Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1873)
- Date
- 1873-07-01
- Page
- Seite 435 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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435 Literarischer Wochenbericht. Bonn, 12. Juni. Ephraim Moses Knh, Epigramme. In Auswahl herausgegeben und biographisch-kritisch eingeleitet von Theodor Seemann. lDresden, Gilbers, 1S72». Diese schön ausgestaltete Answahl ans den Prodneten eines jüdischen Dichters, eines Zeitgenossen Mendelssohns,*) cingeleilet durch eine gntgeschriebene Biographie und Kritik, wird Jedem willkommen sein, der sich der Blasirtheit unserer heutigen Vmif entziehen, und sich eine Stunde in der einfachen, aber sinnreichen und gefühlvollen Poesie unserer Altvorderen ergehen will. Werdas Leben dieses Dichters, welcher theilö in tiefer Melancholie, thcils in fürchterlichen Paroxysmen des Wahnsinnes endete, mir diesen Epigrammen, Fabeln und Liedern vergleicht, der staunt über das Nebeneinander des Nüchternen und Sinnigen, lind der schrectenerregenden Seelenbewegungen in einer lind derselben Psyche! Er erkennt hieran aber auch in frappanter 'Weise, welchen Einfluß eine noch nicht entwickelte Zeit durch den noch vorhandenen Mangel des Ausdruckes für Pathos und Schwung der Phantasie,, wie der Gefühle, übt. Das Büchlein ist daher nach verschiedenen Seiten von Werth. Frankfurt an der Oder, im Juni. (Likknte hannnis chneh). Unter diesem einfachen Titel ist vor wenigen Wochen ein Wert erschienen, in welchem eine wirkliche „Blumcnlese aus der Mischnah" enthalten ist. Der Berfasser ist Herr Ph. Frankel in Los lau «Oberschlesien), ein Mann, der ans dem Gebiete der rabbinischen Literatur früher schon so Manches geschaffen hat, was als gut und nützlich anerkannt worden ist. So hat er schon ein Buch über den „Schlachtritns", ein jeuigen Lorschristen noch ferner maßgebend bleiben, weiche die Benrlnndnng der Geburten, Heiratlieu und Slerbesälte solel'er Personen bc treffen, welche einer Netigionsgeiellschast, deren geistliche;n Anilsl-andlnngen mit bürgerlicher Wirkung ermächligl sind, niNit angeboren. Insbesondere ist die Lererdnung vom Mär; IM7 «Gesetzs.mnnl. E. 12.',) mit der Maßgabe in ötraft verblieben, das; an Lteile ihres 17 die Lorfchriflen des Gesetzes vom 1 i. Mai d. 2. über die Form des Austrittes aus der Ltirche treten, und daß ihre Bestimmungen, ge inäß der im § > des Gesetzes einl'atkenen Erweiterung, fortan auch ans solche Personen Anwendung finden. welche nicht aus eiuer der christlichen Airchen, sondern ans einer anderen, mit Eorporationsrechten versehenen Religionsgemcinschaji ausgetreten sind. Berlin, den IN. Juni ld7N. Ter Iustizunnister, Leonhardt." *> Eine größere 'Auswahl gab Rammler in zwei Bänden. Zürich I7'.«2, heraus. Der obige Biograph giebt 1721 als Anl's Gednrls, 17i»0 als sein Tterbejahr, als sein Lebensalter aber äd Jahre an! In Fürsts Bibliothek finden sich keine 'Angaben darüber. anderes über „Terephot", ein drittes über „die jüdischen Trauergebräuche" geschrieben, und endlich in einem vierten einen vortrefflichen lexikalischen Schlüssel für sämmtliche im Talmud enthaltenen „Agadolh" geliefert. Sein jetziges, fünftes Werk ist der „Mi sch nah" gewidmet. Der Bersassor hat sich eine ziemlich schwierige Allsgabe gestellt, und dieselbe mir vielem Geschicke zu lesen verstauten. Er hat nämlich alle diejenigen schweren Stellen der „Mischnah" ausgesucht, in welchen die berühmtesten Eonunentaloren der letzteren in ihren Atisichten wesentlich von einander abweichen, utld eben diese Divergenzelt zu erklären resp. in das rechte Licht zu stellen, sich befleißigt. Hierbei sind ganz besonders zwei ältere Eommentare, nämlich „Banenora" und „Tofepho! Iom-tow", sowie zwei jüngere, nämlich „Tesephorh Ehataschim" und „Tosephot Rabbi Akiba E'ger", vom Berfasser in's Auge gefaßt. Ans diese vier konlmt er fast in jeder Mischnah, die er behandelt, zu sprechen. Aber auch die beiden ersten Koryphäen auf dem Gebiete der Mischnaherklärnng, nämlich Maimouidcs und Raschi, kommen bei der fräntelschen Arbeit nicht zu kurz; er eitirt sie mit ihren Ansichten, so oft es die kritische Untersuchung nur erforderlich macht. Endlich hat Herr Fränkel noch die von dem Ga on 'Rabbi Moscheh, dem Sohne des Berfassers von „Sidre Taharah", herrührenden „handschriftlichen Glossen zur Mischnah" (die er, wie er im „Borworie" bemerkt, in der Bibliothek des Herrn Rabbiner I>r. D a nid Frenkel zu Rybnik gefunden hat) für seine wissenschaftliche Arbeit ganz vortrefflich ansznbenten verstanden. — Irren aber würde man, wenn mau annährne, der Berfasser der „Lilknte hamischneh" habe nur Fremdes ztisammenstellen und beleilchten wollen; nein, auch seiner eigenen Ansicht ist'das Thor seines Werkes nicht verschlossen geblieben, und er'hat sie kund.gegeben, so oft er es für nothwentig und ersprießlich gehalten hat. Ueberall aber, wo dies geschieht, sieht man, daß der Berfasser nur „zur Sache spricht", und am Weitesten davon entfernt ist, mit etwas ,/Neuem" sich zeigen zu wollen. Ueberhanpl ist es die Bescheidenheit, welche alte bisherigen fräntelschen Schriften so schön kennzeichnet. Unk wie Alles, was Frän kel vorher geschrieben hat, so zeugt namentlich auch sein neuestes Werk von einem wirklich a m e i s e n a r t i g e n F l e i ß e, der auf die Arbeit verwendet worden ist. In vier „Begutachtungen", die ihr verangedrnckt sind, ist sie von vier Rabbinern lauö Krakau, Lemberg, Kempen und Breslau) auf's Wärmste empfohlen. Das 'Werk, dessen Stärke 34 Bogen in 1" beträgt, kostet nur 1'/:, Thaler, und ist sowohl vom Berfasser selber, als auch von den Buchhandlungen Skutsch in Breslan, Kaussmann in Frankfurt a. M. mit A. Faust in Krakau zit beziehen. Louis Wehl. 27*