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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-03 · Heft 23 (3.6.1873) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 23 (3.6.1873)
Date
1873-06-03
Page
Seite 379 (sequence 11)
Language
German
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379 Freiheit, das Gute oder das Böse zu wählen, gegen die Lehre des R. Papprs, das; dieselbe sich auf cic Ähnlichkeit des Menschen mit een Engeln beziehe.' Tie Beerte: „Gott redete zu Moses" drücken nach ihm die Uuniittelbarkeit der göttlichen Dsfenbarung an Moses mit Ausschluß aller Mittelbarkeit durch Engel u. s. w. ans, was wahrscheinlich gegen die gnostische Annahme gilt, das Gesetz sei.den Israeliten durch den Tcminra gegeben worden? Bedeutender sind seine Aussprüche über: l>. B o r - sehung und Wellregierung Gottes, Böses und Gutes. Gott und menschliche Freiheit, strenges Gericht nnd die Güte Gottes, diese scheinbaren Gegensätze, die im Heidenthuine streng geschieden werden, sind im Indenthume keine Widersprüche in Bezug aus Gott. „Alles, sagt er, ist «Gott) offenbar, aber Freiheit existirt; die Welt wird nach Güte gerichtet, doch Alles nach der Menge der That."'' „Alles ist idem Menschennur als Pfand gegeben, und ein Netz ist über alle Lebenden ausgebreitet; der Laden ist geöffnet, der Kaufmann leiht, das Luch aufgeschlagen, die Hand verzeichnet, wer borgen will, borgt, aber die Eassirer fordern täglich ein, nehmen Zahlung vom Menschen, ohne oder mit seiner Zustimmung, denn sie sind zuverlässig; der Rcchtsspruch ist ein Rechlssprnch der Wahrheit, und Alles wartet des Mahles (der Vergeltung)."''' Dieses Resumö. * rer jüdischen Lorsehnngslehre wird durch die vielen Lehren, in denen er offen daS Hcidenthnm bekämpfte, noch klarer. „Ziehet ihr euch nicht Lerdammnis; zu, wenn ihr wohlthätig seid, die Armen stützet, den Leidenden helfet, da diese durch Gott zu Noch und Leiden verdammt sind?" war die Frage deö Tininö Rufus an ihn. Er antwortete: „Wenn ein König über seinen Sohn wegen eines Fehles Leiden verhängt, wahrlich er will nur die Besserung desselben, und wird Dem nicht abhold sein, der ihm seine Prüfungstage zu erleichtern suchte; so sind wir Söhne Gottes, denen Gott nicht zürnt, wenn sie ihren leitenden Brütern beistehen!" ‘ So machte ihn das Glück des Frevlers und das Leiden der Gerechten nicht irre an der gerechten göttlichen Vorsehung; seine Lehre darüber war: „Wenn dies dem Frevler gegönnt ist, was erst dem Gerechtenoder: „Ist das Böse eingetrosfen, so kann auch das Gute'-nicht atlznfern bleiben'."' So glaubte er an kein absolutes Nebel, und betrachtete das Böse nur als scheinbar, das nicht das Böse, sondern das Gute, die Besserung des Menschen, zu seinem Endziele hat. Man kennt seilten Spruch darüber: „Alles, waS dich trifft, ist zum Guten!"" „Tie Heiden," sprach er oft, „so Strafe über sie kommt, fluchen ihren 'Midr. r. l Mos. Absch. 21. Bgl. den Artikel: Gottähnlichkeit. -Midr. r. l Mos. Absch- 14. am Ende sri vrx -um rro'a ba i:tn "prb •pb'o y-zz n'nrr: ssr bipn n-rrrt. "Aboth 3. 15. 'Das. 3. IS. ' Baba bathra l". ''Maccoth am Ende. 'Das. Siehe: weiter. "Berachoth <!<». mit einer Erzählung auS seinem Erlebnisse, die wir in dem Artikel: Glück und Unglück nachzulesen bitten. Bergl. Pirke de R. Nathan! 3. 18. I Göttern, aber wir preisen in Glück und Unglück unseren Gott, und rufen: „Gepriesen sei der Richter der Wahrheit!"' Er besucht seinen kranken Lehrer R. Elieser, und ruft ihm die Trostesworte zu: „Leiden siltd Liebesboten zu unserer Besserung!"" Dem R. Gamliel stirbt rer Sohn, und er verweigert die Annahme jedes Trostes. R. Akiba redet ihn an: „Alles ist uns nur zur Bewahrung gegeben. Heil dir, wenn tu das zur Verwahrung Gegebene, deinen Sohn, so rein abgeben konntest!"^ Weiter lehrte er im Hinblicke aus Israels Leiden: „Die Israeliten sind Söhne der Freien, denn sie sind die Söhne Abrahams, Isaaks und Jakobs, die um ihre Güter gekommen sind."' Die Leiden sind zu unserer Besserung.'' „Schön ist die Armuth der Tochter Jakobs, wie ein rolheö Halsband an einem weißen Resse." (Midr. r. 3 M. 'Absch. 35.) Ueberhaupt denkt er das wahre Gute, die Glückseligkeit, als Lohn nnd Folge des Guten nur im Jenseits. „Damit es dir gut gehe, nnd du lange lebest, d. h. in der Welt, die nur gut ist."'' „Den Frevlern geht eS im Diesseits wohl, weil sie im Jenseits Nichts erhalten, dagegen empfangen die (Gerechten doppelt im Jenseits." (Midr. r. 3 M. Absch. 27; 2 M. Absch. 33. Ehagiga 15.) Nicht minder groß sind seine Lehren über Mensch, Israel und Heidenthnm. Die Würde nnd Bestimmung des Menschen nnd Israels liegen nach ihm nicht so sehr in den ihnen verliehenen Borzngcn, als vielmehr in dein Bewußtsein derselben. Der Lehrsatz darüber ist: „Liebe war es, daß Gott den Menschen in seinem Ebenbilde geschaffen hat; größer wurde sie, daß er ihn wissen ließ: er sei im Ebenbilde Gottes geschaffen." „Liebe war es, daß Israel Söhne Gottes genannt wird; größer wurde sie, daß eres rvissen ließ, es sei „Söhne Gottes." „Liebe war cs, daß er Israel das Kleinod, die Lehre, gab; größer wurde sie, daß er es wissen ließ, er habe ihm das Kleirrod, die Lehre, gegeben."' Das Wecken und Wachhalten dieses Bewußtseins, darin bestand sein Kampf gegen Heidenthmn nnd Aberglauben. Bereits brachteit wir oben die Zurückweisung der heidnischen Annahme, daß Leidende ewig znm Leiden verdammt seien, indem er den Menschen in seiner Würde als Sohn Gottes faßte. Ein anderes Mal sieht er einen Heiden auf Gräbern fastend Tage und Rächte zubriugen, um Todtenbeschwörungskünste zu treiben, erbricht in Schluchzen aus, toie groß, wenn solche Entsagung dem .Heiligen zngewendet wäre!" Aus die Frage: „Warum Gott nicht die Götzen vernichte?" war seine 'Antwort: „Weil Sonne, Mond und Sterne für die Welt nolhwendig sind." Tie Ratur folgt ihren Gesetzen, aber die Frevler werden zur Rechenschaft gezogen. < Abeba sara 5 1.) Ans die Erzählung, daß Kranke Heidemeuipel anssnchen und gesund sie verlassen, bemerkte er. 'Mechiltha zu Iithro vergl. Berachoth «'.0. nnd Midr. r. 3 M. Absch. 21. ''Sanh. 101. 'Siehe: Gamliel. 'Baba kama!k)O. Tosephlha B. k. Absch. 5. 'Midr. r. 3 M. Absch. 35. I°Das. zu Ruth 0. 'Aborh 3. "Saich. 05. 23*

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