Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1873)
- Date
- 1873-06-17
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
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404 war KarpokrateS dennoch; wie wäre er sonst zu seinen Engeln, zu dem Abfalle von der Einheit, zu rer Möglichkeit der Individualitäten aus der einmal seienden absoluten Einheit :c. gelangt? Ob und wie weit nun KarpokrateS dieses sein System auch ethisch verwandte, wissen wir nicht, liegt uns jedoch in einigen Bruchstücken aus einer Schrift seines Sohnes Epiphaues „über die Gerechtigkeit" vor, welche uns Clemens Alexandrinns erhallen hat.*) Epiphanes sagte: „Tie Gerechtigkeit Gottes besteht in einer Gemeinsamkeit nach völliger Gleichheit. Gleich ist der Himmel ausgespannt, von allen Seiten her umfaßt er im.streife die ganze Erde. Und alle Gestirne zeigt die Nacht zu gleichem Antheile. Ten Urheber des Tages und Vater des sichres ld. i. die Sonne) hat Gott ansstrahlen lassen von der Höhe gleichmäßig über die Erde für Alle, die Sehkraft haben — und sie tuuiuai (teil ^ichtguell) Alle gemeinsam: denn er unterscheidet nicht den Gleichen und den Armen, den Fürsten und das Volk, die Thoren und die Weisen, die Weiber und die Mämrer, die Freien und die Sklaven. Ja nicht einmal bei den unvernünftigen Wesen handelt er gegen dieses Gesetz: allen Thieren gießt er aus ras s'icht der Sonne zu gleicher Ausnahme. Ten Guten, wie den Schlechten, bewährt er seine Gerechtigkeit, indem Keiner mehr haben, und auch Keiner den Nächsten rer Art berauben kann, daß er dadurch ein doppeltes dicht hatte. Tie Sonne läßt allen lebenden'Wesen gemeinsam die .Nahrung anfsprießen, indem die gemeinsame Gerechtigkeit Allen nach gleichem Maße den Anspruch daraus verleihet. Und hierin verhält sich das Geschlecht der Ochsen genau so, wie die einzelnen Ochsen, das Geschlecht der Schweine, wie die einzelnen Schweine, und das Geschlecht der Schafe, wie die einzelnen Schafe. Denn als die Gerechtigkeit erscheint in ihnen die Gleichheit. Ferner wird Alles nach communistischem Gesetze ans gleiche Weise seiner Gattung gemäß durch Samen fortgepslanzt, und commnnistisch sproßt allem weidenden Viehe die Nahrung aus der Erde, Jedem zu gleichem Rechte an Allem, durch kein Gesetz beschränkt, sondern entsprechend dem Gebote des Gebers, der befiehlt, daß sie Allen in gleichem Maße nach dein Principe der Gerechtigkeit dargebotcn sei. Auch die Zeugung hat kein geschriebenes Gesetz; es wäre auch (factisch) alsbald wieder aufgehoben. Tenn Alles spendet den Samen, und zeugt mit gleichem Rechte, da Alles von der Gerechtigkeit die Gemeinsamkeit eingeschassen erhalten hat. Allen hat auch der Schöpfer und Vater Aller nach communistischem Gesetze in gleicher Weise das Auge zum Sehen gegeben, nach seinem ureigenen Gesetze der Gerechtigkeit nicht unterscheidend Weib und Mann, Vernünftiges und Unvernünftiges, kurz Keines von Keinem, Nach Gleichheit und Eommunismus zurheilend, hat er durch einen Befehl Allen das Sehen verliehen. „Tie (menschlichen) Gesetze aber, welche die Unwissenheit *) Strom. III, cd. Pot (er P. 511. der Menschen nicht in Schranken halten konnten, haben sie nur gelehrt, gegen das Gesetz zu handeln. „Tenn die Eigenthümlichkeit der 'menschlichen) Gesetze hat die communislische Idee des göttlichen Gesetzes zerspalten und zernagt . . . das „Mein" und „Tein" hat sich durch die Gesetze (der Menschen) eingeschlichen. Seitdem genießt man nicht mehr communistisch — obgleich Alles commnnistisch sein soll — weder die Erde, noch die Besitzthüruer, noch die Ehe. Gott hat die Weinstöcke Allen zu gemeinsamem Genüsse geschaffen: weder den Sperling, noch den Tieb, wehren sie ab; ebenso den Weizen und die anderen Früchte, Nachdem aber das Princip des Eommuiusmus und der Gleichheit (durch die menschlichen Gesetze) verletzt werden ist, spricht man von Dieben des Viehes und der Früchte. Ta ferner Gott nach communistischer Idee dem Menschen Alles gemacht, und gemäß derselben auch dem Männlichen das Weibliche zugeführt, und alle lebenden Wesen nach gleichem Rechtsansprüche mit einander verbunden. hat, so hat er seine Gerechtigkeit als den vollendeten Eommunismus sichtbar gemacht. Sic aber, die auf diese "Weise geboren worden sind, haben den zur Einheit führenden Ecmmnnismus, der doch das Princip ihrer Geburt ist, verläugnet. Daher heißt es nun: wer eine gute Frau genommen hat, der soll sie (zu eigen» behalten, da doch Alle sie als ein gemeinsames Weib besitzen könnten, wie cs auch die übrigen Thiere thatsächlich halten." Insbesondere bestreitet Epiphanes weiterhin das letzte der zehn Gebote als lächerlich. „Denn", sagt er, „Derselbe, der die Begierde gegeben hat, welche die Erzeugung enthält, soll dieselbe ausznrotten befehlen, während er sie doch keinem Thiere genommen hat?" Man sieht, daß hier bereits, aus Grundlage des metaphysischen Syslemes des KarpokrateS, nicht blos die Idee des Communismus ansgebauet, sondern bereits mit allen Schlagwörtern versehen ist. Ter Hauptgedanke ist, daß die Natur alle Jndividuatilär verworfen, alle Individuen mit gleichen Ansprüchen und mit gleichem Antheile an deren Besriedigung ausgerüstet habe, und daß es mit dem Menschen sich gleich verhalte. Wir brauchen kaum zu bemerken, daß Ties grundfalsch ist. Wir könnten schon von vornherein hervorheben, daß die Natur nicht blos gleiches Anrecht an dem Berzehren, sondern auch an dem Berzehrtwerden verliehen hat, daß nicht blos die Pflanzen von den Thieren, sondern auch riese von den fleischfressenden Thieren verzehrt werden, und Tiefes, in welchem nur die Machtsphäre gilt, auch aus die Menschen unter einander angewendet werden könnte. Allein cs ist schon falsch, daß die Individuen völlig gleich seien; es sinrel Ties weder unter den Pflanzen, noch unter den Thieren statt. Je mannichsaltiger in einer Wesengattnng die Eigenschaften sind, desto größer sind die Berschiedenhciten der Individuen, Ties besonders, sobald geistige Fähigkeiten an einem Wesen hervortreten. Ter Mensch aber wird vorzugsweise durch Zweierlei zum Individuum: durch das Selbstbewusstsein, und durch die Arbeit. Das Selbstbewußtsein giebt dem Menschen