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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-24 · Heft 26 (24.6.1873) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 26 (24.6.1873)
Date
1873-06-24
Page
Seite 426 (sequence 10)
Language
German
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426 Rumänien. Bukarest, im Jnm. (Privatm.) Wenn Sie in Nr. 2.^ die Nachricht über eine Eolome rumänischer Juden in Nordamerica der Glaubhaftigkeit ledig erklärten, so halten Sie vollkommen recht. Wir wissen hier Nichts davon. Nur war die Ouelle dieser Nachricht nicht ein amerikanisches Blatt, sondern die Times, deren desfallsige Correspondenz das Journal des Debats wiederholte. Wer sich das Vergnügen gemacht hat, dem englischen Weltblatte diese Ente aufznbinden, weiß ich natürlich nicht. — An einer anderen Stelle Ihres Blattes sprechen Sie die Meinung aus, daß das Comitö rer Alliance in Wien geeigneter sei, sich mit den Schulen in Rumänien zu beschäftigen, als das pariser. Gestatten Sie mir meine Ansicht hierüber zu äußern. Die öffentliche Meinung in Rumänien ist dauernd gegen die Deutschen gewendet, von denen man glaubt, daß sie die Rumänen absorbiren und zuletzt verschlingen wollen. Je mächtiger Deutschland in neuester Zeit geworden ist, und gerade weil man einen Deutschen zum. Fürsten hat, wächst diese Furcht vor dem Deutschthume immer mehr an. Werren nun die rumänischen Schulen von Wien aus unterstützt und geschlitzt, so findet man darin den Beweis, daß man die Juden, die so schon als deutsche Vorhut angesehen, werden, gänzlich gerntänisiren welle. Die Rumänen sind daher den jüdischen Schulen doppelt abhold, und ihre Negierung wird dem Entstehen und Bestände derselben eher Widerstand, als Förderung, angedeihen lassen. Rußland. Petersburg, im Juni. Dem Golos zufolge soll den in Litauen und Südrußland ansässigen Israeliten, welche seit Jahren schon unbeanstandet Güterpachtungen übernehmen, und sich der Landwirthschaft widmen konnten, das Recht der Güterpachtung deinnächst beschränkt werden. Bei dieser Gelegenheit ist es nicht ohne Interesse, die Angaben des GoloS über die Handels-, Industrie- und Agrarverhältnisse der russischen Juden zu recapituliren. Dieselben haben in den südwestlichen Gouvernements 810 Güter mit einem Gesammtareal von circa f>oo,ooo Desätinen in Pacht, und zwölf Güter mit einem Gesammtareal von circa 18,<><>«> Desätinen besitzen sie als Eigenthum. Außerdem befindet sich in jüdischem Besitze eine große Zahl von Gütern, die ohne förmlichen rkaufeentraet auf fremden Namen käuflich erworben sind, weil das Gesetz den Juten den Ankauf von Gütern nur unter sehr erschwerenden Bedingungen gestaltet. Die landwirthschaftliche Industrie befindet sich in den genannten Gouvernements überwiegend in den Händen der Juden. So besitzen sie neun Zehntel sämnltlicher Branntweinbrennereien, fünf Sechstel sämmtlichcr Brauereien und ein Viertel sämmtlicher Zuckersiedereien. Die Zahl rer jüdischen Handwerker kommt der der christlichen ziemlich gleich; dagegen wird der Handel fast ausschließlich von Juden beherrscht, und auch fast sämmtliche Branntweinschänken befinden sich in ihren Händen. In den letzten Jahren haben sich die Inden mit besonderer Vorliebe rem Holzhandel zugewendet und über 12,<mo Desätinen der besten Waldungen zur Ausrodung gekauft. Eine merkwürdige Erscheinung sind in den südwestlichen Gouvernements die zahlreichen Eolonieen kleiner jüdischer Ackerbauer, die seil fünfzehn Jahren auf Anregung und mit Unterstützung der Regierung gegründet worden sind. Die Zahl dieser jüdischen Ackerbauer, von denen jeder einen Landbesitz von zwanzig bis dreißig Desätinen hat, beträgt etwa 22,1*00. iJn den obigen Angaben muß doch ein Rechenfehler verborgen sein, wenn eine so große Zahl Juten rem Ackeibaue obliegen, und cs eben so viele jütische, wie christliche, Handwerker giebt — was bei der vcrhältnißmäßig geringeren Anzahl der Inden eine überaus große Menge derselben in Anspruch nähme wo sollen iKu) so Biele Herkommen, um, wie der Golos. meint, den ganzen Handel zu beherrschen? dränge Zeit beklagte man sich, daß die Juden dem Landbane fern bleiben. Linum haben sie sich demselben zugewendet, so beklagt man ries abermals, und will sie darin beschränken!) I e u i f Lin ßcifpiel von ©roftltimigkcif.*) Eine Chronik des zwölften Jahrhundertes, auf die sich ein englischer Geschichtsschreiber beruft, erzählt ungefähr Folgendes: In der üblichen Rüstung sprengte an einem schönen Sommertage ein Ritter den Weg nach Faverham dahin, als er einen ärmlich gekleideten Mann einholte, der aus einem Maulthiere saß und ein zweites, schwerbeladenes am Zügel hielt. Mehr ') Aus dem Wiener „Corrcspondenlen." l e ton. als sein Gesichtsausdruck verriet!) der rolhe Lappen an seiner Mütze die Abstanuuung des armen Mannes. „Ausgeschaut, Jude!" rief der Ritter, „oder bei meinem heiligen Patrone, der Staub deiner Gebeine soll sich mit dem der Straße vermengen." Der arme Jude antwortete nicht, sondern beeilte sich demüthig, den Rand der Straße zu erreichen und diese dadurch dem Ritter völlig frei zu geben. Ter Letztere war aber kann» eine Strecke voran, als er das Zischen von Pfeilen vernahm, die an

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