Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1873)
- Date
- 1873-06-17
- Page
- Seite 410 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Feuilleton. Nabbi Äkiba. Eine Probe ans l'r. Hamburgers „Real - Cneyelopädie für Bibel und Talmud" Ablbeilmig >1. (Schluß.) Aber auch mit diesen Agadaaussprüchen, besonders mit denen über Gott und Welt, die gleichsam den mystischen Theil derselben bilden, stieß er auf Widerspruch bei seinen Eollegen. R. Jose, der Galiläer, iK. Elieser ben Asaria, R. Jsmael u. a. m. traten als Gegner derselben auf, und er mußte sich von ihnen manchen Tadel gefallen lassen. Äkiba erklärt, daß Elia Lohn Berachek im Buche Hiob Bileam, und der von Moses verurtheilte Sabbathschänder Zelophchad war, worauf ihm R. Elieser zuruft: „Akiba, so oder so, du wirst einst darüber Rechnung ablegen."' Ebenso war es t)i. Ismael, der ihm auf seine Auslegung der Psalmenworte: „Speise der Bornehmcn aß der Mann," das ist die Speise der Engel,", zurief: „Akiba, tu irrest, Engel essen und trinken nicht'/" Eine weitere Deutung in Daniel 7 zieht ihm den Verweis R. Iose's, des Galiläers, zu: „Wie lange noch, Aliba, wirst du die Gottheit profaniren!" '' Auch R. Elieser Sohn Asaria cntgegnete ihm: „Was hast du, Akiba, bei der Hagada? Mache dich an die Halachoth der Ncgaim und Ohaloth!"'' Roch im dritten Jahrhundert bemerkt iK. Iochanan gegen seine Annahme, das Geschlecht der Israeliten, die in der Wüste unter'Moses starben, und die zehn Stämme, sind vom Jenseits ausgeschlossen: „lasset ihn. den R. Akiba, mit seiner Frömmigkeit." iSanh. 1 o 1.> Doch waren dies im Ganzen nur einzelne Abschweifungen von seiner gewöhnlichen nüchternen Denk- und Vehrweife, von denen er wohl später abgekommen sein mag. Wir lesen auch von ihm Zurückweisungen ähnlicher Ausschreitungen von Seiten seiner Eollegen Ben Asai und Ben Soma, die er gegen sie gerichtet hatte/' Die Mischna spricht das Urtheil auch über den mystischen Theil seiner Agadoth, daß er von denen, die sich mit der Geheimlehre beschäftigten, der Einzige war, der in Frieden einzog und in Frieden auszog.' k. Weitere Thätigkeit, Einfluß und Bedeutsamkeit. Mit diesen Lehren entwickelte R. Aliba feine bedeutende Thäligteil. In der Halacha werden seine Entscheidungen denen seiner Borgänger enlgegeugesteüt" und vorgezogen.'' In der Gesetzes- 'Ierns. Sole Absch. 222. Babli Sabbath '»7. -Ps. 77.. -Ioma 75.. 'Ehagiga l l -''Das. Es sind die Satzungen über „rein und unrein". ''Siehe: Agava, Ben Asai, Ben Soma. -Ehagiga 1 t. "Deutlich in Sabbath 1 1Nasir.i!., Pcsachim 22., Retarim 25.., Baba mezia «>2., wo diese Entgegenstellung seiner Halachalchren denen seiner Bergänger stets mit den ihn ehrenden Worten eingeleitet werden: 2^21?"•*, »20 -r „Bis R. Aliba kam und erklärte." "Ausdrücklich vorgezogen werden seine Gesetzesentscheidungen gegen die seiner Borgänger, deren künde haben sich seine Bestimmungen über und gegen die früheren Lehrer, deren gesetzliche ‘Juniucn durch ihn Gesetzeskraft verlieren,' erhoben. Dieselben werken in ihrem Zusammenhänge: „Mischna de R. Akiba" genannt, während Letztere „Mischna rischona", erste Mischna, oder „die Mischna der Ersteren" heißt? Diese seine Entscheidungen wurden in die späteren Halachasammlnngen Sifra, Sisri und Tosephta als anonyme, d. h. allgemein anerkannte Halachoth, ausgenommen/ Bei dieser neuschöpferischen Thätigkeit in der Gesetzeskunrc verstand er auch eine praktische Wirksamkeit zu entfalten, die ihn nicht blos als den Helten auf dem Gebiete der Halacha, sondern auch zum Bolksliebliuge stempelte. Es war eine Verehrung für ihn bei seinen Eollegen, Schülern und dem Volke, die selten einem Gesetzeslehrer geworden war. Diesen seinen bedeutenden Einfluß verwendete er erst zur Unterstützung der Bestrebungen des Patriarchen R. Gamliel, Einheit in der Lehre und den Entscheidungen der Gesetzeslehrcr zu erzielen. So sehen wir ihn bei der Wiedereinsetzung R. Gamliel's thälig.'- Später entzweiet ein Halachavortrag R. Gamliel mit seinem Schwager R. Elieser. Die Majorität entscheidet gegen Letzteren, und verfügt über ihn den Bann. Keiner wagte es, diesem angesehenen Gesetzeslehrer den über ihn verhängten Bann anzukündigen. Aliba übernimmt die traurige Botschaft, und führt sie ans eine geschickte, die Ehre des Mannes höchst berücksichtigende Weise ans.' Er vergißt aber auch später nicht des Verbannten, sammelt ans die Nachricht von dessen Krankheit seine Eollegen, und gemeinschaftlich statten sie ihm einen Krankenbesuch ab. Tiefer machte ihnen über ihr Verfahren, ihn mit seiner Gesetzeskunde vernachlässigt zu haben, Vorwürfe, und prephezeiete ihnen einen unnatürlichen Tod. N. Elieser stirbt. R. Iosna löst den Bann von ihm, aber R. Akiba kann sich vor Schmer; nicht fassen, er schlägt sich wund, sein Blut strömt zur Erde. So folgt er der Leiche nach Lydda, und hält ihm die Leichenrede/ Glücklicher war er in der Beilegung eines wieder zwischen :)i. Gamliel und R. Iosna ausgebrochenen Streites, betreffend eine Remnontsbestiimiumg, in Folge derselben sie sich nicht über die Bestimmung des Tages zum Versöhn nngSfeste einigen konnten.' Daß er in solchen Sendungen Halachoth durch ihn die Gesetzeskraft verlieren: Nevarim 21. 61. Rosch haschana 17. Tosephta Pea 1. J. Das. Moed Katon Absch. 2. Sifra 311 Behar Eap. .'» mit den Worten: nnesna 822 ir v.-r. ' Das. " Sanhedrin 27 Tosephta Erachin Eap. In Nasir.1l wird dieser Gegensatz durch: „Frühere Gelehrte" rrr-ina rs:2‘: V28 ausgedrnckt, anders in Sabbath 11. -"drri r"-i 822 — v-128 czpr. ^Man hat darüber den Ausdruck:?"~n 82'78 87121 8PE3*>m "eo N“ec. 'Berachoth 2S. 'S. d. A. Baba mezia. 'Sanh. r,S. 'Rosch haschana 25».