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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-03 · Heft 23 (3.6.1873) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 23 (3.6.1873)
Date
1873-06-03
Page
Seite 378 (sequence 10)
Language
German
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378 I e u i t l e 1 o n. Rabbi Äkiba. Eine Probe aus llr. Hamburgers „Ncal^Encyclopädie fiir Bibel und Talmud" Ablheilimg .11. «Fortsetzung.) Sein Schüler Nehemia aus Ennnaus verwirft die Deutung der Partikel ra im Sinne von „mit", die immer den Einschluß einer Person oder eines Gegenstandes mitandeuten soll, da ihm dieselbe in Bezug auf den Vers: „Den (rs mit) Ewigen deinen Gott sollst du ehrsürchten" anstößig erschien, als wenn göttliche Lerehrung auch anderen Personen gehörte.' Doch brach sich seine Vehr- und Deutungswcise Bahn und bewirkte einen neuen Aufschwung. R. Taphon hat diese neue Vehrweise plötzlich so umgestaltet, daß er-in die Lobeserhebungen ausbricht: „Heil dir, Abraham, unser Vater, Akiba stammt von dir her!" „Tarphon sah und vergaß cs, aber Akiba verstand dasselbe durch seine Deutung herauszubringen, und es stimmt mit der Halacha vollständig. Wahrlich, wer von dir sich trennt, scheidet gleichsam von seinem Leben."2 Deutlicher noch haben wir diese Umwandlung seiner Gegner in den Worten R. Josua's: „Wer nimmt dir den Staub von deinen Augen, R. Zochanan Sohn Sakai? Ost sprachst du: „Diese Halachoth haben keine Bibelstellen für sich!" Siehe, Akiba findet dieselben."" Ost entfernte sich R. Tarphon aus dem Vehrhause und überließ R. Akiba die weitere Ausführung der Halachaerklärung.' „Wenn R. Akiba fehlt, hieß es nun allgemein, fehlt die Halacha, und kann nicht entschieden werden."" So galt er gleich Esra, als der Restaurator des Gesetzes/' der Feststeller der Halachoth, Agadoth und des Midrasch,' und mit R. Zsmael wird er zu den „Vätern der Welt" gezählt? Seine Aussprüche erhielten auch gegen die eines seiner Collegen Gesetzeskraft?' Man führt seine Halachoth an ohne die Einrede seiner Gegner,'" und entscheidet eine Majorität gegen ihn, so gellen doch seine Lehren als Norm für eine spätere Zeit." Diese Verehrung R. Akiba'S war bei den Späteren noch viel größer. „Das Herz, der Verstand der Ersten, ist weit 'Zerns. Berachoth ll. 5. Sotah r*. 7. Kiddnschin .77. R. Akiba deutet dieses nrr ans die Thora oder auf die Thoragelehrten, denen man Verehrung schultet. "Sisri zu Behalothcha. Sisra Absch.!. zu l M. 10, S. Sebachim 13:«. Kiddnschin 61», eine Wahrheitsliebe, die wir bewundern, und den Parteiführern im heutigen Zurenlhume nachdrücklichst rachen möchten. 'Mischnah Sotah 7. 2. 'Sebachim .'»7. "Mier. r. zum Hohld. S. 8 >1. Edit. Franks. "Sisri zu Ekeb 7 M. ll, 22. „Wäre Akiba nicht, die Thora gerielhe in Vergessenheit." 'Zerns. Schekalim 7. 1. "Zerns. Schekalim Absch. 3. Daselbst drosch haschanah Absä). 1. Yirsur '-n '-i aVirin m2N. "Erubin ‘10. : Nr-5 vv'an» y"-o risbn. "Pea 1. 0.; Kilaim S. 7; Kelim 14. 41; 17. 13. " 9kedarim ll. 7. 8; Baba kama 7. 0; Nidda 8. 2. 3. wie die Pforte der Tempelhalle, das ist Akiba." (Erubin 43.) 9tab «Abba aus Arekah ein Lehrer des dritten JahrhunderteS: sagt, „R. Akiba verstand jedes Strichclchen und Pünctchen in der Schrift zu deuten."' „Schwach wurde die Kraft Mosis vor den Erklärungen eines R. Akiba."- R. Simon Sohn Lakisch, ebenfalls ein Lehrer des dritten JahrhunderteS, thut den bildlichen Ansspruch: „Gott zeigte Adam jede Generation mit ihren Lehrern: als dieser 9i. Akiba sah, sreuete er sich über ihn und seine Lehre."'' „Lasset Akiba, der seines Gleichen nicht in Palästina gelassen Hai!" lautete die Entgegnung an den Ressen R. Zosua's, der in Babylonien gleich Akiba die Neumonds- und FcsttagSbestimmung vornehmen wollte? „Ich gebe dir von gewürztem Weine zu trinken, das sind die großen Mischna's: die des R. Akiba." ° lt. Seine Agava und ihre Gegner. Ein fast ebenso großes Gebiet seiner Lehrthätigkeil ist das der Agava. Die Agava'ls. d. A.) beschränkt ihre Junger nicht aus das Gegebene, die festen Normen der Halacha, sondern läßt ihnen freien Spielraum, umfaßt Göttliches und Weltliches, und will, daß der Mensch ans sich heraus Gott, Welt und sich selbst erkenne. Zn ihr ergehen sich die Lehrer nach ihren freien, subjectiven Ansichten, und wir können sic daselbst in ihrer wahren Gestalt sehen, nicht was sie mußten, sondern was sie wollten, wie sie lebten und wirkten. So sind es auch die agavischcn Lehren des 9t. Akiba, die ihn nach seiner inneren und äußeren Gestalt geben: wie er gedacht, gefühlt, gelebt, gewirkt, gekämpft und gelitten hat, bis ein heiliges Märtyrerthnm sein Leben geendet, und seine Thäligkeit besiegelt hat. Gott, Mensch, Israel, Freiheit, Weliregiernng, göttliche Vorsehung, Böses, Nebel, Nächstenliebe, Heidenthum, Sünde, Buße, Sühne, Studium der Thora, Arbeit, Armnih, Wohlthnn, Geselligkeit, Ehe, Weib, Familie, Religion, Gesetze, Gebet, Sabbath, Feste, Jenseits, Mystik u. a. m. Alles wird in den Kreis seiner Betrachtung gezogen, von ihm durchdacht nnd gelehrt. :>. Gott und Welt. Hier beschränkt er sich darauf, die Begriffe von Gott und seinem Verhältnisse zur Welt zn läutern, und die biblischen Ausdrücke vor Mißdeutung zu schützen. „Denn mich sieht nicht der Mensch und lebt,"" wahrlich, bemerkt hierzu R. Akiba, auch nicht einmal die Engel am Golteslhrene,' und will dadurch jede leibliche Verstellung von Gott negiren? Gegen den Ausspruch seines Freundes PappuS, daß die Worte in Hiob 23, 13: „Und er als Einer, wer entgegnet ihm" Gott als den willkürlich nnd unbeschränkt Handelnden darstellen, bemerkt er: „Nicht so, denn er richtet Alles nach Recht und Wahrheit!"" Ebenso setzt er die Gottähnlichkeil des Brenschen in die ihm verliehene sittliche 'Menachoth 2ll js. -Das. ^Aboda sara 7. 'Berachoth 03. - Midr. r. 1 M. Absch. 1. "2 M. 33. 'Mirr. r. 4 M. Absch. 14. am Ende. 'Das. "Das. nnd Jalkut zu Hiob.

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