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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-24 · Heft 26 (24.6.1873) · p. Seite 425

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 26 (24.6.1873)
Date
1873-06-24
Page
Seite 425 (sequence 9)
Language
German
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425 kein jüdisches Wahlcemits wird Anstand nehmen, für die Wahl eines christlichen Mitbürgers zu agitiren, wenn dieser nur die Bürgschaft einer verfassungstreuen Gesinnung zu geben in der Lage sein wird." Tie Polen rechtfertigen das Verhalten ihrer jüdischen Mitbürger am meisten selbst! Aus Ungarn, im Juni. lPrivatmitth.) Aus Oedenburg wird gemeldet, daß die 50,000 fl., welche die dortige Gemeinde zum Baue eines neuen Tempels angesammclt hatte, durch den Verwalter der (5asie zu Börsenspeculationen benutzt wurden, und in rer jetzigen Krise kläglich verloren gegangen sind. Uebcrhaupt ist Ungarn bei den ungetreueren Verlusten deS großen wiener „Börsenkraches" sehr betheiligt, der eine allgemeine Erschütterung auch in linserem Lande hervorgebracht hat. Urheber, Förderer und nunmehr auch Träger der Verluste sind Juden, wie Christen, Aristokraten wie Bürger, und selbst Bedienstete. Es war vorauSzusehcn, daß feindlich gesinnte Blatter anfangs die ganze Schuld aus unsere Glaubensgenossen schieben wollten, allein das Betanntwerden der betheiligten Namen beweist zur Genüge, daß ans allen Seiten gesündigt worden ist. So zeigen die Bornamen des berüchtigten Placht, rer so viel Unheil über die unteren Stände in Wien gebracht hat, Johann Baptist, daß er nicht zu den Inden gehört. Ebenso war es bei dem borsod-miskclzcr Ausstattungssck Windel, wo die Hauptfactoren nicht unseres Glaubens waren, darunter ein protestantischer Pfarrer, der sich, wie es heißt, entleibt hat. Damit soll keine Seite rein gewaschen werden, nur daß man nicht ungerechterweise die Eine ausschließlich anschuldige, während die Anderen nicht niinder daran Theil genommen haben. Waren doch namentlich die Ehasanim, welche von den jüdischen Gemeinden Ungarns allzusehr gehätschelt wer-, ^den, nicht ohne zahlreiche Vertreter im Börsenspiele, und selbst ein gewisser Rabbiner ging an die Börse, und sogar am Sabbathe. Derselbe gehörte nicht der Rcwrmpartei an. Möge sich der Himmel unter diesem Gewitter reinigen, und nicht der Wind, der einmal in der Zeit heimisch ist, die Regenwolken wieder zurückbringen, die eben abgezogen sind! Nachschrift. So eben lese ich eine Veröffentlichung des: Vorstandes in Oedenbu r g, daß die Nachricht des „Hon" falsch sei, daß der größere Theil des CK'lres bereits auf den Ankauf der zum Tempelbaue nölhigcn Liegenschaften verwendet worden, der übrige Theil vollständig sicher belegt sei. Desto besser! Frankreich. Paris, im Juni. (Rach den Arch. isr.) Daß der zweite Leitartikel in Nr. 2! nicht ohne wirklichen Grund die Besürchtnngen ausgesprochen hat, daß das neue Regime in Frankreich! den Ausschluß der Protestanten und Juden von den Staatsämtern zur Tendenz haben werte, erweist sich bereits. Zu den! Demissionen gehören die des Herrn E. Manuel, Cabinetschefs des Unterrichtsministeriums, Hendlö'S, Präfeeten des Departements Loir-et-Cher, und Camille See's, Unterpräfeeten von Saint-Tenis, sämmtlich israelitischer Religion. Wenn dagegen so eben vier Juden von Lieutenants zu EapitaineS ernannt worden sind, so datirt das Teeret vom! 3. Mai, also vor dem Sturze des Herrn Thiers. — Ein unangenehmer Vorfall ereignete sich jüngst im israelitischen Eentralconsistorium. Unter tcm Kaiserreiche bestand ein oberster Generalrath für den Unterricht, in welchem neben Geistlichen der anderen Consessionen auch ein Mitglied des israelitischen Centraleonsistoriums saß. Das Letztere hatte hierzu stets sein Mitglied Professor 10'. A. Frauck gervahlt. Der 1. September löste auch diesen Generalrath airf. Ein jüngst ergangenes Gesetz stellte ihn wieder her. Da hat denn das Eonsistoriunt mit Clittlmenmchrhcit den Großrabbiner Isidor rum Mitgliede desselben ernannt, in dem Gedanken, daß neben den Bischöfen und Generalsuperintendenten auch das Judenthnm durch einen Geistlichen vertreten sein solle. Professor Franck aber hat dies übel aufgenommeu, und als ein Mißtrauensvotum angesehen, da im Jurenlhume feine priesterliche Wune vorhanden sei, und hat seine Demission als Mitglied deö Eonstftoriums gegeben. — In dem Entwürfe des Herrn Thiers zur Bildung eines Senates waren auch als wählbar der Präsident und der Großrabbiner des israelitischen Eenlralconsistorimns aufgcfnhrt. Bekanntlich fjal dieser Entwurf wenig Aussicht angenommen zu werden. — Im Eonsistorium von Paris beschäftigt man sich mit dem Plane, die jüdische Gemeinde von Paris zu organisircn, indem man die Stadl in mehrere Parochieen theilen und für jede Dieser einen Rabbiner anstellen, überhaupt aber aus ihr eine wirkliche Gemeinde bilden will, so daß jedes Mitglied sich zu einem freiwilligen Jahresbeiträge verpflichte. Nach den Arch. isr. hätte das Project wenig Aussicht auf Erfolg, wenn es nicht mit der Vollendung der neuen Tempel, der Tilgung der Schulden für diese und der Zahlung der Interessen der Anleihe in Verbindung gebracht würde. Paris, 12. Juni. Man schreibt der „K. Z." von hier: "Außer den Jndisercten, den Liberalen und Radicalen, gegen die „Figaro" eifert, wird Ehren-Beulö vom UniverS auf die Juden gehetzt. Das Jesuitenblatt schreibt: "Wir lesen in der „Espöranec du Peuple", daß durch Teeret vom 1. Januar IST 3 eine Rabbinerstelle sRabbinatj für Nantes errichtet worden ist. Das Teeret stützt sich auf einen Beschluß des Gemeinderathes, von welchem Niemand Kenntnis; hat. Das Teeret ist ungültig. Rach der Ordonnanz vom 25. Mai 181-1 über die Organisation des israelrüscheu Enltns kann in einem Departement nur ein „Rabbinat" errichtet werden, wenn es dort zum Wenigsten 2000 Inden gicbt. TaS Depanement Loire Jnst-rienre zahlt über 122 Juden. Wir rechnen darauf, daß das ungesetzliche Teeret des .Herrn Thiers für null und nichtig erklärt wird." 26

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