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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-10 · Heft 24 (10.6.1873) · p. Seite 398

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 24 (10.6.1873)
Date
1873-06-10
Page
Seite 398 (sequence 14)
Language
German
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der sich zwar keine Lebensmittel kommen lasten durste (das untersagte die Asceriki, aber doch die freiwillig gebotene Kamcelmilch ohne Gcwissensscrnpel trinken konnte, die ihm denn auch nach dem vielen Fasten mehr Kraft wiedergab. als die elenden Wurzeln, seine orthodoxe "Nahrung. Die Beduinen trugen seinen Nus in alle benachbarten Stämme, übertrieben natürlich ein Wenig; die Nachbarn vermehrten die Wunderlawine noch mit einigen neuen Zuthaten, nur so wälzte sich diese von Stamm zu Stamm, von Dorf zu Dorf weiter, stets anwachsend, und gelaugte zuletzt als sormidablc Masse in die heimatliche Srtschast ihres ersten, unbewußten Urhebers. Tie Nachricht erregte natürlich ungeheuere Sensation bei seinen Glanbensbrüderu. und war bald in allen Dörfern um Sana, sowie in dieser Hauptstadt selbst der einzige Gesprächsgegcnstand. Natürlich wurde das Wunderkind, die Mähr vom neuen Spender aller Wohlthaten, nicht magerer dabei, sondern wuchs nnd gedieh erstaunlich, so daß' es zuletzt wenig unglaubliche Dinge mehr gab, die der Ehacham nicht vollbracht haben sollte. Indes; erregte cs die Betrübnis; seiner Neligionsgenosten, daß alle Wohlthaten des Chacham auf einen so unwürdigen Loden fallen, das heißt dem andersgläubigen Stamme zu Gute kommen sollten. Sie beschlossen deshalb, ihn vom Berge herabznholen und ihn zu bewegen, wieder unter seinem Bolle zu leben, um diesem seine Wohlthaten .zuzuwenden. Leicht war Tics nicht auSzusühren. denn die Beduinen hätten es gutwillig nicht gelitten. Da trat aber plötzlich, ein Ereigniß ein, das der ganzen Sache eine unerwartete Wendung verlieh. Unter den Heerdcn der Beduinen zeigte sich nämlich auf einmal eine tödtliche Epidemie, ein fürchterliches Bichsterben, das die Eigcnthümer in Kurzem zu armen Leuten machte. Dies wurde natürlich auch wieder dem Wnndermanne zugeschricben, der die Araber hassen müsse, weil er ein Znde sei, woran man sich jetzt erst erinnerte. Nun verwandelte sich alle Liebe in Haß, und eine wahre Hetzjagd wurde ans den angeblichen llrhcbcr des Unheiles angestellt. Sie singen ihn übrigens nicht, renn dieser hatte gerade seine Bußzeit vollendet und war in aller Stille in seine Heimat;urückgekehrt. Biclleicht harte er auch Etwas von der Verfolgung vernommen; aber seine Anhänger geben dies nicht zu, da ein Messias nicht fliehen könne.! Zuerst sing man nämlich jetzt an, das Wort „Messias" 'auf ihn anzuwendcn; am Anfänge auch wieder die Araber, die j auf einmal eine entsetzliche Furcht vor ihm gefaßt hatten, und 'das Gerückt verbreiteten, er sei berufen, alles Bestehende umzu- : stürzen, den Juden zur Herrschaft zu verhelfen und sie selbst aups Tiefste zu erniedrigen. So groß war diese abergläubische ' Furcht, daß beim Erscheinen des Chachanv ganze Stämme zitter-! len. Keiner wagte es, Hand an ihn zu legen, und zuletzt konnte er, wie ein unverletzliches Wesen, allein mitten durch ein Dorf seiner ärgsten Feinde schreiten, ohne daß ihm das Geringste geschah. Bei seinen Brüdern wirkte der Haß der Araber gerade das j Gcgentheil. Auch diese glaubten an seine Macht, den Feinden . Unheil zuzufügen, und schlossen aus Allem, waö über ihn ver- ' lautete, daß er die Araber vernichten, sie selbst aber im Triumphe nach dem heiligen Lande führen werde. Kurz, sie drängten ihm so zu sagen die Rolle des Messias ans, undda sein Kopf ohnehin durch das Studium der Kabbala exaltirt war, so sah er in der Bolksstinune den Befehl Gottes, und hielt sich selbst wirklich für Das,^ wozu ihn die ganze Welt, Freund und Feind, machen wollte, für den Messias. Seitdem wurde er von der Mehrzahl seiner Glaubensgenossen ber Gegend um Sana als Messias anerkannt, durchj wanderte die Dörfer von seinen, erhielt überall prächtige Ge-! schenke, lebte wie ein Fürst, und wurde allgemein verehrt von jten Inden, gefürchtet von den Arabern. Dies Leben führt er 'noch heute. Daß er bis jetzt etwas Außerordentliches gethan, p. B. die Inden gesammelt hätte, um sie nach Palästina zu führen, habe ich nicht vernommen. Darin ist er jedoch in voli lem Einklänge mit der kabbalistischen Schule. Es ist nämlich 'etwas ganz Anderes um einen kabbalistischen Messias, als um I solche messtauische Schwärmer, wie Barkochba und Alrui, die noch Nichts vom Buche Sohar und seinen Träumereien wußten. Diese waren thalkräftig, und wagten selbst zu handeln. Der .srabbalift dagegen erwartet ein Wunder, eine göttliche Erscheinung. die ihm das Schwert in dip Hand giebt; und da eine! solche bis jetzt immer ausgeblieben ist, so hat auch noch kein! kabbalistischer Messias durch irgend welche kriegerische Thaten die!Welt in Erstaunen gesetzt." Anzeige «. Bckamifütnchting. Die Lehrerstelle bei der hiesigen jüdischen Schule verbunden, mit einem Gehalte von HO« Thlrn. und freier Wohnung soll sofort besetzt werden. Geprüfte Bewerber wollen sich unter BoAegnng ihrer Zeugnisse schriftlich bei dem Magistrale sogleich melken. — Der Privatunterricht int Hebräischen bedingt eine bedeutende Nebeueinnahme. Oer ^luAistrnt und jüdische* $t*i»dvor.s<aiul zu /v .< / Die israelitische Gemeinde zu Lingen in Hannover sucht möglichst sofort einen jungen tüchtigen Elementar- und Religionslehrer, rvelchwr auch -,;r; und ür.vö sein muß, bei c'mem Gehalt von 2'," Thlrn. mindestens jährlich u. aus dem Provincialsonds 1" Thlr. Zulage, sowie vielen Nebenverdiensten. Qnalifiärlc Bewerber wollen sich unter Angabe ihrer früheren Stellung und Einsendung ihrer Zeugnisse baldmöglichst an untenstehenden Vorstand franco wenden. Isaak Friedland, Synagogen- und Schulvorstand.

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