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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-01 · Heft 27 (1.7.1873) · p. Seite 436

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 27 (1.7.1873)
Date
1873-07-01
Page
Seite 436 (sequence 5)
Language
German
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436 SbeLhi iitj6u <x cßuclateu. Deutschland. Leipzig, in. 2MN. Sie haben kürzlich von rer seltenen Anerkennung Vermerk genommen, die Seitens der hiesigen juristischen Faeultät unserem berühmten Glaubensgenossen, Herrn Reichotagsabgcordneten Laster, durch Verleihung des Ehreudoctoratcs beider ^rechte bezeugt wurde. Ich gestatte mir heute, Ihnen von einer anderen Auszeichnung zu berichten, die einem Manne zu Theil wurde, dessen 9tonic besonders in jüdischen Kreisen eures guten Klanges sich erfreuet. In der gestern hier stattgehabten Sitzung des Stadtverordnetencolleginms wurde Herr Moritz Kohrrer, mehrjähriges Mitglied desselben, mit in von 55 Stimmen znm unbesoldeten Stadtrathe gewählt. Herr Kohner ist der erste Staetrath jüdischer Eonfessioat in unserer Stadt, wie in unserem engeren Valerlande überhaupt. Seine Wahl ist darum von um so größerer Bedeutung, was von den hiesigen publizistischen Organen, wie in unseren politischen und gesellschaftlichen Kreisen, auch allgemein und mit großer Befriedigung anerkannt wird. Für die hiesige israelitische ZeeliZionsgernciudc, deren erster Vorsteher Herr Kohner ist, kann dieselbe nur zu besonderer Befriedigung gereichen. Berlin, 13. Juni. (Privatmitth.) Auch Sie haben der allgemeinen Befriedlgung Ausdrirck gegeben, rvelchc die Ernennung des Professor Lazarus zum eiDcrnkchen Professor der Philosophie an der hiesigen Universität hcrvorgernsen hat. Ueberhaupt wiesen Sie mit Genugthmmg aus die mehrfache Ercirung von jüdischen Gelehrten zu ordentlichen. Professoren in der jüngsten Zeit in Preußen hin, um den Umschwung zu constatiren, der nach dieser Seite hin unter dem jetzigen Cultusministcr vor sich gegangen ist. Indeß muß man doch ans die Bedingungen aufmerksam sein, unter welchen Dies geschieht. Außer der medicinischen Faeultät sehen wir bis jetzt noch keinen Juden in den anderen Fakultäten, der philosophischen RDd Der juristischen, zum wirklichen ordentlichen Professor, so daß er der Faeultät cingereihet ist, uud in ihr Sitz und Stimme hat, ernannt. Bernaus unv Gractz sind außerordentliche Professoren, und Caro in Breslau und Lazarus in Berlin sind „ordentliche Honorarprofessoren", also der Faeultät noch nicht völlig angehörig, und nicht aus dem eigentlichen Etat der Universität besoldet. Dies ist ein Moment, das doch noch nicht ass den Augen gelassen werden muß. — In orthodoxen Kressen ist wa& über eine Fälschung sehr entrüstet, indem cS sich ergab, daß vor dem letzten großen Umzüge Tausende von Mesusoth verkauft worden sind, die nicht geschrieben, sondern gedruckt, also posiel waren. — Sie werden cs nicht ausfällig sinden, wenn ich obige zwei Mitthciluugen hier verband. Ich wollte damit ein kleines Charakterist icmn imfcrcv Zeit geben, in welcher die Extreme so dicht neben einander liegen. Von der einen Seite verlangt man, daß Juden ordentliche Professoren der Philosophie werden, von der anderen Seite kämpft man für geschriebene Mesusoth. Eigenthümlich ist dabei, daß es nicht selten dieselben Personen sind, die Beides ernstlich betreiben oder doch fordern. Bonn, 12. Juni. (Privatmitth.j Das Kunststückchen, welches die ultramontanen Blätter und Blättchen alle Tage ausüben, besteht darin, daß eines derselben eine freche Lüge in die Welt schlendert, eine Berichtigung dann wohl gezwungenermaßen ansnimmt, daß jedoch die übrigen Blättchen derselben Couleur jene Lüge wiederholen, ohne von der Berichtigung Notiz zu nehmen. So bringt das „Bayerische Vaterland" des bekannten l)r. Sigl den Artikel aus dem wiener „Vaterland", in welchem die Fassung der Resolutionen der ersten israelitischen Synode absichtlich gefälscht war. Das wiener Blatt brachte die von uns ihm zngesandte Berichtigung. Dennoch druckt das „Bayerische Vaterland" die gefälschte Fassung dem wiener Blatte nach. Es versteht sich, daß wir uns nicht die Mühe geben, auch dem Vaterlanrc Sigls die Berichtigung zuzuscndcn, denn was hülfe dies? Das nächste ultramontane Blättchen bringt die gefälschte Fassung dennoch wieder. Von Wahrheitsliebe ist bei diesen Leuten die letzte Spur verschwunden. Man kann sich also von vornherein denken, welches Monstrum die Religion in ihnen geworden ist. Man kann sich aber damit beruhigen, daß diese Blätter doch nur von blinden Anhängern goutirt werden, an denen doch Nichts mehr zu schädigen oder zu bessern ist.' Bamberg, 7. Juni. Gestern 'Nachmittag wurde allseitig tief betrauert und unter äußerst zahlreicher Theilnahme aller Stände der hiesigen Einwohnerschaft die irdische Hülle eines Ehrenmannes im wahren Sinne des Wortes, des vorgestern an einer Brustfellentzündung verstorbenen praktischen Arztes Herrn Dr. Jakob Desfauer, zur Erde bestattet. Der Verlebte, der sein Lebensalter auf nahezu sechsundsechSzig Jahre brachte, gehörte zu den geachtetstcn und beliebtesten Persönlichkeiten unserer Stadt. Er war seit mehr als vierzig Jahren ein sehr beschäftigter und tüchtiger Arzt, und cs war sein Wirken auch in vielen anderen Beziehungen ein sehr reiches und scgensvollcs. Seit zweiunddreißig Jahren Vorstand der jüdischen Gemeinde hatte er den größten Antheil an allem Guten und Ersprießlichen, das seit dieser Zeit innerhalb der Gemeinde und für dieselbe geschaffen worden ist. Die Errichtung des LcichenhofeS und der Bau der neuen Synagoge waren vorzugsweise sein Werk. Er war. der würdigste Repräsentant der Gemeinde, und sein Verlust ist ein lies und allgemein gefühlter, und wird daher ein schwer zu ersetzender bleiben. Ihm gilt cs den ehrenden Nachruf zu widmen, und den Kranz der Ehren zu flechten, der Jedem gebührt, welcher seinen Pflichten als Mensch, Arzt, Vorstand seiner

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