Es ergeht deshalb an Euch Alle die Einladung zu einer allgemeinen Verfannnlung auf Tinstag den 21. Juni, Vormittags elf Uhr, im Saale des ne»ren GefellfchaflshauseS." Paftwalk, 20. Juni. lPrivatm.» Ich übersende Ihne» zum Zwecke deS Abdruckes in der „Allgemeinen Zeitung des Iudenthnmes" felgendes Schreiben (wörtlich)', das ich heute vom hiesigen Eonnuanteur res EürassierregilnenleS erhalten habe: „Ew. Wehlgeboren wird in Erwiederung res gefälligen „Schreibens vom 23. d. M. hierdurch ergebenst mitge- „theilt, daß durch Befehl vom heurigen Tage den Es- „cadronS aufgegebeu worden ist, die Mannschaften jüdischer Eonsession alle vier Wochen ein Mal am Sab- „bathe vom Dienste zu diSpensiren, so daß dieselben „das Gotteshaus an diesem Tage besuchen können. Ein „Weiteres ist mit Rücksicht ans die Mannschaften evan- „gelifcher und katholischer Eonfessieu nicht angängig, weil „denselben ebenfalls nur -alle vier Wochen Gelegenheit „zum Kircheubesuche gegeben wird. ge;.: von Pfuhl, Oberst und RegimentSeommandenr. An Herrn Rabbiner l)r. Landsberg Wohlgeboren hier. Pafewalk, den 21. Juni!b/3." Ich theile Ihnen diesen Brief mit, und bitte Cie, denselben zu veröffentlichen, damit auch anderwärts ähnliche Schritte gewählt werden, in» auch außer an Festtagen cen jütischen Soldaten Gelegenheit zum Besuche der Synagoge zu verschaffen. Di'. Laudsbergcr, Rabbiner. Glogatt, 2<>. Juni. (Privatmitth.» Unsere Gemeinde hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe bedeutender Männer verloren, die theils noch hier wohnten, theils durch Band? der Familie, und durch treue Anhänglichkeit au die Heimath, zu uns gehörten, als ob sie ständig hier weilten. Innerhalb kurzer Frist, entriß u»lS rer Tod Zeduer, Lehmann, Munk, und ihnen ist vor einigen Wochen Di'. Joseph Allein, der würdige Rabbiner dieses Ortes, in ras Jenseits gefolgt. Diesem Manne war es wie Wenigen gegeben, durch die Liebenswürdigkeit und die Schlichtheit seiner Sitten, sich überall Freunde zu erwerbe«; sein anspruchloses und bescheidenes Wesen emwasfuete jereu'Widerspruch, und selbst die Gegner seiner Ansichten waren bereit, seine Persönlichkeit, seinen biederen und reinen Eharakrer anznerkennen. .'teilt Wunder sonach, daß seine mehr als dreißigjährige theologische Wirksamkeit in Stolp und in Glegan eine segensreiche gewesen ist. Bei seiner Beerdigung folgte wohl »ast die ganze jütische Gemeinde, und viele ristinguirte Persönlichkeiten aus der christlichen Bevölkerung, dem Sarge; auch rer TrauergolteSdieust, der am zweiten Tage Schabuoth seinem Andenken geweihet wurde, erweckte lebhafte Theilnahme. Besonders erwähneuswerth war seine Thäligkeit für die Armen unk Leidenden, als deren Bormund und Sachwalter so zu sagen er sich betrachtete. GemüthSliefe und herzinnige Religiosität ist auch der ansprechende Schmuck einiger dichterischer und literarisckwr Versuche-,welchw er -in-verschiedenen Ealentern und Zeitschriften verösseuilicht hat. Als

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