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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-03 · Heft 23 (3.6.1873) · p. Seite 374

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 23 (3.6.1873)
Date
1873-06-03
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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welche den feit einigen Monaten Seitens der königlichen Regierungen gegen die in der Provinz amtirenden ausländischen Enltnsbeamten ergriffenen energischen Maßregeln mit Aufmerksamkeit gefolgt fine. Tie leniglickw Regierung hat bereits verschiedene ans Polen gebürtige Enlmsbeamten ihres Amtes enthoben, weil sie des Rachweifes eines Prüsungsattestes, sowie einer Ratnraltfationsurtnnde entbehrten, in letzteren! Falle sogar die Gemeindevorslänre und die Beamten wegen gesetzwidrigen Eontraetabschlnsses in Strafe genommen, da ein solcher nur Inländern gegenüber statthaft sei. Schon leiden einzelne Gemeinden empfindlich unter diesem Rothßande, entbehren seit Monaten eines Beamten, und bei dem gegenwärtigen Mangel an deutschen Retigionslehrern müssen sich die Verhältnisse immer trauriger gestalten.*, Wir wissen nicht, durch welchen einzelnen Fall die Regierung zuerst dahin geführt worden ist, seither unbeachtet gebliebene gesetzlicke Borschristen plötzlich in so scharfer Weise zur Anssührnng ztl bringen, haben auch persönlich das wärmste Mitgefühl mit diesen, ohne Weiteres brodlos gemachten Familienvätern — renn verheirathet sind sie trotz ihrer Jugend alle ----- aber wir können vom Stankpnuete unserer Bereinsbestrebungen aus diese Maßregeln doch nur als durchaus heilsame bezeichnen, sie bilden die überzeugendste Illustration zu der Darstellung der Berhältnisse, die das Gründungseonütö im Jahre 18U8 in seinem ersten Ausrufe gegeben, und enthalten die Mahnung an alle Gemeinden der Provinz, sich dem Bereine baldigst attzuschließen, um mit vereinter! Mitteln gemeinsam den Schäden abzuhelsen, unter denen wir Alle gemeinsam leiden." —. Nicht minder erfreulich lautet der zwölfte Jahresbericht, den das israelitische Waisenhaus über sein Berwaltnngsjahr 1S72 erlassen hat. Im vorigen Jahre hat der Eommereienrath Moritz Simon Thaler gestiftet zu einer Abtheilung für Mäkchen, und diese ist nunmehr hergestellt werden. DaS Haus erzieht demnach jetzt zehn Knaben und fünf Mädchen, und vermag wieder zwei neue Zögling auszunehrnen. Die Einnahmen beliefen sich, einschließlich jener 1 >>,<><><> Thaler, aus l I,«!2'.« Thlr.; die Ausgaben aus 2278 Dhlr., wovon S.r»:t Thlr. aus die Grundstücke des Hauses zu verwenden waren. Ter Bestand ist demnach I 1,2.'.! Thaler. Thorn, im Mai. «Privatmitth.) Ter Borstand der hiesigen Gemeinde hat, wie im vorigen Jahre, so auch jetzt, einen Berwaltungsbericht <sür das Jahr 1872) veröffentlicht, und bemerkt einleitend, daß diese Publieation sehr belebend für alle Gemeindeanstalten gewirkt habe. Im verflossenen Jahre wurde die Synagoge umgebaut, um sie möglichst zu vergrößern, und die Einrichtung von Rebenbetloealen nicht mehr nothwendig zu machen. Ein Berein gegen die Hausbettelei hat sich im Fe- *) So geht immer mehr in traurige Erfüllung, was wir unseren Glaubensgenossen bereits l 827 zugerusen haben, ohne Gehör zu finden. R e d a c 1 i o n. brnar IS72 gebildet, und macht die vortheilhastcsten Erfahrungen. Fast die ganze Genteinde hat sich ihn, angeschloffen, und 874 Personen wurden mit r» I 2 Dhlrn. unterstützt, für welche nun der Hansbettel erfolglos ward, so daß er nicht mehr stattsinden kann. Au jedem Tage befindet sich zweimal zu bestimmter Zeit ein Mitglied des Bereinsvorstandes im Sessionszinuner der Gemeinde, und ein durchwandernder Hülssbedürstiger erhält dort eine Unterstützung von zehn Silbergroschen bis höchstens fünf Thaler. Ein Unterstützter darf nur nach drei Monaten wieder um Hülse nachsnchen. Tie Einnahme betrug 7Thaler, die Ausgabe t'.-li» Thaler (ric nöthigen Utensilien wurden angeschasst), der Ueberschuß betrug Ms Thlr. — Hinsichtlich des Armenwesen S überhaupt hat die Gemeinde mit der Stadt das Abfinden getroffen, daß die Gemeinde ihre Armen selbst erhält, dagegen von der Stadt zehn Preeent der von den Mitgliedern der Gemeinde eniricbtelen Eeniniuualabgaben zurückerhält. Sic erhielt so l 872 2 1 l Thaler, und erhält 187.2 2iin Thaler. Die Gemeinde selbst gab für das Armenwcsen 187 2 die Summe von 2 12 Dhlrn. ans. — Tie Anstalten der Gemeinde, namentlich auch die Gemeindeschule und die Religionsschule, befinden sich dauernd in bestem Zustande. Tie Einnahmen der Gemeinde betrugen Thaler, die Ausgaben, einschließlich der Baukosten, YHi!) Thallr; der Ueberschuß wird ans Abminderung der Gelueindeabgaben verwendet. Dieser blühende Zustand der Gemeinde rnotivirt die Auslassung des Berstances, die wir hier auö der Einleitung hervorheben: „Bereits in unserem vorigen Jahresberichte. haben wir in vollem Einverständnisse mit fast allen Gliedern unserer Gemeinde unsere, durch Erfahrung begründete, Ueberzengung von der wohlthätigeu Wirkung des Gesetzes vom 22. Juli 1817 ausgesprochen, durch welches die Berhältnisse der Juden geregelt unk geordnet sind. Tie Zweckniäßigkeit des Gesetzes im Ganzen, wie der meisten in ihm gegebenen und noch gültigen Bestimmungen hat sich uns, wie früher, auch im Jahre 1872 bewährt, und wir fühlen uns auch jetzt wieder gedrungen, es hier ausznsprechen, daß eine 'Aushebung dieses Gesetzes ohne anderweitige, ausreichende, gesetzliche Regelung und Sicherstellung der Gemeiudeverbände wohl den theils separatistischen, theils auslösenden Bestrebungen der auch in unserem Glauben sich kundgebenden beiden äußersten Richtungen entgegenkommen, aber die Erhaltung vieler jetzt in gutem Gedeihen bestehenden Synagogengemeinden, namentlich der mittleren und kleineren in Frage stellen, vielleicht ihre 'Auslosung herbeisühren, und dantit vielen unserer Glaubensgenossen Rachthei! an Geist und Herzen bringen würde." Ochrnchisch-iiii^ariscko Monarchie. Wien, l'.>. Mai. (Privatmitth.) Wenn Sie von meiner heutigen Eorresponden; etwas Anderes erwarten, als einen Blick ans die unselige i'age des hiesigen Platzes, so hätten sie sich geirrt. Die Freude an der großartig gelungenen Weltausstellung

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