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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-17 · Heft 25 (17.6.1873) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 25 (17.6.1873)
Date
1873-06-17
Page
Seite 412 (sequence 12)
Language
German
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412 er sah sein schreckliches Ende voraus, dennoch vermochte ihn Nichts von der Erfüllung seiner heiligen Pflichten abzuschrecken. Bei der Nachricht des MärtyrertodcS von 9i. Ismael und R. Sinion bernhigie er seine trauernden Eollegen: „Diese Beiden sind gestorben, damit sie nicht noch schrecklichere Tage erleben-"' Die verhängnisvolle Zeit traf bald ein, Akiba tvurde in's Gefängnis; geworfen. Hier traf er mit seinem Freunde Pappus zusammen, der sich den BerfolgungScdieten nicht »vidersetzt hatte, und doch gefänglich eingezogen wurde. „Pappus, was brachte dich hierher?" srug er erstaunt. Dieser cutgegnete: „Heil dir, Akiba, dich hat man wegen der Thora gefangen, aber wehe mir., ich bin hier in Felge eiteler (Gegenstände!" - Aber selbst an diesem Orte setzte er seine Lehrthätigkeit fort. Aus fast unerklärliche Weise verstanden seine Schüler sich bei ihm Eintritt zu verschaffen, oder auf andere Wege seine Antwort über religiöse Fragen zu erhalten? Hier bestimmte er drei Schaltjahre nach einander? Seinem Schüler R. Iochanan aus Alexandrien erklärte er vom Fenster des Gefängnisses ans, daß der Act der Entbindung von der Schwagerehe gültig ist? Rührend ist seine letzte Unterredung mit seinem Schüler 9t. Simon ben Iochai. 9t. Akiba verweigert ihm weitere Belehrung, aber dieser läßt sich nicht zurückweisen. Da seufzt er: „Mein Sohn, je mehr das Kalb sangen will, desto mehr möchte die Mutter es sängen!" Seine lehren an ihn waren: „Bei wichtigen Sachen mache dich an einen großen Mann/' „Unterrichte deinen Sohn in einem correcten Buche;" „Ein Gottesgebot und die Zunahme des Körpers, d. i. die Frucht und nicht den Lohn zu genießen;" „Ein Gottesgebot und die Reinheit des Körpers, d. i. eine Ehe mit Kindern!"''' Verständlicher sind uns seine letzten lehren an seinen Sohn Ivsna: „Sitze nicht auf rer Höhe der Stadt und lehre; wohne nicht in einer Stadt, an deren Spitze Gelehrte sind; betritt nicht dein Haus plötzlich; versage nie deinen Füßen die Schuhe; stehe früh ans und genieße etwas; mache deinen Sabbath zum Wochentage «in Bezug auf die Einfachheit der Lebensweise) und bedarf der Menschen nicht."'' Endlich nahete seine letzte Stunde. T. Annins Rusus lies; ihm, um die Qualen des Todes zu vergrößern, die Haut durch eiserne Striegeln abschinden. Unter solchen schrecklichen Schmerzen erinnerte er sich des Schemagebetes, er sprach es laut und niit einer Freudigkeit, welche die Bewunderung der Anwesenden erregte. Rufns srug ihn, ob er denn ein Zauberer wäre, oder noch größere Qualen heraussordcre? Akiba antwortete: „Ich bin kein Zauberer, aber ich freue mich zu erfüllen, was mir immer als höchstes Ideal vorgeschwcbt hat: das Gebot: „Viet'C den Ewigen deinen Gott mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deinem ganzen Vermögen, d. i. auch wenn man dir dein Leben nehmen 'Das. "Berachoth 61. "Iebainoth 108 fJ. 'Sanhedrin i 2. Ierns. Icbamoth 12. 0. " Pesachim 112. ' Dasclbst. sollte!"'" Er sank unter dem Rufe: „Gott, der Eine!" nn» Vi dem Bekenntnisse des Glaubens an die Einheit Gottes, zusammen. Ties erschütterte die Kunde seines Todes; die Trauer war allgemein. Iosna auS Gerasa, der im Gcfängnisie um ihn war," nahm mit Hülfe eines Unbekannten den Leichnam und bestattete ihn ehrenvoll." Man fühlte tief den Verlust des großen Mannes, eine spätere Zeit thnt noch darüber den Ausspruch: „Seit dem Tode R. Atiba's sind die Ehren und Stützen der Thora vernichtet, die Quellen der Weisheit verstopft." '' lieber sein Märiyrerthnm erscholl die Himmelsstimme, Bathkol <s. d. A.): Heil dir, Akiba, du hauchtest deine Seele auS unter dem Rufe: „Echad, Gott der Eine!" „Heil dir, Akiba, du bist bestimmt für das Leben in der zukünftigen Welt!"" Mehreres siehe: Märtyr er t hum, Bar koch ba, Halacha, Talmudschnlen, Mischna. Historische Von G. Wolf. Tie Inden in Oestreich verehren das Andenken Kaiser Josef H., und haben auch vollen Grund dazu, denn dieser Monarch war es, der ihre Fesseln, wenn auch nicht abnahm, doch sprengte. Es wäre jedoch ein Irrthum anznnehmen, daß ausschließlich humanitäre Gründe für Josef II. in dieser Angelegenheit maßgebend waren. Politische und nationalökonomifche Momente spielten dabei eine weit größere Rolle. Wir werden an einem anderen Orte Gelegenheit haben, diesen Pnnct ausführlicher zu behandeln. Auch der Minister Fürst Kaunitz hatte auf religiösem Gebiete einen beschränkten Gcsichtspunct. deicht ohne Interesie sind folgende Zeilen aus dem Briesivcchsel zwischen Josef II. und Kaunitz, herausgegeben von Beer. Joses II. schreibt ans seiner Reise zur Kaiserin Katharina auS Brody 7. Mai 1787 an Kaunitz in französischer Sprache: „Bon der äußersten Gränze des Reiches, von Brody, diesem modernen Jerusalem, wo es 18,00«»*) Juden gkebt, richte ich an Sie diese Zeilen." Hierauf antwortet Kaunitz am 1,7. Mai: „Es ist sehr sonderbar, daß dieses israelitische Volk, unter welchem sich Euere Majestät befand, als Sie mir aus Brody schrieben, sich verhältnismäßig in ungleich größerer Anzahl in Polen, als in den anderen bewohnten Ländern Europa's aiigesammclt hat. Ich glaube, daß dies nur eine Folge der Sorglosigkeit (l’incMirui) des absurden Systemes der polnischen Regierung ist, wodurch sich 'Berachvth 61. Ierus. Sota S. 20. 3. "Erubin 21. 'Ialkut zu Mischte 014. 'Sote 10. "S. d. A. *, Diese Zahl ist zu hoch gegriffen; denn nach der letzten Volkszählung im Jahre 186!» befanden sich in Brody 1.7,038 Iuden.«Vcrgl. Schimmer Statistik.) Am

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