Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1873)
- Date
- 1873-06-10
- Page
- Seite 397 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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397 Kirche in Jerusalem erhielt den Namen ZionSkirche. Im Schreiben vom 26. August 1841 sagt der König über seine Absichten bei Gründung des BiSthumeS: „3) aber, und gewiß hauptsächlich, um mir sagen zu können, ich hätte Nichts versäumt, zur Stiftung einer Kirche beizntragen, die so liegen wird, daß sie wohl einst das Centrum der Judenchristen werden dürfte." Weiterhin sagt er: „In seligem Erstaunen habe ich ja gesehen, wie der Gedanke für Israel aufgcfaßt, und in dem Plane als Grund und Zweck verwebt ist. Ja ich sage Ihnen, manchmal beim Lesen Ihrer Briese war ich versucht, mich in den Staub zu werfen vor Gott, so providentiell und ungeahnt schien mir sich Alles zu fügen. Das giebt große Freudigkeit und Zerknirschung zugleich, und aus beiden entsteht mir unaufhörlich der Ruf: „Stille! Keine Worte!" Auch späterhin treffen wir in dem Briefwechsel die Hoffnung ausgedrückt, daß dereinst das ganze jüdische Volk christlich geworden sein werde, und der König glaubt, daß dies von Palästina ausgehen werde. Er denkt sich dabei die Juden immer noch getrennt und gesondert inmitten des . christlichen Volkes. Daß Friedrich Wilhelm IV. nicht blos religiös, sondern durch und durch pietistisch, und zwar durch seine Romantik nicht innerhalb des eigentlichen Protestantismus allein, sondern auch katholisch, und noch mehr apostolisch gesinnt war — wobei er dennoch dem Katholicismus feindlich gestimmt war und überall verlangte, ihm Opposition zu machen — geht aus allen seinen Briefen hervor. Wer aber sein umfängliches Schreiben vom 24. März 1840, also nicht ganz drei Monate vor seiner Thronbesteigung (S. 46 bis 76), über seine kirchlichen Ideale liest, erschrickt im Geiste noch einmal, daß dieser Mann König von Preußen werden sollte, Lenker eines Staates, der in seiner äußeren wie inneren Politik, namentlich in den bevorstehenden Zeiten außerordentlicher Bewegungen, der besonnensten, nüchternsten und energischesten Leitung bedmfte. Einem so gearteten Geiste konnte auch die Bekehrung der Juden nicht fern liegen, nur daß er zu diesem Zwecke nicht harte oder großartige Mittel, sondern das Fernliegendste, aber romantisch Anmurhenre verwandle. Einigen Anlaß zu feinen Hoffnungen konnten ihm allerdings die Juden Berlins in den zwanziger Jahren geben, unter denen eine religiöse Gleichgültigkeit herrschte, welche die Taufe wie zu einer Modesache machte, so daß damals Hunderte von getauften-Juden in Berlin lebten. Ein nicht geringes Eontingenl hierzu lieferten die polnischen Juden, von denen nicht wenige, sobald sie die Gränze ihres Vaterlandes überschritten und ihre Schubetze ausgezogen hatten, den Uebertritt sehr leicht fanden, wenn er ihnen einen klingenden Lohn einbrachte. Es waren dies meist nicht gerade unwissende Leute, denn aus ihnen gingen fast alle protestantischen Judenmissionarc hervor. Der mit den dreißiger Jahren in neuer Stärke erwachende Geist des Judenthmnes änderte dieses Verhältniß gründlich. Ein siidarnbischer Messias. Die „R. Fr. Pr." enthält in einem Feuilletonartikel aus der Feder des Freiherrn von Maltzan die Schilderung eines „neuen Messias", der in dem, den Europäern unzugänglichen Südarabicn lebt. Feuilletonartikel haben bekanntlich keine große Autorität. Indessen heben wir das Interessantere hervor. Nähere "Nachrichten will der Freiherr von einem gewissen Schlomo haben, einem gelehrten Talmudisten und Kabbalisten. Er ist geboren in der Provinz von Sana in fernen, ist von schöner Gesichtsbildung, mittlerer Statur, und von außerordentlich glänzenden Angen. Frühzeitig wurde er von den Bewohnern seines Dorfes mit dem Titel Ehacham beehrt, und zeichnete sich durch seine schöne Singstimme aus, womit er die Psalmen vortrug. Zufällig traf er mit einem Manne zusammen, der ihn mit dem Sohar bekannt machte und ihm das Exemplar abließ. Der Freiherr erzählt nun weiter, was freilich "Nichts weiter als Volkserzählung ist: „Bon nun an wurde der Ehacham still und in sich gekehrt, floh alle Berührungen mit Menschen, und beschäftigte sich einzig und allein mit dem Studium und der Auslegung deö Buches Sohar. Eine Zeit laug that er tieö in seiner Heimath in stiller Zurückgezogenheit im älterlichen Hause. Aber bald war ihm auch dies nicht mehr einsam genug, und er floh in die Einöde, um sich dort durch Fasten, Beten und durch Versenken in die kabbalistischen Geheimnisse für die große Laufbahn vorzubereiten, zu der er sich nach seiner Deutung deö Buches Sohar berufen fühlte. Ans dieser Zeit stammt der Ursprung seines Rufes als Wundermann, und zwar waren es merkwürdigerweise nicht seine Glaubensgenossen, welche diesen begründeten, sondern die Araber. Ein Beduinenstamm weidete seine Kameele am Fuße des Berges, einer völlig kahlen Felsenmasse, wohin der Ehacham sich zurückgezogen hatte. Abergläubische, aber doch zugleich sehr laxe Muhammedaner, wie fast alle Beduinen, erblickten diese in dem israelitischen Jünglinge bald ein "Wesen höherer Art, dem sie Zaubergewalt zuschrieben. Um diese geheimnißvolle Macht günstig für sich zu stiinmen, beschlossen sie, ihr Opfer in Gestalt von LebenSmitteln zu bringen. Sie trugen also Krüge voll Kameelmilch aus die Felsenplatte, setzten sie an solchen Stellen aus, wo der Wundermann vorbeizukonmten pflegte (denn direct gestattete dieser Keinem, mit ihm zu verkehren:, und waren überglücklich, wenn sie nach einiger Zeit die Krüge geleert wiedersanden: ein Zeichen, daß ihr Opfer angenommen worden war. Wirklich glaubten sie auch bald die heilsamen Folgen dieses EultuS zu verspüren, indem ihre Heerden gediehen, ihnen viele Knaben und sehr wenig Mädchen «immer bei Arabern ein un-, willkommener Zuwachs der Familie) geboren wurden, und sie sogar einen Sieg über einen feindlichen Stamm erfechten: lauter Segnungen, die sie dem Einflüsse des Gottesmannes zuschrieben. So befanden sich beide Theilc wohl dabei, auch der Ehacham,