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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-10 · Heft 24 (10.6.1873) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 24 (10.6.1873)
Date
1873-06-10
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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390 , wir hier den vom 29. d. tatirtcn Brief unseres lemberger Correspondenten folgen: Wie ich Ihnen schon letzthin mittheilte, hat die Generalversammlung des hiesigen Vereines „Schomer Israel" den Beschluß gefaßt, ein israelitisches Centralwahlcomitv für ganz Galizien einzusetzen, welchen die Ausgabe übertragen werden soll, die bevorstehenden Reichsrathswahlen mit Berücksichtigung der Interessen der Verfassungspartei durchzuführcn. Ter Vereinsausschuß des „Schomer Israel" hatte, diesem Beschlüße zufolge, für gestern eine Versammlung der hervorragendsten jüdischen Parteigenossen einberusen, und derselben den Antrag aus Constituirung eines dreißiggtiederigen israelitischen Centralwahleomito'S vorgelegt. Obwohl nun Dr. Schaff aus Gründen, die hier nicht erörtert zu werden brauchen, gegen diesen Antrag auflrat, wurde derselbe dennoch nach längerer Debatte nahezu eitlstimmig angenommen. In das ActionScomitü wurden gewählt: die Gemeinderälhe I)r. Joseph Kolischer tMitglied des polnischen ostgalizischen Wahleomitö's», Dr. Julius Kolischer, A. Mises, Dr. Fried, Lazarus, E. Galt, Dr. Gottlieb, Dr. Kohn, Rücker, Dr. Mansch, Prediger L ö w e n st e i n, M. E p st ein; ferner die Mitglieder der lemberger Handels- und Gewerbekanuner: Dr. Gold baum,-Herz; die Mitglieder des israelitischen Gemeindevorstandes: S. Buber, M, Ett inger, und außerdem die Herren Notar Dr. Blnmenfeld, Lau tau, Dr. M. Lokal, O. Z. M e n k e s, C. F rä n k e l. M. S ch r e nze 1, Ignaz Nußmann, I. Chajes, Dr. Schass, S. Barasch, Klein, Dr. Byck, Dr. Land es borg und Vierer. Das Eomitö, welches sich im Lause dieser Tage eonsrituiren dürste, wird schon mit Beginne des künftigen Monates die Wahlorganisation in Angriff nehmen. Tein Vernehmen nach soll sich das israelitische Centralwahleomite' mit den israelitischen Aetionscomitös in Krakau, PrzemySl, Stanislan, Trohobyez, Tarnopol u. ). w., sowie auch mit dem Vereinsausschusfe der „Nada Nuska" behufs einträchtigen und gemeinschaftlichen Vorgehens bei der bevorstehenden Wahlcampagne schon demnächst in's Einvernehmen setzen. Alle diese im Lager der Versassnugspartei gelrossenen Wahlvorbereitungen haben begreislichertveise die polnischen Hetzorgane atlßer Rand und Band gebracht. Insbesondere weiß die Gazeta 'Narodowa ihre Wnlh und Erbitterung nicht in geeignete Worte Zu fassen." Es versteht sich, daß Jedermann den Wunsch hegt. die Verhältnisse möchten andere sein. Ta sie aber einmal so sind, so kann man nur dem Vorgehen der galizischen Juden die vollste Zustinunung ertheilen und den besten Erfolg wünschen. Wer sich selbst ausgiebt, wird gänzlich unterdrückt. Nur wer seine Selbstständigkeit und seinen Mnth bethätigt, kann ans Achtung und Berücksichtigung hoffen. Entspringt auch allö solchen Vorgängen für die nächste Zeit gehässige Gesinnung, so weicht diese doch wieder mit der Zeit, 'wenn erst die Gleichberechtigung sich zur Gewohnheit, zum Lebcnselernente des gesammten Volkes gemacht hat. Literarischer Wochenbericht. Bonn, im Mai. In dem „Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Mediein", herausgegeben von Rudolph Virchow Band 5»7, Heft 1 vom 21. Febr. d. I., findet sich ein Anssatz von M. Steinschneider, welcher die Uebersetzung einer Abhandlung von Moses Maimonides, von diesem auf Befehl des ägyptischen WezirS (1198) über „Gifte und ihre Heilung" abgefaßt, und zwar nach einer nnedirten hebräischen Uebersetzung enthält. Wir stellen aus der Vorbemerkung des Bearbeiters den Anfang hierher: „Ter Name „Maimonides" repräsentirte bis ans die neueste Zeit die gesammte Wissenschaft der Juden im Mittelalter; allein Legenden und Erfindungen galten für sein Lebensbild, von seinen wisienschaftlichen Schriften waren sehr wenige, und nur aus Uetersetznngen in engen Kreisen bekannt. Die neueste Zeit hat sich viel mit Maimonides beschäftigt, mein t'atalo^ns libror. hehr, in Bibliotlicca Bo«l!i*iana (p. 1939) zählt gegen 20 neuere Schriften und Abhandlungen über ihn, davon kommt fast Nichts auf den medicinischen Schriftsteller; vollständig verunglückt ist der Versuch einer deutschen Uebersetzung des diätetischen Sendschreibens oder Gutachtens an el-Metik el-Afdhal; wie wenig richtig der Ueberft'tzer Winteruitz auch nur die technischen Ausdrücke wiedergegeben hat, habe ich vor 2'» Jahren durch einige Artikel in den „Oestreichischen Blättern für Literatur und Kunst" iherauSgegeben von A. A. Schmidt IS 15 S. 12, 11, 15, 10, 17, 57, 5Sj nachgewieftn. Maimonides, geboren zu Cordova am 3<». Mär; 1135, seit 1105 in Kahira iFvstat), wo er am 13. Deccmber 120-1 starb, war seit ungefähr! 19<> in vornehmen Kreisen bis zur Familie Saladins als Arzt vielfach in Anspruch genommen. Seine medieinischen Schriften, sämmtlich in arabischer Sprache verfaßt, sine theils allgemeine und theoretische, theils besondere Gi-.tachten für einzelne Fälle, welche der strenge Systematiker freilich gern von allgemeinen Gesichtspuncten beleuchtet. Es haben sich im Ganzen ungefähr zehn, theils im Originale, theils in hebräischer tmitunter zweifacher» oder lateinischer Uebersetzung erhalten, jedoch fast nur in Handschriften. Herr Dr. Falk veranlaßt mich die nachfolgende Abhandlung zu übersetzen. Sie ist aus Befehl eines Gönners, des WezirS Abd ur-Rahim ben Ali el-Beisani, gen. el-Fadhil kgeb. 1135), im Jahre 1198 versaßt, nnd ihm zu Ehren in der Vorrede „el-Fadhilijje" genannt. Tie Handschriften betiteln sie meist nach dem Inhalte,

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