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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-17 · Heft 25 (17.6.1873) · p. Seite 409

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 25 (17.6.1873)
Date
1873-06-17
Page
Seite 409 (sequence 9)
Language
German
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409 bewegenden Persönlichkeiten gerade finden. Das religiöse Gefühl ist bei den heutigen spanischen Juden sehr entwickelt, und selbst — was anderswo seltener gefunden wird — die reichsten Elasten halten sehr viel auf die äußerlichen Fermen unserer Religion, besonders auf die Eeremoniccn, welche aus Todesfälle Bezug haben. Dagegen ist bei ihnen hier zu Lande von jüdischem Wissen und irgend einem Eifer für jüdische Gelehrsamkeit fast keine Spur mehr übrig. Ich kenne das Wesen der spanischen Juden im Oriente, und habe jetzt auch Gelegenheit, dieselben in Frankreich zu beobachten. Es tritt bei ihnen, kort wie hier, die Tendenz scharf hervor, außerordentlich viel auf das Deeorum den Richtjuden gegenüber, mit denen sie im Verkehre sind, zu halten. Sie geben sich alle mögliche Mühe, mit ihnen auf gleichem Fuße zu leben, indem sie ihre Sitten, ihre Sprache, ihre Kleidung, ihre Gewohnheiten, ihre Tenkungsweise sich aneignen. So ist auch hier zu Laude der Verkehr zwischen Juden und Christen ein wahrhaft herzlicher und inniger; sie gehen in politischen, wie in bürgerlichen Dingen, Hand in Hand. Ter Gottesdienst in den Tempeln der spanischen Juden, z. B. in dem prächtigen zu Bordeaux, hat einen ntächtigen Eindruck auf mich gemacht. Ich gestehe offen, der sulzcrsche Gesang, der jetzt in Frankreich, wie in Deutschland, vorherrschend ist, klingt mir viel zu modern, zu theatralisch; der Tempelgesang bei den Spaniern res Orientes ist zu näselnd; am Besten gefallen mir die Weisen der französischen Sephardim, sic sind tief ergreifend, und doch einfach, feierlich, und doch wieder munter, asiatische, Klage und europäische Erweckung scheinen darin verwebe» zu sein. — Das Wichtigste wäre, um dem Mangel an jüdischem Wissen mir an Liebe für dasselbe einigermaßen abzuhelsen, loenn das jüdische Schulwesen zur Blüthe gebracht werden könnte. Einige der Großrabbincr geben sich viele Muhe darum; bis jetzt aber hat cs noch wenige Früchte gebracht. — Und nun noch ein Wort über ras fortdauernde Geplänkel zwischen der französischen und der deutschen jüdischen Presse. Gewiß müssen die den verschiedenen Nationen angehörenden Juden voll des Patriotismus für ihr Vaterland sein, und für dasselbe alle ihre Kräfte einsetzen. Ist der Kamps aber vorüber, so müssen die Glaubensgenossen sich die Hand reichen, und der Bitterkeit des Kampfes vergessen. Sie sind ganz besonders hierzu berufen, um ein kräftiges Beispiel zu geben, und jene Zeit vorbereiten zu helfen, in welcher die Bölkerkriege anfhören werden.*) *) Wir sink uns bewußt, die Gedanken, welche unser geschätzter Eorresponreut ausspricht, stets vor Augen gehabt zu haben, und nur daun zu einer mäßigen Zurückweisung geschritten zu sein, wenn ein französisches Journal gegen Deutschland und deutsche Juden gehässige Bemerkungen gemacht hatte. Mein jenseits der Vogesen nimmt man auch die uusckmldigste Notiz für eine feindliche Auslassung. Ja noch mehr, gilt es eine persönliche Beziehung, so deckt inan sich, indem man verschiebt, es wäre deutscher Franzosenhaß, der so gesprochen hat. Im Gegen- Rnmänini. Bukarest, 23. Mai. Bekanntlich soll das Spirituosengefetz nach dessen Art. 8 erst mit dem 23. April IS7-I in praktische Erfüllung treten. Die Herren Gesetzgeber hatten hierbei nicht etwa im S inne, denen, die es angeht, Zeit zu gewähren, die Wiederaushebnug dieses von Europa gebraudmarklen Gesetzes auf irgend eine Weife zu erwirken, auch nicht etwa den durch dasselbe Beschädigten eine Jndulgenz cinzuräumen, sich mit ihren Angelegenheiten eiuzurichle'u. Am Liebsten hätten sie die zahlreichen Familien, die sie dadurch ihres Brodes berauben, sofort auf den Sand gesetzt. Vielmehr war ihr Motiv, daß durch die augenblickliche Einführung eine außerordentliche Unordnung, die Unmöglichkeit, Spirituosen im Kleinhandel an vielen Orten zu erhalten, und hierdurch eine Volksaufregnng bcivtift worden wäre, welche das ganze Gesetz hätte znm Falle bringen können. Es war also nur die Vorsicht der Feindseligkeit, die daS ganze Gesetz hervorgerufen, und jenen Aufschub verursacht hat. Daß aber dieser Aufschub bis jetzt zu irgend welchem nachdrücklichen Vorgehen benutzt worden sei, haben wir bis jetzt nicht erfahren. Aber die Zeit stiegt schnell dahin, und zu diplomatischen Verhandlungen gehört bekanntlich viel Zeit. — Wie weit Vvrurtheil und Unverstand hier zu Lande gehen, kann man aus Folgendem erkennen. Tic Mittticipalbehörden Hierselbst hatten den Kaufleuten besohlen, am Sonntage den ganzen Tag ihre Gewölbe und Läden geschlossen zu halten. Viele achtbare Kausleute wurden wegen Verletzung dieses Gebotes bestraft. Jetzt besannen sich doch die Väter der Stadt, und gestatteten, nach der Kirche einen Thürstügel des Geschäftes zu öffnen. DaS Mimsterinin aber genehmigte ans Intervention des Metropoliten diesen Beschluß nicht, sondern dehnte das Verbot außer den bisherigen Feiertagen noch auf zehn andere Feiertage aus. Als einen Grund hierfür gab man auch au, daß hierdurch den Inden eine heilsame Eoncnrreuz gemacht werde, da diese außer ihren eigenen Sabbathen und Feiertagen nun auch noch die Sonntage und die zahlreichen griechischen Feiertage kein Geschäft betreiben konnten. So versteht man hier Gewissensfreiheit und Volkswirthschast! Türkei. Konstantmopel, im Mai. Nach einem jüdischen Blatte hat der Baron von Hirsch aus Frankfurt am Main vom Sultane das formelle Versprechen-erlangt, daß in Zukunft türkische Inten Aemter bei den Eisenbahnen und Telegraphen erhalten kennten. Ein junger Israelit meldete sich bereits, und wurde nur aus dem Grimde zurückgewiesen, weil er die erforderlichen Keunknisse nicht besaß. theile, wir Deutsche schweigen oft den bitteren Auslassungen der. Franzosen gegenüber, um weitere Empsindlichkeit nicht auskommen zu lassen. _ Redaction. f« 25

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