Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1873)
- Date
- 1873-06-17
- Page
- Seite 407 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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407 in Erlangen nach abgelegten strengen Prüfungen und Abhaltung einer Inauguraldissertation mit dem medicinischcn Doctorhute geschmückt wurde. So einfach und gewöhnlich, man könnte sagen, nüchtern sich nun der weitere Lauf des Lebens unseres Breche r abwickelte, so gestaltete sich dasselbe roch durch seine weitere wissenschaftliche Thätigkeit, durch sein humanes,' gemeinnütziges Werken, und durch seinen hohen sittlichen und ethisch vollkommenen Charakter, als ein so hervorragendes, ras; es die höchste Bedeutung gewann, nicht blcS für die kranke und leidende Bevölkerung unserer Stadt, sondern auch für die Hebung der Enltur und der sittlichen Bervollkommnung der hiesigen jüdischen Bevölkerung, -und das; sich auch der segensreiche Einfluß seiner hohen Gelehrsamkeit weit über die Marken Oeslreichs hinaus streckte, daß der Name Brecher in Deutschland, Frankreich, England und in America rühmlichst genannt und gefeiert wurde. „Es ist hier nicht der Ort, einen Abriß seines wissenschaftlichen Wirkens zu geben, cs wird dies wohl in Fachblättern näher gewürdigt werden können; doch sei es gestattet, von seinen größeren Werken zu erwähnen: „t. Sein berühmtestes: „Den Eommentar zum Buche Kusari." LS3S— 1S1<». 1 Bände bei M. I. Landau in Prsg. „2. Seilte Menographie fiter die Ciiemiieisien (mit Borwort von Rabbiner Fasset, und Geschichte der Eircumcision bei den semitischen Bölkerschasten von Moritz Steinschneider» Wien 1815. „3. Seine F n a ug ura ld issertation: „Das Transcendentale, Magie und magische Heilarten im Talmud". Wien 1850. „4. „Die Unsterblichkeitslehre des israelitischen Volkes". Ebenda 1857. „Seine Beiträge in verschiedenen wissenschaftlichen periodischen Zeitschriften und Sammelwerken, sowie seine theils von der Landesregierung, theils von den Ministerien in cultuetten Fragen a('verlangten Gutachten, von denen manche, wie z. B. das über Rabbiner- und Lehrersemiuarien, die Bedeutung einer eingehenden kritischen Studie haben, sind zu zahlreich, als daß wir auch nur die vorzüglicheren hier namentlich erwähnen könnten. „Um die Bedeutung Brechers als Arzt näher würdigen zu können, wellen wir hervorhcben, daß der Verewigte, trotzdem er in der sogenannten alten Schule herangebiltct worden ist, doch unablässig und uneriuütlich mit den literarischen Erscheinungen auf dem Gebiete der neueren Medici» und der Natnrwisseuschasten überhaupt sich bekannt zu machen bestrebt war, und sich die Ergebnisse und eie Erningenschasten derselben, soweit dies autodidaklisch möglich war, stets aneignele. Daher kam cs, daß er, als der Degmalismüs der früheren Medici» unter den wuchtigen Schlägen der Helten der wiener Schule znsanunenstürzte, und ein für den Praktiker verderblicher Skeplicismus, ja Nihilismus erstand, sich ter Heruöepalhie zuwantle, die er Fahre lang par exodlcnce übte, bis die große Reformation in der Medicin sich vollzogen hatte, wo er, een rationellen Anschauungen auch in der Praxis Rechnung tragend, fast in allen wichtigeren Fällen sich wieder der allopathischen Heilweise znwandte. Gegenüber seinen Berufsgenessen war er allezeit rer freundschaftlichste, artigste und liebenswürdigste College, er hörte eines Jeden Meinung ruhig an, erwog das Für und 'Wider der von der seinigcn disferirenden Ansicht, und ließ sich in dem einen Falle eben so leicht überzeugen, als er im anderen Falle fest aus seiner Meinung beharrte. Bei einem so fleckenfreien Charakter, wie er den Verewigten auszeichnete, wäre es frivol, wellten wir noch hinzufugen, daß er niemals die Verdienste feiner Collegen zu schmälern, oder die seiuigen.zu elucircn suchte. „Was er aber als Arzt und Mensch seinen Kranken war, das steht in tausend Herzen tief eingegraben; mtfeve Feder muß bescheiden verftummeu, sie vermag nicht zu schildern, wie er Tag und Nacht, jedem Rufe felgend, an'das Krankenlager des Neichen und des Armen gleich unverdrossen eilte, wie er als Arzt Linderung und Trost spendete, und wie er mir scharfem Auge und weichem Herzen, jederzeit für jene Armen einen Nothpfennig zusammeugespart hatte, wie oft er Eolleclen veranstaltete, um armen Kranken Bandagen zu kaufen, »ui ihnen und ihren verlassenen Angehörigen Arzneien, Speise und Trank 311 versorgen, um ihnen den Besuch eines Eurörtes zu ermöglichen, um jede Thränc seiner Bedürftigen zu trocknen. Fm Wohlthun kannte er keine Gränzen,' da galt ihm Feder gleich, weß Standes, welcher Eensessiou er war, wie sleckenvoll feine Vergangenheit, wie tadelhast sein gegenwärtiges Leben war, in Feten, sah er den Milbruder, und lieble ihn, und handelte für ihn wie für seinen Bruder. „Zu der Zeit, als Brecher in Proßnitz seine Praxis antrat, gab cs unter den hiesigen Fnden kaum einen Füngling, der sich einen, besseren Studium zngewandt hätte; hierin trat Brecher entscheidend und als wahrer Reformator ans. Seine hohe Gelehrsamkeit, sein streng sittlicher Lebenswandel, und die hohe Achtung, deren er sich erfreute, waren der mächtig anregende Sporn für die Väter, gleich ihn, ihre Söhne bilden zu lassen, waren das leuchtende Verbild für die F,"inglinge, gleich ihm eine Stufe der höheren wissenschaftlichen Bildung zu erklimmen, und hierin liegt der unberechenbare Eiusluß, den Brecher theils durch seine gewinnende Persönlichkeit, theils durch sein beredtes Wort, wie durch seine stets bereite lhatkräslige Hülse aus die Eulturentwickelung der Proßnitzer übte; wie durch einen Zauber änderte sich das ganze Enlturbild der proßnitzer Fudeuheit, man sah in den Ferien öfter mehr als fünfzig junge Leute aus Wien, Prag, Berlin :c. nach Hause komiuen, für einen jeden von ihnen, für dessen Studium, für dessen Fortschritte, für dessen Subsi stenzmittel, halle Brecher thäliges Fnteresse, er war die Sonne, um die sich die jungen Leute schaarten; bald gesellte sich eine Anzahl älterer Männer um Brecher, u,u in seinem Kreise und 'auf seine Anregung Alles, was ein höheres Enlturintercsse in