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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-17 · Heft 25 (17.6.1873) · p. Seite 413

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 25 (17.6.1873)
Date
1873-06-17
Page
Seite 413 (sequence 13)
Language
German
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413 daselbst so viele Juden befinden, als eben dahin ziehen wollten. - Diese unverhältnißmäßige Zahl der jüdischen unter der christ-' lichen Bevölkerung ist ohne Zweifel in verschiedenen Beziehungen nicht gut; aber eS ist immerhin besser mehr als weniger Evnsmnenten zu haben." Nachtrag. Sachsenhagcn, Kr. Rinteln, 1. Juni. fPrivalmiltheil.) Am Morgen des :N. Mai, also am Sabbathc vor Schabneth, starb hier der in der ganzen hiesigen Umgegend bekannte Hirsch Herzberg, in einem Alter von 105» Jahren. Er hatte sich bis zu seinem Tode einer steten Gesundheit zn erfreuen gehabt. Cöltt, 3. Juni. (PrivatmitthJ In voriger Woche tagte hier eine Delegirtenversammlnng der Altkatholiken ans ganz Deutschland, nm einen Bischof zu wählen, und eine provisorische Kirchenordnung zu vereinbaren, was auch geschah. Es ist nicht unsere Sache, über den Altkatholicismus ein Urtheil abzugeben, aber einer Bemerkung konnten wir uns nicht entheben. Wie schnell und leicht haben sich diese Altkatholiken ans allen Gauen Deutschlands zusammcngefundcn und geeinigt, einen Bischof gewählt, eine regelmäßige Synode hergestellt, sich über die Grundsätze ihres Kirchenwcsens geeinigt. Wir hören dagegen stets so große Worte über die Zusammengefügigkeit und die Zusammengehörigkeit der Juden — und doch ist in ihnen mehr als je die Tendenz des Auseinanderbröckelns wach. Nicht einmal die Gemeinde will man bestehen lassen, sondern dieser alte Fähigkeit nehmen. Und dies wollengerade die Orthodoxen und die, welche sich die höchste Intelligenz zu besitzen dünken! Wien, 4. Juni. (Privatm.) Ueber die Weltausstellung habe ich Ihnen bisher noch wenig zu berichten. Bon großem Interesse ist die graphische Darstellung von Jerusalem, wobei ich allerdings nicht in der Lage bin anzugcben, ob dieselbe auch richtig sei. Jüngst starb hier Herr Dr. Hermann Kneppler, Mitglied des Borstandes, Hof- und Gerichtsadvocat. Derselbe hat in Wort und Schrift wacker für die Rechte seiner Glaubensgenossen gekämpft. Ihm voran ging der ehemalige Feldpreriger Herr Josef Szüntü, welcher sich um das Schulwesen Berdienste erwarb. Demnächst verläßt die vierte Auslage der Geschichte Israels von Dr. G. Wolf die Presse. Tie dritte sehr starke Auflage erschien im October 1S7 0, und nach kaum dritthalb Jahren, im Februar 1873 war sie schon ganz erschöpft: —. Dem Ministerium liegt jetzt eine principielle Frage zur Entscheidung vor. Bis jetzt wurden jüdische Gemeindebeamte, falls nicht ausdrücklich in dem betreffenden Eontracte ein Zeitraum : festgestellt war, für l e b e n s l ä u g I i ch angestellt, und wurden auch in dieser Beziehung von Seilen deS Staates geschützt, falls sie sich nicht eines Bergehens :c. schuldig machten. Nun liegt der Fall vor, daß ein Rabbiner in Böhmen, ohne etwaö verschuldet zu haben, seines Amtes enthoben wurde. Es fragt sich nun, ob jüdische Gemeinden, als selche, oder blos als Eultusgemeinden respective als Eultusvereine betrachtet werden. In diesem Falle stände es diesen zu. ihren Beamten in beliebiger Weise zn kündigen, wie dies jeder andere Verein mit seinen Beamten (Eassier, Buchhalter :e.) thun kann. Pariö, l. Juni. Das Leiborgan der beiden neuen Minister Batbie und de la Bouillerie „l'Assemblöe nationale" ist wüthend darüber, daß diemeisten europäischen Blätter den Sturz des Herrn Thiers beklagen, und die kleriealen Tendenzen des neuen Ministeriums bedauern. Es läßt sich unter Anderem so ans: „Tie fremde Presse ist größtentheils in den Händen von Protestanten, Juden und Freidenkern, die in Europa einen hartnäckigen Kamps gegen die eonscrvative Politik, lind besonders gegen die katholische Sache führen; sie sind die Billiger und die Helfershelfer der in Italien, Deutschland und der Schweiz gegen die katholische Kirche gerichteten Verfolgung. Wie soll man alSdann erstaunen, wenn diese protestantischen und jüdischen Journale sich den hefligsten Angriffen gegen unsere parlamentarische Majorität überlasten, welche die konservativen Interessen verlheidigt, die Freiheit der katholischen Institution achtet, die zu beten versteht, und welche selbst mit der Menge der Gläubigen bei den Wallfahrten sich einsindet." Das Blatt behauptet, daß Frankreich ein ganz anderes geworden sei, daß „viele Unwissenheit und viele Borurtheile in ihm geschwunden sind" — D. h. daß es wieder zu den Wundererscheinungen und Wallfahrten znrückgekehrt ist. - Merkwürdig ist es doch, daß man die Juden immer hineinmischl, wo man etwas Einem Mißliebiges findet, niemals in das, was Einem gefällt und gut ererscheint. Jur Jahre ISIS sagten die Reaktionäre, die Revolution sei überall von „Franzosen, Italienern, Polen und Juden" gemacht. Jetzt sagen die Ultramontane»: Alles Antirömische werde von „Protestanten, Juden, Freimaurern und Freidentern" gemacht — oder sie sagen auch, daß die Inden allein es machen, daß die ganze allkatholische Bewegung von den Inden ansgehe :c. Run, wir kennen kies nicht hindern! Aber der Geist der neuen Regierung verrälh sich genugsam dnrch obige Zeilen, sie geben im Boralls an, was man vorhat.

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