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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-17 · Heft 25 (17.6.1873) · p. Seite 403

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 25 (17.6.1873)
Date
1873-06-17
Page
Seite 403 (sequence 3)
Language
German
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403 Ucppigkeit sich über die ganze Gesellschaft ausgebreitet, und z. B. die zahllosen Sklaven an dein ausschweifenden Leben ihrer Herren den unmittelbarsten Aniheil zu nehmen Hanen, Sklaven, in denen die Sehnsucht nach Freiheit immer wieder erwachen mußte, wie die Geschichte genugsam lehrt. Diese liefert uns denn auch Beweise, daß der Eommnnislnns oft genug schon im Alicrthmne erstanden, und selbst zu einem förmlichen Systeme entwickelt worden ist. Schon -der Buddhismus ist gewissermaßen ein passiver Kommunismus. Er befiehlt, jedes Eigenthum aufzugeben, jedem Erwerbe zu entsagen, mit dem Almosentepfe in der Hand umher zu wandern, keine Ehe zu schließen. Freilich, da er mitten in einem Bolke entstand, welches nicht blos dem Eigeulhume, sondern sogar dem Eastenwesen huldigte, machte er einen Unterschied zwischen seinen eigentlichen Anhängern und den Upüsakas und Upüsiküs, d. h. den Dabeistchenken und den sich Nähernden, indem er diese, den großen Hansen, ihrer bisherigen Lebensweise überließ. Aber in seinem eigentlichen Börsen war er eommunistisch, indem er Alles Allen zntheilte. *) Wir erinnern ferner an die eommnnistische Ziepnblik Plato's, an die Einrichtungen der pythagaräischen Schule, an die spartanische Bersassung. Lemerkenswenh ist es nun, daß, wo der Eommunisums in seiner schärferen Entwickelung auftrat, nachdem die Bibel unter den Böllern bekannt geworden war, er sich mit Heftigkeit gegen diese und ihre Lehre wandte, in ihr seinen (Gegensatz anerkennend. Auch im Indenlhmne hatte der Eommuuismus einen Bersuch mit einer kleinen Seele gemacht, den Essäern, welche Gemeingut aller ihrer Mitglieder und das Berbot der Ehe zu ihrer Grundlage hatte. Allein diese Seele entstand inmitten der großen Spaltung zwischen den Saddncäern und Pharisäern, nahm nur eine geringe Ausdehnung an, und verschwand bald wieder spurlos, da sie eben in ihren Grundgedanken dem Indenthume völlig widersprach. Gleiches geschah im Ehristenthnme, wo sich anfänglich eemmunislische Tendenzen geltend machten, aber bald ansgegeben wurden, wie es immer geschehen muß, wenn eine kleine evmmunistisch gefärbte Gesellschaft sich über ganze Bölker ansdehnen will. Aber nachdem längst die Essäer verschwunden waren, und bevor das Ehristerithmn eine bedeutendere Ausbreitung erlangt hatte, zu der Zeit, wo das Heirenthum noch überall vorherrschend, und seine Philosophie in der wissenschaftlichen Bildung allein gültig war, das heidnische -KVligionswesen aber bereits allen Inhalt verloren hatte, in der Mitte des zweiten IahrhnnderteS der christlichen Zeitrechnung, sehen wir eonunnnistische Systeme entstehen, die zugleich nach drücklich ihre Spitze gegen die Bibel, gegen das Iudemhmn wandten. Durch die Uebersetzuug der Bibel ins (Griechische, durch die Berbreitung der Inden in zahlreichen (Gruppen innerhalb rer ganzen damals civilisirten Welt, durch die lebhafte Theil- *» S. Ausführliches in unseren „Weltbewegenden Fragen" Band 2. (Leipzig ISO'.».» S. 1 ln ss. nähme von Juden in der darrmligen allgerneinen Literatur,*) sowie durch die allmälige Ausbreitung des Ehristenthnmes, war die Bibel den gebildeteren Elasten bekannt geworden, und die Gelehrten und Denker konnten sick in ihren Forschungen Jener nicht mehr emschlagen. Dies war besonders in Aegypten und Syrien der Fall, und Alexandrien bietet uns Beispiele des literarischen Kampfes gegen das Iurenthnm genug dar.**» Bon hier auch haben wir ein Beispiel eines vollständigen eommmnstischen Systemes, von welchem uns freilich nur geringe Bruchstücke erhalten worden stud. In der Mitte des zweiten Iahrhmidertes der christlichen Zeitrechnung lebte in Alexandrien ein griechischer Philosoph Ztarpokrates. Das Fundament seiner Ansichten war die Lehre vom Monismus, d. h. von der Einheit des absoluten Seins; Ausgang und Ziel alles Seins sei die Monas, das absolute Eins. Da die Welt nur ans zahllosen individuellen Wesen besteht, so ist sie nur ein Abfall von der Einheit, denn Dheilung ist Abfall. Bon der Einheit ist also die Welt mit den in ihr enthaltenen Wesen ansgegangen, und muß zu ihr zurückkehren. Abgefallene Engel haben die Welt gebildet, und beherrschen sie, und stellen sich als ihre Gottheit dar, indem sic durch religiöse Satzungen das Zurückstrebcn zur Monas verhindern. Alle bisher bestandenen und bestehenden Religionen seien daher (Gegner dieser Einheit, und Bertheidiger dieser, nur durch Abfall von ihr gewordenen und bestehenden, Welt. Der Hanptg.'gner aber sei das Indent hum mit seinen dnrchgebilrelen Sitten- und socialen (besetzen, in welchem der Inbegriff der Sünde gegen die Einheit, enthalten sei, und in ihm hätten die wellbeherrschenden Geister ihren eigentlichen Sitz, ihre wesentliche Stütze. Dagegen wäre in Männern, wie Pythagoras, Plato, Aristoteles und Jesus, die Erinnerung an das llrsein in der Einheit wieder erwacht, sie hätten fid» über die bestehenden Religionen erlwben, in die Einheit mit ihrem Geiste znriickversenll, und seien dadurch zu göltlicher Ruhe, Erhabenheit und Arast'gekommen. — Dies ist ungefähr, was wir von den Gedanken des >i'arpokrales noch wissen, und in der Thal brauchte er seinen (Gegensatz gegen die Weltanschannng des Indcntlmmes nicht erst zu betonen. Diese, welche die Weltschvpstmg als einen Act des (Gedankens und Willens (Zolles in seiner Allliebe, mir die Welk als „sehr gut" anerkannte, stand rem heidnischen Pessimisten, ebenso wie dem modernen, gegenüber. Das Gesetz, welches ras Iudivirmnn zur sittlichen Reinheit nur znm Leben in der gottgewollten sittlichen Gesellschaft führen will, mußte dem, alle Individualität und alle staatliche Gesellschaft der Individuen verwerfenden, theils skeptischen, theils mystischer», Philosophen, verwerflich erscheinen. Denn mystisch *) S. Jahrgang ls7»>; S. 7:i ss. **» Bcrgl. Bibliothek der griechischen und römischen Schriftsteller über Inrentlmm und Juden. Band 2. iLeipzig 1MI7.) Ld7 ff. 25*

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