Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1873)
- Date
- 1873-06-24
- Page
- Seite 429 (sequence 13)
- Language
- German
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429 Walreslnst sehnt sich der Reisende vergebens. Hier lagerten wir, und verzehrten unser mitgebrachtes Frühstück. Plötzlich sehen wir eineit Fremden den Weg herabwandeln — es war der erste, renn ras platte Land, wenn rer Bauer aus dem Felde Nichts zu thun hat, ist stets sehr menschenleer und einsam. Wir blicken hin, und erkennen einen preußischen Gendarmen. Für Kinder einer kleinen ausländischen Stadt war damals ein preußischer Gendarm ein Symbol der furchtbarsten Strenge, der unerbittlichen Härte. Ter Bissen blieb uns im Munde stecken. Wenn er uns nun für entflohene Verbrecher hielte? oder für vagabondirende Landstreicher? Wenn er uns nun arretirte und in's nächste Gefäugniß brächte? Einen Paß hatten wir aus die Vetierreise nicht mitgenommen; er hätte auch so viel gekostet, wie kaum unsere ganze Baarschaft betrug. Ich wollte aufspringen und in's Gebüsch laufen. Aber mein Bruder hielt mich feste: Sitze ruhig, flüsterte er mir hastig zu; läufst Tu davon, so knallt er er Tir seine Kugel in den Leib! Ich verstand, und blieb sitzen. So rasselte denn der Eisenmann mit wuchtigen Schritten heran. Das Schwert an seiner Seite und die Büchse über der Schulter, klirrten mahnend und erschreckend. Aber er warf nur einen flüchtigen Blick auf uns, erwieoerte den Gruß meines ^rnders mit Kopfnicken und schritt vorüber. Ein lautes: Ah! entrang sich meiner gepreßten Brust. Ich war also wirklich kein Verbrecher und kein Landstreicher, selbst nicht in den Augen eines .preußischen Gendarmen, der pslichtmäßig einen solchen in jedwedem Menschlein erblicken sollte. Jetzt schmeckten das Brod und die gesottenen Eier vortrefflich, uno ich huschle in das Gebüsch, um aus einer klaren Quelle zu schöpfen, die ich murmeln gehört halte. Nun streckten wir behaglich die Glieder in dem weichen Grase aus, und mein Bruder holte eine Lectüre heraus, aus der ich vorlesen mußte. Es war die anszügliche französische Bearbeitung des Ton Quijote von Florian. Ich weiß cs wie heute. Ich las vor, und verstand es; aber es mundete mir nicht. Damals war die Romantik des Mittelalters im Wietererblühen. Rillergeschichten waren an der Tagesordnung, eine Satire aus sie entrüstete meine knabenhafte Einbildungskraft. Mein Bruder, der über seine Jahre unterrichtet und besonnen war, ein junger Denker, belächelte meinen Zorn. Wir brachen auf, um den zweiten Theil unseres heutigen Marsches zu unserer Nachtherberge zurück zu legen, die uns res Eigenthümlichen Vieles bieten sollte.' Aber der Weg dahin war noch lang und beschwerlich. Wir verirrten uns ans Kreuzwegen in dem dichten Walde hinter reu großen Elbdämmen, und kennten absolut das dazwischenliegende Torf Breitenhagen nicht finden. Tie Sonne begaiin schon sich links hinter die Wipfel der Bäume niererzusenken. Es war ein niererdrückender Gedanke, im Walde übernachten zu sollen, den die Phantasie sofort mit Bären und Wölfen bevölkerte, und jeden Zweifel an deren Existenz in unserem guten Laude immer wieder verdrängte. Aber ras Glück war uns schließlich hold, und erschien in Gestalt eines Forstmannes, der ims wohlbehalten an die Schenke von Breitenhagen ablieferte, wo mein Bruder bei einem Glase saueren Biers mich über meine Angst auSspoltcte. (Schluß folgt.) Unze iickagmtiiincliiing. Die Lehrerstelle an rer jüdischen Elementarschule Hierselbst mit einem Iahreseinkomnien einschließlich der WohnungSentschärigung von 2<»o Thlrn., welches jedoch bei zufriedenstellender Amtsführung des Inhabers bis zu :;oo Thlrn. erhöht werten soll, wird am 1. Juli e. vacant. Qualisieirte Bewerber, welche gleichzeitig befähigt sein müssen, die erste Eamorstelle an der Syuagogengemeinde zu verwalten und hebräischen Leseunterricht zu ertheilen, wollen sich unter Vorlegung ihrer Zeugnisse bei dem utiterzcichnelen Schulvorstande schleunigst melden Mit dem Eantoraie ist neben den Einnahmen ans den Sssertorien ein Iahresgehalt von l 25 Thlrn. verbunden, auch findet ein tüchtiger Lehrer vielfach Gelegenheit zu Privatunterricht. Kosten, den 12. Juni 187:;. Der Schulvorstand. Israelitischer Lehrer gesucht. Für die öffentliche israelitische Schule in Dortmund wird ein tueötlrzer (5'lementarlebrer gesucht. Bei entsprechenden Leistungen steht ein sehr guter Gehalt in Aussicht. Meldungen, denen ein Lebensabriß und Abschrift der Zeugnisse beizufügeu ist, nimmt der Bürgermeister Nr. Becker entgegen. i g e n. Weyen eingetrelener Verhältnisse ist die Stelle eines Heligionslehrcrs, Canto rs und Schächters bei der Gemeinde in Oldenburg erledigt u. wird baldige Wiederbeselzung gewünscht. Gehall: 280—800 Thlr. jährlich nebst Wohnung, Feuerung und einigen Emolumenten, und mit Aussicht auf Erhöhung des Gehalts nach erprobter Tüchtigkeit. l'nlerrichl nur G—7 Stunden wöchentlich. Die Stelle lässt viele Zeit'jund Gelegenheit zur Fortbildung und zu Nebenverdiensten. Auf gute Quulijicalion, besonders auch im Cunlorute, wird Wctth gelegt. Anmeldungen an mich oder an den Vorsteher l<. Revers hach. Vom 10. Juli bis Anfang August werde ich verreist sein. Landrabbiner Uec/ts/t'f in Oldenburg. In hiesiger Gemeinte ist die Stelle eines Eultusbeamtcn, welcher geprüfter Lehrer, Vorderer und Schächter sein muß, vacant und soll mit dem I. September e. besetzt werden, pro anno fei« 2'>o Thlr. nebst Thlr. Wohnungoeutschärigung u. Nebeneinkommen, das sich ans circa 2()0 Thlr. beläuft. Eantitateu wollen sich in frankirlen Briefen unter Beifügung ihrer Zeugnisse bis zum 15. Juli e. bei uns melden; dieselben müpen sich auf Verlangen einer persönlichen Vorstellung und der Abhaltutig einer Probelcction unterziehen. Stalin poc* n en, den Di. Juni 187,‘i. Der Vorstand der Kreis Synagogengemeiilde. Joseph Bdam.