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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-17 · Heft 25 (17.6.1873) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 25 (17.6.1873)
Date
1873-06-17
Page
Seite 408 (sequence 8)
Language
German
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40S Anspruch nahm, zu durchdenken, zu durchsprcchen. Die Abende j bei Brecher wirkten belehrend und anregend auf Jeden, der ein j besseres streben hatte, der einen regeren Amheil nahm an dem, was cs Gutes, Schönes nnd Wahres gab. „Zu der Zeit, als ras politische Verständnis; noch ausschließlicbes Privilegium einiger Wenigen war, wurden bei Brecher Tagesfragen diseutirt, und immer schwur er zur Fahne des uneingeschränkten Liberalismus, der er auch dann treu blieb, als es dem Bolle vergönnt wurde, seine Vertreter in die großen Berathungslörper frei zu wählen. „Für jede Institution der hiesigen Gemeinde legte er das regste Interesse an den Tag, und war stets bereit, druck» feine eiterige Mitwirkung die Institute zu einer früher nie gekannten Vliithe zu bringen. So wirkte er viele, viele Jahre als Vorsteher der hiesigen Knabenschule und vieler anderer Anstalten. „Di-. Brecher ist nun todt, sein liebevolles Auge gebrochen, sein warmes Herz schlägt nicht mehr, seine allezeit offene Hand ist gelähmt, aber sein Geist wirkt fort, sein Andenken lebt fort in den Herzen seiner Mitbürger und seine Asche ruhe sanft!" Das Leichenbegängnis; des am 12. Mai Verschiedenen fand, wie dasselbe Blatt berichtet, „am 11. d. M. um fünf Uhr Nachmittag unter zahlreicher Betheilignng der Bevölkerung, in einfacher und prunkloser, dabei aber um so feierlicherer Weise statt, denn alle Jene, welche den Sarg des Verblichenen umgaben und demselben folgten, wußten, daß sie einen ihrer besten Bürger zur letzten Ruhestätte geleiten, es war keine Schicht der Bevölkerung nnverlreten, Alt und Jung, Arm und Reich, Vornehm und Gering, Alles war herbeigeeilt, um dem Wohlthäter der Arnunh die letzte Ehre zu erweisen. Der Lcichenzug bewegte sich von rer Wohnung des Verblichenen zum israelitischen Tempel, woselbst Rabbiner Brüll aus Kojewin in kurzer, aber markiger Rede dem Tahingeschiedenen einen ehrenden Nachruf widmete, und von dort über den Startplatz auf den israelitischen Friedhof, woselbst Rabbiner Dr. Hoff die Grabrede hielt. Letzterer hatte sich die Ausgabe gestellt, die Verdienste Dr. Brechers nach jeder Richtung zu beleuchten und zu würdigen, und cs blieb bei den warmen eindringlichen Worten desselben wohl kein Auge trocken. „Am ergreifendsten aber war der Augenblick, wo des Verstorbenen würdiger Sohn, Dr. Adolf Brecher, an den Sarg trat, welcher in die kühle Erde gesenkt werden sollte, und mit tiefer Rührung ungefähr Folgendes sprach: „Ein ehrwürdiger ^Rabbiner hätte ihm auf dem Wege gesagt, cs sei Gepflogenheit, ja Wicht des Sohnes, am Grabe des Vaters zu sprechen; wenn der Schmerz ihm auch die Brust zuschnüre, so wolle er doch diese Pflicht erfüllen, nnd dem verblichenen Vater einige Worte Nachrufen. Es mögen dieselben Worte sein, die einst dem sterbenden Propheten Elia dessen Jünger Elisa nachrief: „Mein Vater, mein Vater, Israels Streitwagen und Reiterei", denn auch der Verstorbene war ein solcher Slreittvagen, der das Indenthum glänzend einherführte, und der da bewies, wie auch im Indenthuuie erele Sittlichkeit und Seelengröße in schönster Vollendung blühen. Ihr habt ihn," sprach der Sohn zu den Versammelten, „Alle nicht gekannt, nur wir, seine Kinder, kannten ihn, er lhat das Gute nicht aus Reflexion, ans Ueberlegung, er that es, weil er cs thun mußte, weil sein ganzes Wesen und Sein gut war, er lhat das Gute wie die Sonne, die da leuchtet, wie die Blume, die da duftet, und mm, da rer Stamm in die Erde gesenkt werde, verspreche er, daß er rem erelen Beispiele des Vaters nacheifern werde: ihn zu erreichen vermöge er nie." Kein Auge blieb rhränenleer, als der brave Sehn dem großen Torten dieses „Fahrewohl" zurief! Und nun wurde rer Sarg in die Erde versenkt, noch ein letztes Lied ihm nach ins Grub gesungen, und die Feier war zu Ende. ,,An der Trauerfeierlichkeil halten sich, neben einer zahlreichen ' Menschenmenge, die Repräsentanten beider Gemeinden, mit den Bürgermeistern an rer Spitze, der hochwürdige Stadtpfarrer, der P. Prior der barmherzigen Brüder mit seinem ärztlichen Personale, dar Sladtphysikus Dr. Marei von Slmütz, und fämmtliche hiesigen Aerzle und Wundärzte, der Musik- und Gesangverein, der „Sängerbund", der Turnverein, die Feuerwehrabtheilnng, sämmtliche israelitische Vereine und eine große Zahl von Fremden aus Wien, Stmütz und der Umgegend betheiligt, und so den Beweis geliefert, daß Alles, was in unserer Stadt lebt und webt, die hohen Verdienste res Verstorbenen für die leidende Menschheit überhaupt, und für unsere Stadt insbesondere, anerkennt und zu schätzen versteht. Nicht unerwähnt dürfen wir die Liebeszeichen lassen, welche den Sarg res Verblichenen zierten, cs waren Kränze vom Ehebrah-K'adtischah-Vereine, der Brecherstifturig, dem Fraucnvcreine, rer Spitalverwaltnng, dein „Sängerbünde", und dem slavifcheu Gesangvereine „Orlice". Wir bemerken schließlich noch, daß während des Leichenbegängnisses fämnrtliche israelitische Kaufläden geschlossen waren. — Run ruhet der Mann, dessen hohe Verdienste und Tugenden nur durch seine Bescheidenheit überboten wurden, in kühler Erde, urrr wenn wir ihm einen Denkstein setzen sollten, er müßte die Aufschrift haben: Er hat gelebt nnd gewirkt für die Mit- und Nachwelt, er hat sich unsterblich gemacht!" Frankreich. Allö Südfrünkreich, im Juni. (Privatmitlh.) Sie wünschten von mir einige Mittheilnngcn über unsere südsranzvsischcn Glaubensgenossen, die ja, wie Sic wissen, sämmltich zu den sogenannten spanischen Juden gehören. Was ich zu geben vermag, ist nur wenig, und muß sich aus ein allgemeines, jedoch begründetes Ilrtheil beschränken. Denn die einzelnen örtlichen Angelegenheiten können ja das große Pnbkienm nicht inleressiren, und gleichen einander überall, bald hier mit etwas größerem, bald dort mit etwas gcringcrein Eifer betrieben, wie sich die

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