Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-10 · Heft 24 (10.6.1873) · p. Seite 396

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 24 (10.6.1873)
Date
1873-06-10
Page
Seite 396 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226906-3226931--31726-3254659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

396 krakaner Israeliten anläßlich der bevorstehenden directen ReichsrathSwahlen Berathung hielten. In der Tiscussion hoben einige Redner die Wichtigkeit des nun in'S Leben tretenden Wahlresormgesctzes eingehend hervor, betonten ferner die Nothwendigkeit der größtmöglichen Betheiligung Seitens der israelitischen Wählerschaft an dem Wahlacte, und machten endlich darauf aufmerksam, daß — gegenüber den unverkennbaren, gegen die Wahl eines jüdischen ReichsrathSabgeordnetcn gerichteten, Agitationen einer gewissen hypernationalen versassnngsfeindlichen Partei — den Inden große Vorsicht und einmüthiges Handeln dringend geboten sei. In Bezug ans das von dem Reichsrathscandidaten abzuverlangende politische Glaubenöbekenntniß kam die Versammlung überein, daß der Candidat vornehmlich verfassungstreu sein müsse, und daß er — dessen geistige Qualification und unabhängige Stellung in der Gesellschaft vorausgesetzt — auch in seinem festen Charakter die Bürgschaft gewähre, daß er für die Aufrechthaltung der Verfassung — in welcher die Israeliten Galiziens den einzigen Schutz und Hort ihrer erworbenen Rechte und Freiheiten erblicken — stets wacker einzustehcn den Muth haben, nnd kein Resolutionist sein werde. Um aber in dieser wichtigen Angelegenheit daS angestrebte Ziel durch vereinte Kraft um so sicherer zu erreichen, beschloß die gestrige Wählerversammlung: demnächst den politischen jüdischen Verein „Schomer Israel" in Lemberg über dessen Beschlüsse bezüglich der directen Reichsrathswahlen schriftlich zu befragen. Die Antwort dürfte auch bald erfolgen, worauf hier ein jüdisches Wahlcomitö gebildet werden wird. Lemberg, 27. Mai. Dr. G 0 ldmann, ein polnischer Israelit, sott in's ga lizischc Ministerb.ureau zur Leitung der polnischen Presse berufen werden. Lembcrg, 28. Mai. iR. fr. Pr.) Die Gemeinderathswahlen in Szczerzec, bei welchen letzthin alle israelitischen Candidaten siegten, wurden annnllirt! Es verlautet, daß die Bezirkshauptleute Galiziens von der Statthalterei den Auftrag erhielten, die Veranstaltung ruthenischer Wähler Meetings zu verhindern, eventuell zu verbieten. (Polnische Vereinsfreiheil!) Lemberg, 20. Mai. Gestern Abends fand eine zahlreich besuchte Notablen versammlun g der lemberger israelitischen Wählerschaft statt, in welcher beschlossen wurde, ein Dreißigercomitv zu wählen, welches sich aus der Provinz verstärken nnd als (5entralcouiit6 der galizischen Juden constituiren soll. Den Vorsitz führte der Präsident des Vereines „Schomer Israel", Advocat Dr. K 0 hn. Lemberg, 31. Mai. In Monasterzyska, einem zumeist von Rnthenen bewohnten Städtchen des stanislauer Bezirkes, wurde Herz Sa fr in (Israelit) zum Bürgermeister gewählt. Schweiz. Bern, im Juni. (Privatmittheil.) Es ist jetzt die Aera kirchenpolitischer Gesetze, und in vielen Cantonen werden dergleichen jetzt in deren Großräthen berathen. Man will den kirchlichen Streitigkeiten und Uebergrissen für die Zukunft enthoben sein, ohne den religiösen Ueberzengungen den freien Raum zu entziehen. Auch im berner Großrathe wird jetzt ein solches Gesetz berathen, und ist darin die Freiheit, ReligionSgemeinden zu bilden, auch den Juden ausdrücklich zugesprochen und die vollkommene Gleichstellung der Culte verbürgt. Zs e u t f Friedrich Wilhelm IV. und das evangelische Listhnm in Jerusalem. Wir haben jüngst in einem Leitartikel ('Nr. 21 S. 3-1U) erwähnt, daß das durch die Bemühungen und die Subsidien des Königes Friedrich Wilhelm IV. gegründete anglicanisch-evangelische Bisthnm in Jerusalem neben dem Zwecke, ein Mittelpunct der freilich geringzähligcn Protestanten im Oriente zu sein, besonders den für Bekehrung der Juden hatte. Einen Beweis hierfür, und wie dieser letztere Zweck besonders im Geiste des Königes lebte, wurde jüngst durch den von Ranke veröffentlichten Briefwechsel Friedrich Wilhelm IV. mit Bunsen (Leipzig 1873) gegeben. Der vierte Abschnitt betrisst das „Bisthum Jerusalem". ES geht daraus hervor, daß die Gründung dieses BisthumeS die eigenste Idee des Königes war, daß er seinen „Freund" Bimsen aus der Schweiz, wo er preußischer Gesandter war, berief, und nach London sandle, um die englischen Staatsl e t 0 n. männer und Bischöfe diesem Gedanken zugeneigt zu machen, und die Ausführung zu bewirken, und daß daS Gelingen dem Könige eine unbeschreibliche Freude, wohl die größte in seiner zwan- ZigD-rigen Regierung, verursachte. Bunsen trug dies den Gesandtschafts;: osten in London ein. Aus den Daten des Briefwechsels ersieht man, daß diese Angelegenheit eine der ersten war, welche der König nach seinem Regierungsantritte (Juni 1840) betrieb. Man erinnere sich, daß zmn ersten Bischöfe in Jerusalem ein in England getaufter Jude, Namens Alexander, von den beiden Negierungen gewählt ward. Am 12. August 1841 schreibt der König an Bunsen, daß er zwar augenblicklich auf eine protestantische Kirche in Bethlehem verzichte, sie aber doch zukünftig erstehend hoffe, wenn es gelungen wäre, dort „eine christliche Iudengemeinde entstehen" zu lassen. Doch muß er diesen Gedanken schon früher geäußert haben, denn er sagt, cs wäre ihm lieber gewesen, wenn Bunsen dessen in seiner 'Note an Lord Palmersion unerwähnt gelassen hätte. Die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.