Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1873)
- Date
- 1873-07-01
- Page
- Seite 440 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226906-3226934--31775-3254711- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
440 des Friedens unter den Angehörigen der verschiedenen Neligionsgenossenschaften, so wie gegen die Uebergrisfe über die Granzen des staatlichen mir religiösen Gebietes, die geeigneten Maßnahnahmen zu treffen. Anstände aus dem öffentlichen oder Privatrechte, welche über die Trennung und Neubildung von Neligionsgcnossenschaften gegenüber den Eantonen entstehen, entscheidet der Bund. Tie Errichtung von Bislhümern auf schweizerischem Gebiete unterliegt der Genehmigung des Bundes. Rnmänien. Jassy, 21. Juni. In der jüngsten Zeit sind die rumänischen Inden in Bezug auf den in ihnen vorauszusetzenden Eifer für Gründung und Erhaltung von Schulen nicht sehr belobt worden. Es ist hier immer Dasselbe, was man Seitens der orientalischen Juden erfährt. Sobald sie in Noth und Gefahr sich befinden, strecken sie die Hand nach ihren europäischen Glaubensbrüdern aus. Ist oder scheint diese vorüber, so weisen sie Alles zurück, was ihnen zur Besserung und Hebung ihrer Verhältnisse, was ihnen für Bildung und Gesittung von jenen geboten und abgesordert wird. Die rumänischen..Juden wollen von Schulen nach europäischem Zuschnitte Nichts wissen, und lassen diejenigen eingehen, die bereits bestehen. Bieten ihnen die Wiener die Hand, so heißt es, das sind Deutsche und wollen uns germanisiren; tragen ihnen die Pariser zu diesem Zwecke Unterstützung entgegen, so antworten sie, wir bedürfen keiner Hülfe, wir besitzen Mittel genug. Darum ist es wohl angemessen, irgend welche Ausnahme rühmend hervorzuheben, wenn sie auch nicht bedeutender sind, als was in jeder deutschen Mittelgemcinde geschieht. So besteht hier ein Frauenverein für jüdische Mädchenschulen, und die Damen lassen es sich sehr angelegen sein, die nöthigen Geldmittel zu sammeln, was ohne die persönliche Verwendung der Damen schwerlich zu Stande käme. Rußland. Odessa, 21. Mai. (Privatmitth. > Die hiesige israelitische Gemeinde hat einen herben Verlust zu beklagen. In der 'Nacht vom 13. auf den 11. Mai verschied nach schweren Leiden einer der achtbarsten und angesehensten Bürger Odessa'S, der erbliche Ehrenbürger, Herr Bermann Trachtenberg. Im Februar 1790 in Brody in Galizien geboren, genoß er eine glänzende Erziehung im älterlichen Hause; da sein Vater größtentheils geschäftshalber in Rußland und in Deutschland weilte, übernahm die Mutter, eine treffliche und kluge Frau, die Tochter dev sloczewer Rabbiners, die Erziehung des intelligenten Sohnes. Nachdem der neunzehnjährige junge Mann sich umfassende Kenntnisse erworben hatte, ging er als Vertreter des damaligen renommirten Bankhauses Jüdel Nathansohn, dessen ganzes Vertrauen er besaß, nach Odessa. Vor mehr als einem halben Jahrhunderte lag der geistige Boden in unserer Gemeinde noch gänzlich brach; da war von einem geregelten Gottesdienste, von einer Schule und dergleichen mehr keine Rede. Im Vereine mit Gleichgesinnten legte der Verewigte den Grund der hiesigen jüdischen Schule, deren iEhreneuralor er viele Jahrzehnte hindurch war. Außerdem bekleidete er die Stelle eines Mitgliedes im (Semite rer Talmud-Thora und im Eomile des Tempels. Der Heimgegangene Fürst Woronzow, dessen Andenken in dankbarer Erinnerung in den Herzen der Einwohner Odefsa's und Südrußlands stets fortleben wird, schätzte den Verewigten, der durch sein immenses Wissen und seine strenge Rechtlichkeit hervorragte, und eine Zierde unserer Gemeinde war. Vor ungefähr zwölf Jahren zog er sich von den Geschäften zurück, und lebte nur der Familie und den Wissenschaften. Eine besondere Vorliebe hatte er für die hebräische Sprache und Literatur, deren Kenner er war, und deren Gang er mit großem Interesse verfolgte; er selbst schrieb ein schönes, fließendes Hebräisch. 0 Dienstag den 19. Mai in der Mittagsstunde bewegte sich der imposante Leichenzug vom Trauerhause' aus nach dem neuen Tempel; die Pforten des Gotteshauses öffneten sich, und in der Vorhalle desselben wurde die- Bahre nietergesetzt, und passende Trauergesänge intonirt. Von dort ging es nach dem Friedhofe, wo Prediger Dr. Schwabacher in beredten Worten den Lebensgang des Verklärten und den Verlust, den die Gemeinde erlitten hatte, schilderte. Friede seiner Asche! Warschau, im Mai. Von hier wird der „P. Z." geschrieben: In den hiesigen Synagogen und jüdischen Betschulen wurden bisher die Predigten theils in deutscher, theils in polnischer Sprache gehalten, obwohl die Regierung nach Unterdrückung des Aufstandes, an dem auch einige völlig polonisirte Juden betheiligt waren, den Gebrauch der polnischen Sprache beim jüdischen Gottesdienste verboten hatte. Neuerdings ist daö Verbot wieder erneuert, und die hiesigen Rabbiner sind auf's Strengste angewiesen worden, sich bei ihren Predigten und beim Religionsunterrichte entweder der russischen oder der deutschen, in keinem Falle aber der polnischen Sprache zu bedienen. Da von den hiesigen Inden nur sehr wenige der russischen Sprache mächtig sind, so wird hier jetzt in allen Synagogen deutsch gepredigt. St. Petersburg, im Juni. (Privatmitth.)' Auch bei uns bricht sich der Grundsatz, über wohlthätige Anstalten össentlich Rechnung abzulegen, immer mehr Bahn. So liegt uns im Augenblicke der „Bericht über die Einnahmen und Ausgaben der St.- Petersburger israelitischen Waisenanstalt für Knaben vom > 1. April 1871 bis zum 1. Januar 1873 (21 Monate)" vor.