Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1873)
- Date
- 1873-06-17
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
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405 das Gefühl des Ich allen übrigen, Wesen gegenüber, res gesonderten und aus sich selbst bestehenden Ich. Tie 'Jiatur selbst hat ihm also nicht blos die Individualität, sondern auch das Bewußtsein des Individuums gegeben. Ter Individualismus des Menschen ist also durch die Natur selbst vollberechtigt, und alle communistischen Redensarten fallen hiervor in den Staub. Mvgen nnn auch die rohen, von der Natur erzeugten Producle den Charakter des Gemeingutes besitzen — die Arbeit des Menschen verändert diesen vollständig; die Arbeit des Individuums giebt demselben das Recht aus Tiefe, also das Eigenthnmsrecht. Epiphanes wählt seine Beispiele unglücklich. Ten wildwachsenden Weizen und die Trauben des wilden Weines verzehren wir nicht, wir überlassen ste dem Biehe und den Regeln. Ter Mensch in bestimmten Individuen macht den Acker urbar, pflügt, säet, schneidet und drischt, bauet die Mühle und den Backofen, mahlt, knetet und bäckt; dann erst verzehrt er een Weizen. Welche Mühe macht die Eultnr der Rebe, bevor wir den perlenden Wein in den Becher gießen. Alles erwirbt der Mensch durch die Arbeit, und selbst Tas, was er in dessen natürlichem Zustande verbraucht, muß er suchen und herbeischassen, -aus dem Schoße der Erde graben :c. Was ihm von selbst zusließl, Licht, Luft, Wasser — auch Ties nur zum Theile — ist Gemeingut geblieben. Es ist nun die Sache der Menschen, die Erzeugnisse der Arbeit unter einander auszutauschen; aber nur Ter hat ein Recht auf die Arbeit eines Anderen, der Tiefem dafür ein anderes Erzeugnis; der Arbeit giebt. Aus dieser Gruridlage erhebt sich die Anschauung des Iudenthumes; nachdem rer Mensch das Paradis verlassen hat, soll er „im Schweiße feines Angesichtes sein Brod verzehren"; d. h. er soll arbeiten, und nur, was er erarbeitet, besitzen, und genießen. Es ist also mit ihm ganz anders, als milden Pflanzen und Thieren. Schon in der nächsten Generalien scheidet sich die Arbeit, der Eine bebauet das Land, der Andere weide: ras Bich. Sie sind auf den Austausch angewiesen, und die Sünde besteht darin, daß der Eine mit Gewalt sich aneignet, was das Aroeitsproduet des Anderen ist. Noah wird gerettet durch seine Arbeit, er bauet sich das, Schiss, das ihn über die Fluchen führt. Er pflanzt und pflegt auch den Weinstock. Bon da ab erscheint die ganze gesellschaftliche Welt in der Bibel aus diesem Begrisse des Eigenthmnes und des Austausches bestehend. DaS Gesetz tritt dafür ein. Sünde ist: Betrug, Tiebstaht, Raub. Gerechtigkeit ist: Jedem das Seine geben und lassen. Allerdings will daö Gesetz die naturgemäßen Auswüchse dieses BerhältnisseS verhindern und schwächen. Es läßt Grunr und Beden nach gleichen Losen an die Familien vertheilen und erhält diese Erbgüter durch daö Recht der Lösung und des Ivbeljahres; es verhindert das Schuldenwescn, den Zins und den Wucher; es verpflichtet, daS Nölhige dem Bedürftigen zu geben, und stellt den Anthcil desselben an den Erzeugnissen des Bodens als ein Riecht fest :c. Diese Ausgleichung der Extreme gehört zu den Zielen der gesellschaftlichen Entwickelung; sie ist priucipiell im Mosaismus ausgesprochen. lieber das Wesen der Ehe, welche das Iudenthum mit dem Kenschheitsgesetze, dem Gesetze über die, die Ehe verhindernden, Berwaudlschastsgrade, die Strafe aus den Ehebruch, die Möglichkeit der Ehescheidung :e. geschützt hat, brauchen wir hier nicht uns auszulafseu, und ebensowenig die brutalen Einwände des Epiphanes zu widerlegen. Ter Mensch ist eben nicht Thier; auch ist selbst Tas falsch, was er über die Begierde der Thiere sagt, die von der Natur auf bestimmte Zeit eingeschränkt ist. Die Ansichten res Karpvkrates und des Epiphanes blieben aber durchaus nicht blos literarisch. Sie bildeten eine Seele, die noch zur Zeir des Clemens (ft. 2 Ui) verbreitet war, und in ihre:» Lebenswandel die Grundsätze ihrer Lehrer bethatigte. Epiphanes starb juitg, aber seine Anhänger errichteten ihm zu Saure auf der Insel.<iephallene, dein Gebrirtsorte seiner Mutter, Tempel, Altäre, Capellen und Museen, und erwiesen ihm göttliche Ehre, nach der Sitte jener Zeit, Menschen zu vergöttern, welche man verehrte. *) Ter Eommunismus ist also ein Auswuchs der gesellschaftlichen Entwickelung, der unter gewissen Bedingungen immer wieder entsteht, eine Denkrichtung, die sich unter bestimmten Berhälmisscn wieder erzeugt, dennoch aber nur ein bald wieder verschwindender Gegtter der gesellschasilichen Trdnnng ist, welche ihren Ausdruck in der 'Weltanschauung des Iudenthumes gefunden hat. *) S. Jahrgang IS71 S. 733 ss. Sre 11 i 111 asi uxe ßt i cßl eu. Deutschland. 'Berlin, 1. Juni. (&. Z.» Ein freudiges Aussehen chat die Ernennung des Professors I>r. Lazarus zum ordentlichen Professor in der philosophischen Faeultät der hiesigen Universität gemacht, nicht nur. weil diese Ertlennung einen Juden belrissl, sondern weil sie auch einen wirklich verdienten Philosophen um so mehr zu Ehren bringt, als gegenwärtig keine eigentliche Stelle in der Faeultät erledigt ist. Als der General der Infanterie von Etzel der Kriegsakademie vorgesetzt war, berief er Lazarus zum Professor der Philosophie, während rer General von Tllach diese Tweiplin, und damit den Lehrer, von der Akademie entfernt hatte. Berlin, 1. Juni. Heute wurden dem Schah im königlichen Sckckosse durch seinen Minister des Allswärtigen, Malkom Ähan, die Borstanrsmitglicder des hiesigen Localcomitü's der