Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1873)
- Date
- 1873-07-01
- Page
- Seite 441 (sequence 10)
- Language
- German
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441 Was wir an diesem Berichte besonders rühmlich finden, ist. daß er nicht blos die Einnahmen specisieirt, um een Beitragenden ihr äußerliches Recht angedeihen zu lasten, sondern auch die Ausgaben bis auf die kleinste Rubrik ausführlich angiebt, so daß jeder einzelne Posten genau beurtheilt werden kann. Ueber die Geschichte dieser Anstalt geben wir eine interessante Stelle aus dem Borworte des Berichtes. „Die Anstalt für Waisenknaben israelitischer Soldaten ist in St.-Petersburg im Jahre 1805 von einigen israelitischen Soldaten gegründet worden und wurde in ganz kleinem Maßstabe (5 bis 10 Knaben) durch kleine freiwillige Beiträge von Soldaten. sowie auch von anderen Persoiten, unterhalten. Anfangs befand sich diese Anstalt in der araktscheefschen Easerne, wurde aber im Jahre 1808 in ein anderweitig gemiethetes O.uartier ttbergeführt. Wegen der mangelnden Mittel zum weiteren Unterhalte der genannten Anstalt wandten sich die Solkatengrünter an den Doetvr der Philosophie I. Seiberling mit der Bitte, dieses Institut, welches damals sich in recht bedaucrnswerthem Zustande befand, unter seine Obhut zu nehmen. Dieser Bitte zufolge, übernahm Herr Dr. Seiberling, der guten Sache vollkommen beistimmend. den 1. November 1868 daö Institut unter seine Bcrwaltung, und bestrebte sich, die Anstalt sowohl in materieller, als auch in moralischer Hinsicht zu heben. Keinen bestimmten Fonds besitzend, wurde die Anstalt durch freiwillige, beständige (monatliche) und einmalige Beiträge unterhalten. welche, größtentheils von Herrn I)i-. Seiberling selbst gesammelt, im Jahre 1860 die Summe von 27 11 Rubeln, bei 10 Zöglingen, erreichten. Als im Jahre 1870 in St.-Petersburg die neue Berwäl- I e n i f Äusfliige nach verschiedenen Stationen. <S ch l u ß.» Das Knabenalter bietet viele Freuden und Genüsse, die später nicht wiederkehren, und dazu gehört besonders das Bergnügen. Etwas zum ersten Male zu sehen, zu hören, zu schmecken oder zu thun, wovon man schon lange gehört, oder in den Büchern gelesen hat. So oft auch die Erfüllung der Erwartung nicht entspricht, so ist doch der Knabe stets geneigt, sich ausnehmend auf Etwas zu freuen, was kommen soll — während das Alter nur noch schön sindet, was längst vorübergegangen ist, und nicht wiederkommt, und nur mit Mißtrauen, Zweifel und Gleichgültigkeit das Gegenwärtige oder gar Kommende an sich herantreten sieht. So war es eine große Freute für mich, über die Saale, dicht vor ihrer Mündung in die Elbe, bei Saalhorn, einem bedeutenden Salzverschisfungsplatze, in einem Boote überzusetzen. tung der israelitischen Gemeinde eingerichtet wurde, traf jene die Anordnung, daß alle von ihren Mitgliedern einkommenden Beiträge unmittelbar in die Gcmeindeeaise stießen sollten, damit diese Summen zu mannigfachen Zwecken verwendet werden. Dieser Bersügung zufolge wurden von dieser Zeit ab alle beständigen Beiträge der Berwaltung der Gemeinde eingeliefert, welche vom 1. April l 87<> an. monatlich ihrem Mitgliede, Herrn 1)r. Seiberling, zürn Unterhalte der Anstalt eine bestimmte Summe anSzahlte, die in der letzten Zeit die Höhe von 2oo Rubeln, bei 29 Knaben, erreicht hat. Obwohl die genannte Summe zum Unterhalte der Anstalt, in welcher sich dreißig Zöglinge befanden, das Dienstpersonal nicht mitgerechnet, nicht hinreichend war, so wurde dieses Institut durch die beständigen Bemühungen ihres Borstehers, Herrn De. Seiberling, und durch seine von ihm selbst gesammelten milden Gaben, die 'vom 1. Januar 187<> bis zum 1. April 1871, 2225 Rubel betrugen, unterstützt, und cs wird auch jetzt in jeder Hinsicht auf die befriedigendste Weise erhalten. Die Anstalt hat zur Aufgabe, entsprechend ihrer ihr zur Bersügung stehenden Mittel, Waisen von fünf Jahren an zu verpflegen, zu bekleiden und ihnen eine Elementarbildung zu geben; nach dem von ihnen erreichten elf- bis dreizehnjährigen Alter sie irgend ein Handwerk erlernen zu lassen, die befähigteren jedoch zur weiteren Ausbildung in die israelitische Schule des Herrn Behrmann abzngcben." Die Einnahmen in den letzten einundzwanzig Monaten betrug 7291 Rubel, die Ausgaben 705! Rubel. Die innigsten Wünsche immer weiterer Entwickelung begleiten Anstalt, in welcher auf den Unterricht der Zöglinge große Sorgfalt verwendet wird. f e t o it. So hatte ich denn einen vaterländischen Strom zum ersten Male ohne Brücke überschritten! Am anderen. Ufer mußte man sich durch vieles Weidengestrüpp hindurchwinden; dann gelangte man in eine schöne fruchtbare Ebene. Tie Abendsonne übergos; den rechts fließenden Elbstrom mit Silberglanz, und strahlte links auf die Zinnen der höher gelegenen Stadt, die in diesem Lichte bedeutender erschien, als sie in der Wirklichkeit war. Ein schloßähnliches Gebäude rcihcte sich ihr an, früher der Sitz der Grafen von Barbh, später eines Seminares, das der damalige Unlerrichtsministcr seinen Ansichten gemäß auö einer größeren in die kleine Stadt verlegte. Graben, Wall und Mauer umgaben noch aus alter Zeit das Städtchen. Unsere Absicht war. hier ei» Nachtquartier zu finden. Es lebte darin ein Mann, der sich gern zu unseren Berwandten zählte. Sein Anrecht beruhete zuerst darauf, daß seine Frau als Wärterin bei meiner Mutter in dem Kindbette gedient hatte, in welchem ich das Licht der Welt erblickte. AuS unserem Hanse hatte er die Frau, eine 27