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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-05-20 · Heft 21 (20.5.1873) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 21 (20.5.1873)
Date
1873-05-20
Page
Seite 346 (sequence 10)
Language
German
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346 Ich mtfdjte fast vermuthen, daß bereits darauf hin in irgend einem Geschichtswerke Dieses und Jenes über einen jüdischen Schatzmeister vermuthet werde. Was ist's aber? Nichts mehr und nichts weniger als am Schlüsse vom Buche der Chronik die masoreiische Angabe, daß die erste Hälfte der im ganzen Buche enthaltenen Anzahl von Bersen bei dem 24. Berse des 27. Capitelö zu Ende gehe. Es sind also die Worte bn -tcorr "2ni Vxn? p ^b?:^ ims», die 2lssemani falsch eopirt und, weil sie die letzte Zeile der Handschrift bilden, ohne weitere Prüfung für den Namen des Besitzers gelesen hatte. Wie hier den Schluß, so hat Asiemani nicht selten auch den im Anfänge einer Schrift genannten Besitzer als den Namen des eigentlichen Autors mißverstanden, und somit in seinem Kataloge Schriftwerke erfunden, die nie ezistirt haben. Daß hierdurch manche Verwirrung erzeugt worden ist , die nicht Wenige irre geleitet hat, darüber können viele Belege vorgeführt werden. — Am 1. d. M. hier angelangt, habe ich gestern beginnen können, die Laurentiana zu benutzen, nach deren Absölvirung ich noch Bologna und Jmola besuchen will, um dann, so Gott will, Ende dieses Monates in Parma einzutressen, und nähere Einsicht in die großartige Bibliothek daselbst zu gewinnen. Bon dort aus darf ich Ihnen wohl wieder einige Zeilen senden. Mit Hochachtung Dr. Berliner. Nachschrift. Für meine Adresse in Parma ist die Hinzufügung einer näheren Bezeichnung nicht nöthig. I nt i l Zo ifl es gekommen. Erzählung. <Schluß.) Vlll. Die Tage, die hierauf folgten, waren trübselig. Eine dumpfe Schwüle waltete in unserem Hause, und lag drückend auf uns Allen, trotzdem draußen ein seltener Frost herrschte, wie er hier zu Lande im Februar nicht häusig ist. Wir zählten damals das traurige Jahr 1831. Kaum daß wir einige Worte über das Nothwendigste wechselten. Es war uns, wie wenn ein schweres Gewitter in der Luft hinge, wie wenn auf Das, was geschehen war, irgend ein schrecklicher Ausbruch folgen müßte. DaS Gewitter brach los, der Ausbruch erfolgte, schrecklicher, als wir es vernruthet hatten. Eines Morgens durchlief die Stadt das Gerücht, in der Nacht sei eine Brigade kaiserlicher Gendarmen in die Stadt gerückt, habe verschiedene Häuser besetzt und durchsucht, Verhaftungen vorgenommen, und ein Dutzend Männer und Jünglinge in fest geschlossenen Wagen nach der Citatelle von Mailand abgeführt. Das war eine Schreckensnachricht für Alle. Aber was ging sie mich an, außer dem Mitgefühle, das ich mit den Gefangenen empfinden mußte. Ich kümmerte mich so wenig um Das, waS in der Welt vorging, hatte ich doch an nieincm häuslichen Kummer genug zu tragen. Ich wußte wohl, daß es in unserem theuercn Italien schlimm zugegangen war. Man hatte sich seit Jahren von einer Verschwörung zugcraunt, die im Dunkel das Volk gegen die Herrscher aufwühle, man nannte sie Carbonari. Jüngst waren in den päpstlichen Staaten Ausstände in Bologna und anderen Städten vorgekommen, aber ein östreichisches Heer war eingerückt, und hatte den Aufruhr niedergeschlagen. Dies hinderte nicht, daß in Modena, Parma und an anderen Orten die Empörer sich erhoben und ihre Fürsten verjagten. Jetzt wollte die kaiserliche Negierung mit aller Kraft l e t o n. die Bewegung unterdrücken, und vor Allem die Häupter des geheimen Bundes in ihre Gewalt bekommen. In einer und derselben Nacht wurden in allen lombardischen Städten, in welchen man solche vermuthete, Verhaftungen vorgenonnnen. Spione hatten sich über das ganze Land verbreitet, und an Denuncianten fehlte cs nicht. Die Nachricht bekümmerte uns wohl, aber betraf uns doch nicht selbst. Da, eine Stunde später, kam der Apotheker Faro zu mir, um mich heimlich zu sprechen. Sein Aussehen war verstört, und hastig flüsterte er mir die Worte zu: „Ich sollte es eigentlich nicht thun, denn man lauert uns Allen überall aus, und ich selbst mag schon zu den Verdächtigen gehören, aber ich kann cs nicht über das Herz bringen, ich muß cs Euch sagen. Heute Nacht brachen Gendarmen in mein Haus,- fahndeten auf Giaeomo, durchsuchten sein Zimmer, und führten ihn gefangen nach Mailand fort. Gewiß er ist unschuldig; der wackere Junge beschäftigte sich ja mit Nichts, als' seinen Büchern und Retorten, und niemals habe ich ein Wort des Unwillens gegen die kaiserliche Negierung aus seinem Munde gehört. Das Eine nur ist schlimm, daß er, wie Ihr wißt, bisweilen des Nachts außerhalb des Hauses war, da mag man ihn spät Hein,kehren gesehen haben. Doch sicherlich wird seine Unschuld schnell zu Tage kommen, und er wird zurückkehren. Aber ich glaube doch, daß ihm ein Freund in der Noth sehr zu Statten kommen könne; darum theile ich Euch dies mit, denn ich weiß keinen Anderen, der sich um Giaeomo Basso kümmerte." Ich war wie vom Blitze getroffen, ich fand kein Wort der Erwiederung; ich starrte noch auf die Stelle hin, als der redliche Apotheker längst wieder verschwunden war. Giaeomo ge. sangen, dcö Hochverrathes angeklagt, in der Citadeste von Mailand! ... Ich konnte.es nicht begreifen, es war mir ein Gedanke, der mir so fern lag, .wie der Sabbation, von dem die legende erzählt. Da ergriff es mich plötzlich, ich nmßte ihm zu Hülfe eilen, seine Unschuld bezeugen, Gott und die Welt zur

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