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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-03 · Heft 23 (3.6.1873) · p. Seite 380

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 23 (3.6.1873)
Date
1873-06-03
Page
Seite 380 (sequence 12)
Language
German
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380 warum sollte daS nicht Vorkommen, wenn die Krankheit gerade ihre Krisis hatte, als der Kranke sich im Götzentempel befand.' Gegen den astrologischen Wahnglanben war sein Wort: „Israel stehe unter keinem Planeten."' Zur Fernhaltung jedes Aberglaubens lehrte er: „Wer nach Zeiten und Stunden rechnet und spricht: heute ist es heilvoll auszugehen u. s. w., ist ein Zeudeuter, der das Verbot der Zauberei Übertritt?" Bei diesem. Abscheu vor Aberglauben und Heidenthnm verstand er die Sache von der Person zu trennen, und war bereit, auch Gutes von den Heiden zu lernen. Auf seinen Reisen hatte er Gelegenheit, manche schöne Sitte bei den Heiden zu bemerken und sie seinen Israeliten zu empfehlen. „In drei Sachen liebe ich die Meter: das Fleisch schneiden sie auf dem Tische, sie küssen nur die Hand, und halten ihre Rathsverfammlnrigen auf dem Felde."' In seinem Bortrage über Aelternverehrnng stellte er einen Heiden Bendama als Muster auf? Bon seinen Disputationen mit Heiden weiß der Talmud Vieles zu erzählen," aber noch mehr, wie er sich Mehreres von ihrer Rede- und Denkweise merkte, tim damit manches Schwierige im Gesetze zu erklären/ Erzählte zu seinen Schülern Männer heidnischer Abkunft. So einen Ammoniter-, einen Proselyten Aegypter? den berühmten Aguila, Achtes," u. a. m. Weiter hielt er den Betrug auch gegen einen Heiden als gesetzlich verboten,'" und erklärte die von heidnischen Gerichtsbarkeiten ausgestellten Schuldscheine und andere Docnmente für rechtsgültig." Eine wahrhafte Frische athuien seine Worte über: >1. Religio n, N ä ch st e n li e b e und W o h lthätigkeit, Menschenleben, Mord, Eollisions sä lle. Die Hauptstücke der Religion sind nach ihm die Gottes- und Nächstenliebe. Die Liebe zu Gott, die den Tod für ihn nicht scheut, erscheint ihm als die Spitze des religiösen Lebens.'- Auf einer anderen Stelle sagt er: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, dieses Gebot ist das Grundgesetz der Thora, damit du nicht sagest, weil ich verachtet worden bin, werde der Andere mit mir verachtet; weil ich beschimpft bin, werde der Nächste mitbeschimpst.'" Wohlthätigkeit empfiehlt er in vielen Lehren als ein 'Aboda sara 55. "Sabbath 156. "Sanhedrin 65. 'Sabbath 8. -'Siehe Aelternverehrnng. "Siehe: Min, Philosoph, Rosch Haschana 20. Sanhedrin 77. ''Berachoth 01. "Iebairwth Tosephta Kidduschin Absch. 5. "Ierus. Kidduschin Absch. 1. '"Baba kaum l l3. "Gittin 11. '"Beracholh 1 O. ton “j-üd: nst „Du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit deiner ganzen Seele" d. h. auch wenn das Leben genommen wird. "Midr. r. I M. Absch. 23. Ein späterer Lehrer, R. Tanchtlma, fügt hinzu: „So du dieses thust, wiffe, wen du verachtest und schändest: im Ebenbilde Gottes schuf er ihn." Delitzsch in seiner Broschüre Jesus und Hillel giebt nach Markus 12, 28. 34. die Verbindung der Gottes- und Nächstenliebe als die Grundlehren der Religion für die cigenthümliche Lehre von Jesus ans, wie er die Talmudlehrer überragt, abervergißt, daß dieselbe Lehre als Ausspruch vonR. Akiba ausgestellt wird. Werk, das vom Tode rettet.' Andererseits mahnt er den Empfänger vor Mißbrauch der Almosen. „Wer Almosen nimmt und deren nicht nöthig hat, stirbt nicht früher, bis er verarmt und auf die Gaben der Menschen angewiesen wird."" Das Menschenleben ist nach ihm ein Heiligthum, die Wohnstätte der Gottähnlichkeit, und der Mord gleichsam eine Verminderung derselben? In Eollisionsfällen war seine Lehre: „Dein Leben geht dem deines Nächsten vor/" Arbeit, Ehe, Frau, Sabbath, Feste, Beschncidung, Gebet, Studium der Thora, Sünde, Buße, Sühne, Jenseits n. a. m. Die 'Arbeit, lehrt er, ehrt den Mann, und dies ist ihr Vorzug? Ferner: „Unterziehe dich jeder Arbeit, wenn noch so niedrig, und sprich nicht: „Ein Priester bin ich, ein großer Mann!"" In der Ehe sieht er das sittliche Prineip sich verwirklichen: die Ausrotlung der Unzucht und die Erhaltung der Keuschheit. „Entweihe nicht deine Tochter, sie der Unzucht hinzugeben;" gegen dasselbe handelt der, welcher seine erwachsene Tochter nicht verheirathet? „Mann und Weib, Gott in ihrer Mitte."" Seine Dprüche über die Ehrenhaltung der Frau sind: „Wer aus den baldigen Tod seiner Frau wartet, um sie zu beerben, oder eine andere Frau zu heirathen, stirbt _ früher, unb wird von ihr begraben."" „Wegen der tugendhaften Fraiten in Aegypten erhielten unsere Väter die Erlösung daselbst.""' Seine Lehren über Sabbath, Beschneidung, Studium der Thora und Jenseits bitte ich in den betreffenden "Artikeln hier und in Abtheilung 1. dieses Werkes nachzulesen. Von seinen Lehren über die Feste bringen wir die schöne symbolische Deutung der Darbringung des Diner, der Erstliugsgarbe, am Passahfeste als Zeichen ,des DankeS und der Bitte: „Gott möge die Früchte des Feldes segnen;" die der zwei Brote am Wochenfeste: „Gott möge die Bamnfrüchte segnen;" die rer Wasserlibarion am Laubhüttenfeste: „Wegen des Segens des 'Regens im Jahre."" Im Gebete will er Andacht haben, und erlaubt in Fällen, wo dieselbe bei dem Achtzehngebeie unmöglich ist, die kürzere Form desselben zu beten.'" Die Sünde entsteht nach ihm in Folge der menschlichen WitlenSsreiheil, daher sie nur beim Menschen und nicht beim Thiere angetrossen wird." Der Sünde? kann durch Besserung seines Wandels Versöhnung erlangen. „Wie zerbrochene Gold- und Glasgefäße wieder mngeschinolzen werden können, so auch der, welcher gesündigt hat."" „Wohl Euch, Israeliten, vor wem ihr euch reinigt, und wer euch reinigt, euer Vater im 'Sabbath I '»<'». "Aboth de 9t. Nathan 3. Midr. r. 1 M. Absch. 31. rvn;-in irrr? “jsv^rr. 'Baba mezia 02. Gegen die früheren Lehren, man darf nicht das Leben eines Anderen preisgeben, um das seinige zu retten. '"Aboth de R. Nathan Absck. l l. r.'byn nswra rrbiTJ. "Das. 'Sanhedrin 77. "Sote 17. "Aboth de 9t. Nathan 3. Vergl. hierzu Abtheilung 1. Artikel: Scheidung. "'Midr. r. 2 M. Absch. 1. "Rvsch haschana l7. min m?:N ir: "Das. 28. »Sanh. 57. "Ehagiga 15.

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