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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-06-03 · Heft 23 (3.6.1873) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 23 (3.6.1873)
Date
1873-06-03
Page
Seite 371 (sequence 3)
Language
German
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371 währendes Niedersteigen, nur feiten, wie unter dem Könige Sofia, durch ein Erwachen des religiösen (Geistes unterbrochen. Die Flamme erlosch nie, ater sie war nur spärlich durch die Propheten und ihre Anhänger genährt. So ging das Volt in die Berta nnung. Mit dem zweiten Bestände des Volkes im heiligen Lande hebt die zweite große Periode seines religiösen Daseins an. Wir sehen mit dem Beginne derselben das Heikenthum aus dem Volke völlig gewichen; die Gotteslehre hat mit diesem im Schoße des Volkes keinen zweiten Kamps zu bestehen. Wie war Dies gekommen? Was das Bolk in die Gefangenschaft mitgenommen hatte, hat es auch daselbst bewahrt: ein Theil desselben, um die Propheten geschaart, war durch das Unglück nur um so fester an die von den Vätern tradirte Gotteslehre geschlossen, während der andere sich den Meinungen und Sitten der Völker zu ergeben geneigt war. Das Vorhandensein des Ersteren zeigt sich nicht tlos durch die Propheten des Epiles, Ezechiel, Iesaia 1l (Eapp. 10—001, sondern auch durch die geschichtlichen Daten, welche uns aus dieser Zeit, wenn auch legendenhaft umkleidet, überliefert worden sind. Eben das Mißgeschick, die Fremde, der schärfere Gegensatz des babylonischen .Heidenthumes, vermehrt sicherlich den glaubensanhänglichen Theil der jüdischen Masse. Von Zeit zu Zeit erkämpfte sogar die Gvtteslehre einigen Sieg über das Heikenthnm in den in aßgeb enden Kreisen Babylons. Ter Ausruf ztir Rückkehr in das freilich verödete und mit Trümmern bedeckte Land der Väter erging an die gesammte Masse, vom Propheten mit fenerigcr Zunge ausgesprochen, vom persischen Eroberer unterstützt, aber die babrckouische Knechtschaft war keine ägyptische; sie war mild, und ließ den Fortgeführten freien Raum zu Niederlassung und Erwerb. Nur ein verhältnißniäßig kleiner Theil des Volkes folgte dem Rufe. Ties konnte -nur ein durch und durch glaubenstreuer, durch die Hoffnung großen Heiles erwärmter sein, denn es galt, die Gefahren einer langen Wanderung und die Mühsale eines Wiederaufbaues zu bestehen. Somit war die Geisiesrichnmg dos zurückgekehrten Volkes gegeben. Die Stiinmen, die sich seitdem an dasselbe richteten, sprechen Nichts von Heidenthum und Götzenbildern. Die politischen Verhältnisse bestärlten das Volk in seiner Absonderung. Die benachbarten Völkerschaften waren ihm feindlich gesinnt, ohne eine andere Bracht zn besitzen, als eine solche, die durch eiuigcn erwachten Muth abgewehrt werken konnte. Allein das Volk war arm an Gütern, aber auch an Geist. Es kostete große Anstrengung , um cs zur Vollendung des Tempelbaues über dem gleich Anfangs anfgerichteten Altäre zu bewegen. Es war nicht sittenrein, renn seine Propheten zürne» über Meineid, Diebstahl, eheliche Unkeuschheit, und später über den Wucher, den die Reicheren mit der Roth der Armen trieben; ebenso war es unwissend, und kannte kaum die hauptsächlichsten Gesetze. Aber es war gottessürchtig, wie solch armes Volt es ist, und darum geneigt, den ihm aus reckjtem Mmrre «ns mit Nachdruck verkündeten Lehren sich mit großen Opfern hinzugeben. Die strenge Feier des Sabbathes, die Entsermmg fremder, znm Götzendienste verleitender Weiber, die Darbringung reiner Opfer, die Leistung des Zehnten an die Leviten und Priester, den Erlaß der Schulden au die ärmere Elaste, führte es willig auf das C^ebet seiner Häupter, insbesondere Esra's und Nehenüa's, durch. Da sammelten sich die Wistenskundigeren zn einer Gemeinschaft <„die Männer der großen Versammlung"), ein Gelehrtenstand mitten ans dem Volke heraus bildete sich, der Unterricht res Volkes in Lehre und Gesetz gewann bestimmte Institutionen, Vorlesung und Erklärung der Thora wurde zur sabbathlichen Veschästigung des Volkes in Lehr- und Vethäusern, Verwaltung unk Gerichtspslege wurden durch Einsetzung von großen und kleinen Synedrien geordnet. Dies, wie es sich mn den ztoeiien Tempel mit seinem Enltns grnppirte, bildete die festen Grundlagen für die zweite großartige Entwickelung. «Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. 'Ans Snddeutschland, im März. Darf man es wirklich noch einmal wagen, das Wort über die geistige Mißgeburt zu ergreifen, welche unter den, Warnen „der Pentateuch übersetzt und erläutert von Sa ms o it Ra p h a e f H i rs ch" in Frankfurt am Main das Licht der Welt erblickt? Der dritte Band dieser unerschöpflichen Fundgrube des höheren, wie des gemeinen Blödsinnes, ist erschienen, und bietet in der Uebersetznng und Erläuterung eine Masse ergötzlicher Dinge; so z. B. Eap. 1, Es übergiebt der Priester das Ganze zur Anfdampsuug dem Altäre hin als ein Emporopfer als einen durch Feuerhingebung zu gestaltenden .Willfahrnngsanstrnck an Gott. Eap. 2, 11.-Denn von dem mindesten Sauerteig und der mindesten Frucht-Süße dürft ihr keine Feuer- Hingebung an Gott aufdampsen lassen. Eap. 1l>, 7. Wenn es har am dritten Tage gegessen werden sollen, so ist es ein Verworfenes, es wird darin nicht ein Entsprechen des göttlichen Willens erblickt. Eap. l'.r, 2<».-fo soll sie einer Diseiplinarstrafe unterliegen — — Eap. 21, 11. U. zu keinerlei als Leiche darliegenden Persönlichkeiten eingehen «oder: zu keinen die Persönlichkeit repräsentirenden Theilen einer Leiche), nicht in Beziehung zu seinem Vater n. nicht in Beziehung zu seiner Mutter darf er sich verunreinigen. 23*

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