Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1873)
- Date
- 1873-06-03
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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373 des Herrn A. H. Hey mann in Berlin von 2000 Thalern, und eine Wohlthätigkcitslotterie, geleistet, deren Verlosung am 15. d. stattfand. Ihre Majestät die Kaiserin sandle 50 Thlr., Ähre Majestät die Königin-Wittwe 25 Thlr.; Ähre. Hoheil die Princessin Karl und viele Damen vom hohen Atel unterstützten die Loterie durch mannichfaltige Geschenke, sowie die Gräfin Jtzenplitz Seitens des vaterländischen Frauenvereines 100 Thalcr übermachte. Hierdurch ist das schöne Werk bedeutend vorgerückt, aber zugleich die Bürgschaft gegeben, daß die weiteren bedeutenden Bedürfnisse durch den Edelmuth der Menschenfreunde befriedigt, und der nothwendige Ausbau der so schön begonnenen Anstalt durchgeführt werden könne. Dank daher allen den Förderern der heiligen Sache, und ihnen die innige Bitte, auch fernerhin Derselben Aufmerksamkeit und thärliche Unterstützung zu gewähren. Cöln, 1-1. Mai. tPrivatmitlh.) Wenn man manchmal fragt, auf welche Weise die Lügen in die Welt gekommen sind, die während des Mittelalters über die Inden sich verbreiteten, und so schreckliches Unheil über sie brachten, so hat man in diesen Tagen ein Pröbchen haben können, das hinreichende Erklärung giebt. Ein klerikales m ü n ch e n er Blättchen berichtete, und andere klerikale Blatter erzählten es ihm nach: ein Jude in der Schweiz habe dem Bischof Lachat ei» Kästchen mit einem Stricke und einem Todtenbeine geschickt, um ihm anzeudeulen, mit diesem Stricke solle der Bischof sich hängen «und was soll er mit dem Beine thun?). Kurze Zeit darauf sei durch die Fügung der göttlichen Vorsehung der Äude zu einem Seiler gekommen, der ihm Geld schuldig war, und habe ihm deshalb zugesetzt, worauf der Seiler einen Strick genommen, und den Juden gehenkt habe. Name uub Ort hat das Sudelblatt weislich verschwiegen. Man braucht nicht erst darauf hiuznweisen, das; die ganze Geschichte erlogen ist; sie trägt dies an der Stirne Was hat wohl ein Jude mit der Amtsentsetznng des Bischoses Lachat zu thun? Aber ebenso gut fragt man, warum sollten die Juden Hostien entweihet haben? Warum die Brunnen vergiften jc.V Die Geistlichkeit hatte leider immer ein Interesse daran, die Inden ihren Gläubigen verhaßt zu machen, und diese zu der Verfolgung Jener anzustacheln, und zu diesem Zwecke war ihnen keine Lüge grob genug. Auch jetzt versuchen sie dasselbe Mittelchen auf jede Weise zur Verwendung zu bringen; indes; die dumme Brasse, die ihren Lügen Glauben schenkt, ist Gott sei Dank immer kleiner geworden, so daß sie mit ihrem Luge Nichts mehr ausrichtcn, als sich selbst vor aller verständigen Welt zu brandmarken. Allein eine andere Seite ist an dieser von den klerikalen Blättern mit so vielem Ernste wiederholten Geschichte zu bemerken: die so überaus verkehrte Lehre von der göttlichen Vorsehung, die sie dem Volke einprägen wollen, und die auf den schädlichsten Mißbrauch dieser hohen und trostvollen Lehre der Religion hinausläuft. Um den Spötter für seinen schlechten Witz zu bestrafen, soll cs die göttliche Vorsehung sein, welche einen anderen Menschen verleitet, ein Mörder zu werden! Eine Mordthat soll die Strafe für einen widerwärtigen Spott sein,. und darin eine Befriedigung der göttlichen Vorsehung liegen!! Solche Lehren aus geistlichem Munde müssen alles Rechtsbewußtsein im Volke umkehren, alle Scher; vor groben Verbrechen abstnmpfen und die Begriffe der Religion in das Gegeniheil von Dem verwandeln, was diese in Wahrheit dem Menschen lehren will. Wer solches Gebaren von Denen sieht, welche die Stützen der Kirche sein wollen, der wird sich sagen, daß diese Stützen die faulsten Theile der Kirche sind, und daß, wenn sie kein besseres Fundament hat, sie dem Einstürze nahe sein muß. Ueberhaupt glauben wir, das; es zumeist die Zeitungen und die Parlamentsredner sind, welche die kirchliche Frage in der Gegenwart so aufplustern, wie sie täglich vor uns erscheinen. Wenn man sie, ausgenommen etwa irgend eine Staatsaetion, mit Stillschweigen überginge, wäre sie bald aus der Welt geschasst. Denn wir sehen, daß, wo irgend die Staatsregierung mit Ernst und Nachdruck handelt, der mit so vielem Pompe angekündigte Widerstand wie Rcbeldimft verschwindet. Königsberg i. Pr., im Mai. lPrivatmitth.) In jüngster Zeit ist hier abermals ein außerordentlicher Professor jüdischer Eonsession, Herr De. Jakobson, zum ordentlichen Professor ernannt worden. — Ter „Israelitische Studienbesördernngsverein für Ost- und Westprenßeu", welcher Stipendien für dürftige Studirende jüdischer Religion, sowie die Heranbildung tüchtiger Religienolehrer znm Zwecke hat, veröffentlichte so eben seinen vierten Jahresbericht, aus dessen Einleitung wir folgende interessante Stelle hcrausheben: „Rach vierjährigem Bestände zählt der Verein bereits gegen!<><> Mitglieder, und 17 Gemeinden der Provinz sind in ihm vereinigt. Im Laufe dieses einen Jahres sind nicht weniger als fünfzehn Gemeinden neu gewonnen worden. Während der Verein schon bis hente in der Lage gewesen ist, allen statutarisch zulässigen Gesuchen um Universitätsstipendien zu genügen, außerdem drei Lehramtseandidaren ans auswärtigen Seminarien zu unterhalten, einer größeren Anzahl würdiger Stutirender, die nicht der Provinz angehörten, Subventionen;n bewilligen, und schließlich in Voraussetzung einer beantragten Sratutenerweiternng seine Unterstützung auch auf solche junge Leute anszudehnen, die sich einer technischen oder künstlerischen Laufbahn zugewendet haben — verfügt er bereits über einen eisernen Fonds von circa -1500 Thalern, steht eine Schenkung von weiteren 150« Thalern im Laufe dieses Jahres in sicherer Erwartung, und somit dürste in Bälde der Zeitpunct herangekommen sein, in dem wir über hinreichende Mittel verfügen, um die Gerneinden der Provinz zu einer Besprechung der Frage einladen zu können, inwieweit die Errichtung eines Provi ncialsemin ars in einer geeigneten Stadt der Provinz zur Ausführung gebracht werden könne. Daß aber diese Frage inzwischen eine brennende geworden ist, werden alle Diejenigen bezeugen,