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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-10 · Heft 24 (10.6.1873) · p. Seite 391

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 24 (10.6.1873)
Date
1873-06-10
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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391 oder einer Stelle der Vorrede, in verschiedener Weise." Tie Abhandlung hat den Zweck, zu Gunsten des allgemeinen PublicuruS, sowohl gegen die Bisse giftiger Thiere, als auch gegen genossene Gifte, die Heilmittel anzugeben, welche sofort anzuwenden .sind, so lange der herbeigerusene Arzt noch nicht erschienen ist, oder wo ein solcher überhaupt nicht beschafft werden kann. Sachkundige wissen, welch bedeutendes Eapitel in der Medicin der Alten das über die Antidota gewesen ist. Hier handelt es sich aber um populäre Heilmittel, und zwar solche, die überall zur Hand sind, dann auch um kostbarere, die wohl nur den Reichen zu Gebote standen. Wir können selbstverständlich auf das Einzelne hier nicht näher cingehen, und machen nur zwei Bemerkungen. Das Ganze zeugt von der rationellen Ausfassuug, welche Maimonides auch auf dem Gebiete der Medicin erweist, und in der er von mittelalterlichen Zaubcrmitteln, ja selbst von sogenannten sympathetischen Mitteln keinen Gebrauch macht, und sie durch sein Stillschweigen verwirft. Ferner erweist sich sein systematischer Kopfauch in der Eintheilung und Gruppirung seines Materiales, die streng logisch ist. Die Bearbeitung dieser Abhandlmtg hat daher, wenn auch das Meiste der vorgeschriebenen Heilmittel und der physiologischen Ansichten veraltet ist, sowohl einen medieingeschichtlichen und culturhisiorischen Werth, bietet aber auch für uns das Interesse, Maimonides hier von der Seite seines speciellen Lebeusberuses klar beleuchtet zu sehen. Herr Steinschneider hat seine Ucbersetzuug mit reichen, linguistischen und bibliographischen Anmerkungen versehen. Bonn, im Mai. Ter Eifer, den Herr Jakob W. Paschel es in Prag in der rechtzeitigen Veröffentlichung seines „illustrirteu israelitischen Volkscalenders" bewährt, hat unS auch diesmal bereits mit dem Ealender für das Jahr5 (»IM versehen. Der Ealender ist, wie immer, mit reichlichen calendarischen Beilagen und Beiträgen von Kaempsf, Ehrentheil, Klempercr und dem Herausgeber angemessen ausgerüstet. obebtuucj.'iu ctcßioc(km. Deutschland. Leipzig, 20. Mai. (Privatmitth.) Unsere Stadt hat endlich wieder ihre alltägliche Physiognomie gewonnen: der Mesztrnbel ist vorüber. Waaren und Kausleute, zu denen unsere Glaubensgenossen aus aller Herren Landern bekanntlich ein sehr bedeutendes Eontingent stellen, sind von den Gassen verschwunden; selbst Ecke Brühl und Ritterstraße, das Eldorado unserer am Spätesten an die Heimkehr denkenden Brüder aus den slavischen Regionen, ist ihren rechtmässigen Bewohnern zurückgegeben; die improvisirten koscheren Restaurationen, diese ältesten Mcszschwalben, haben ihre Zelte abgebrochen und sind, mit reichem Gewinne beladen, „heimwärts gezogen". Diese Letzteren waren für Ihren Eorrespondeuten Zielpnnct häufiger Wallfahrten, nicht der gastronomischen Genüsse wegen — denn die Finessen der jüdischen Mestküchen üben auf mich keinen unwiderstehlichen Reiz, — sondern um zu hören, „was sich in den Gemeinten thut." Tenn an der jüdischen tiible (l'liotc werden alle möglichen jüdischen Interessen ohne jede parlamentarische Regel,, ohne diplomatische Geheiumißthuerei für und gegen besprochen; man ist ja „ontre „uns." Ta platzten die religiösen Gegensätze ans einander; hie Welf, hie Waiblingen; Adaß Iisroel und Reue Synagoge, Orgel und Pijntim, pariser Alliance und berliner Telegirteuversammlung. Gemeindebund und Antigemeindebnnd nach Mainzer Recept, Rabbiner, Eantoren, Vorsteher (manchem Enltusbeamten. manchem Leiter der Gemeinde kennte ich sagen, wie er in derselben angeschriebcn steht, manchem Amtsbewerbcr, wie seine Chancen), I)r. Falk und seine kirchenpolitischen.Gesetze, — Alles wurde mit Gedankenschärfe und „Sachkenntnis;", unter vollster Entfaltung aller verfügbaren Streitkräfte in den Pausen zwischen einem Tasclgerichte m\b dem anderen erschöpfend ventilirt. WaS den letzten Gegenstand, die neuen preußischen Kirchengesetze anbetrisst, so herrschte, so weit sich Ihr Eorrespondent informiren konnte, allgemein nur eine Stimme: die völlige Freiheit des Austrittes aus den Synagogengemeinden wäre gleichbedeutend mit dem Ruine des größten Theiles derselben. Selbst notorische Hildesheimerianer wurden hierbei sahuenslüchtig. dcsavouirlen ihren eemmandirenden General an der Panke. Tie Gemeindesynagoge war an den Meßsamstagcn bis auf's letzte Plätzchen gefüllt. Und merkwürdig, trotzdem die Orgel spielte, sah man doch von Anfang bis Ende des Gottesdienstes unsere Glaubensbrüder mit Peieß und Schubbezeß zahlreich vertreten. Man sieht, daß diese für eine vernünftige Aussasftmg der religiösen Gebräuche kein Hindernis: sine! Werden jene die Träger der Eultnr nach Osten sein? Bei der vor einigen Tagen stattgehabten Kochfeier, dem fünsmwzwanzigjährigen Amtsjubiläum unseres Oberbürgermeisters, war auch die hiesige israelitische Religiousgemeinde durch eine Deputation ihres Gesammtverstaudes vertreten. Herr M. Kohner hielt bei diesem Anlässe an den Jubilar eine Ansprache, die sammt der darauf erfolgten Erwiederung mitgetheilt zu werden verdient. Tie hiesige Religiousgemeinde, so ungefähr äußerte sich Herr Kohner, schätze sich glücklich, daß sie es eigentlich nicht mehr nöthig habe, bei allgemein bürgerlichen Gelegenheiten, wie der heutigen, als gesonderte Körperschaft sich vertreten zu lassen, da sie als völlig gleichberechtigt durch die Verordneten der Stadt sich vollkommen repräsenlirt wisse. Daß dem aber so sei. Dies gehöre eben, was heute besonders betont werden müsse, zu den besonderen Verdiensten des Iubilares, der während seiner hiesigen

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