Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1873)
- Date
- 1873-07-08
- Page
- Seite 453 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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453 ~T der einen und den kirchlichen Dogmen von der anderen Seile, sondern auch in den beiderseitigen Lehren von der menschlichen Gesellschaft. Hierzu kommt nun das materielle Interesse, das; mit dem Siege des Syllabus auch die Knechtung und Unterdrückung der Juden, ihre Ausstoßung aus der bürgerlichen Gesellschaft, ihre Verfolgung, kur; ihre ganze Leidensgeschichte, wie sie mit dem vierten Jahrhunderte des Christenthumes begann, wieder eiutreten würde. Es kann also nicht zweifelhaft sein, auf welcher Seite der Jude zu stehen hat; seine religiöse Ucberzeugnng, wie sein Leben als Arensch und Bürger, lassen ihn für die Sache des modernen Staates mit aller Kraft eiutreten. Aber es wird ihm auck keine Wahl gelassen, denn die ultramomanen Organe rufen es täglich laut auS: Ter Morgen nach dem Siege des Syllabus würde die Austreibung der Juden sehen! Literarischer Wochenbericht. Bonn, 24. Juni. „Heinrich IV. und Philipp II!. Die Begründung des französischen Uebergewichtes in Europa. 1 f>!)S— 1610. Bon Dr. Martin Philippson, Doeenten der Geschichte an der Universität Bonn.. (Berlin, Franz Dnncker, ld7 3.>" Es gereicht uns znm Vergnügen, auf den so eben erschienenen zweiten Theil dieses Werkes aufmerksam zu macken, welches für die Gegenwart ein um so größeres Interesse besitzt, als das in jener Zeit erworbene Uebergewicht Frankreichs in Europa jetzt geschwunden ist, und jenes Anssteigen sich in einen Niedergang gewandelt hat. Das 'Werk könnte auch der französischen Nation zum Spiegel dienen, um zu erkennen, durch welche Mittel jene Suprematie erlangt ward, und sie mit denen zu vergleichen, welche von dem gegenwärtigen Regime zur Wiederherstellung Frankreichs verwendet werden; dort eine weise und feste Entwickelung der Staatsverwaltung und der Bolkskräste, eine neue belebende Organisation aller staatlichen Einrichtungen, ckud eine charaktervolle Politik nach Außen: jetzt Parreiwuth, klericale Fanatisiruug der Masse, principienlose Experimente. Während der erste Theil des vorliegenden Werkes sich vorzugsweise mit den politischen Verhältnissen, und Verhalten der beiten Staaten beschäftigte, führt uns dieser zweite in das Innere derselben ein. DaS erste Eapitel schildert die inneren Zustände Spaniens. Auf sorgfältige, archivalische Forschungen zu Paris, Brüssel und Wien gestützt, entrollt der Verfasser ein treues Bild aller Zweige des Staats- und Volkslebens, aus welchem wir die Schilderung der Finanzen und der volkswirthschastlichen Grundsätze und Zustände hervorheben, da sie durch das Gegenbild unserer Zeit ein hohes Interesse besitzt. Aber auch Wissenschaft, Knust und Literatur jener Zeit werden in charakteristischer W-B ahnet. Das zweite Eapitel bringt uns jenes ergreifende , : vor die Augen, welches die Spanier in den Jahren llloll und 1610 durch die Vertreibung der Moriscos aussührreu, und dessen Sühne seitdem das unglückliche Spanien noch bis heute nicht vollendet hat. Mlericalc Herrschsucht und Habgier setzen das traurige Werk durch. Die beiden anderen Eapitel res Werkes find Frankreich gewidmet. Die feste Begründung des >iönigthumes füllt das dritte Eapitel aus. und erweist, daß, was Ludwig XIV. vollendet hat, durch Heinrich IV. nicht blos begründe-, sondern ansgebaut worden war. Das Vierte entrollt nun wieder das- Gemälde der inneren Zustände Frankreichs unter der Negiert»,g Heinrich IV. mit derselben Gründlichkeit und demselben Taere, aus der Masse des Stoffes ein klares Bild des Wichtigsten zu formen. — Die Sprache ist correet, lebendig, und die dem Gefckichlsschreiber so überaus erforderliche sinnst der Gruppirung überall bewährt. — Legislation civile du Tlialinud traduit et annote par tu Dr. .). M. Rabbi nowicz avec une iiitroduetion par M. 1c grand rabbin S. Lcvy, de Bordeaux et suivi de »pirhpies rapproclieinents avec lc droit roniaiu et le droit fran^ais par M. Gustave Uoisso nade, prof'esseur agrdge a!a t'aculte de droit de Paris. Premim* partir. Traite Ivetlioubotli. (Paris. Tliorin, lb73.l Der Verfasser, der, wie man aus rer Rückseite des Titelblattes ersieht, eine außerordentliche literarische Thätigkeil zeigt, da er zu gleicher Zeit eine englische und eine griechische Grammatik, und eine „heilige Geschichte" unter der Feder hat, vor Knrrem auch, wie tvir bereits berichtet haben, eine tüchtige Abfertigung eines Hnperkuiikers der Bibel geliefert hat, giebl in der vorliegenden Schrift (130 mir XXIV Z.), eine Uebersetzung des Tractates , der Mischna, wie der Gemara, mit gn:en erk'äreuten Anmerkungen. Er betitelt die Schrift „erster Theil", indem er Alle aus das Eivilrecht sich beziehenden Traetate mit der Zeit herausgeben will, wozu wi'r ihm die beste Unterstützung wünschen. Der Großrabbiner S. Lövy in Bordeaux versah dieses Unternehmen mit einer Einleitung, die ebenso lichtvoll wie sachgemäß ist. lieber das Wesen unk die Vorzüge des Talmud, namentlich auch die milden Seiten seines Eivilrechtes, spricht Herr L.-vy mit begeisterten Worten, und wir können die Leeinre dieser Abhandlung dringend empfehlen. Dennoch müssen wir auch hier wiederholen, was wir schon mehrmals ausgesprochen haben. So naturgemäß die Reaetiou ist. mit welcher, nachdem der Talmud so lauge Zeit (Gegenstand der äußersten Schmähungen und schimpflicher Mißhandlung gewesen ist, jetzt in besseren und dem Lichte zugänglicheren Zeiten die Lobpreisung desselben Talmudes an der Tagesordnung ist: so sehr halten wir es doch an der Zeitzur richtigen Milte, zur nnparteiisckcn Würdigung, ohne welche ein richtiges Verftänduiß. eine wissenschaftliche Auffassung und Durcharbeitung nicht möglich ist, zu kommen. Auch Herr Lövh, wie der jüngst verstorbene Emmanuel Deutsch in seiner bekannten Abhandlung, hebt nur die 'Vorzüge und die Lichtseiten des Talmudes hervor, die wir mit wahrhafter Befriedigung als richtig und begründet anerkennen,