Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1873)
- Date
- 1873-05-13
- Page
- Seite 332 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Selbstvertrauen, rem die Jugend sich so gern crgicbt, und in welchem ihr Nichts unüberwindlich erscheint. Es war seine Absicht nach Padua zu gehen, um Mediein zu studieren, und glücklicher Weise hatte ihn sein Lebrherr Faro so lieb gewonnen, und versprach sich so viel von seiner Zukunft, daß er ihm die Geldmittel zum Studium vorschießen wollte, unter der Bedingung der ^Rückzahlung, und daß er sich in Porlezza als Arzt niederlassen, und seine Kundschaft ihm, dem Faro, zuwenden solle. Es war ries wenigstens ein Lichtblick an. dem düsteren Himmel, rer uns umgab. Samuele unterließ nicht, die folgenden Tage seine Tochter um ihre Zustimmung zu der verhaßten Heirarh immer wieder zu bestürmen. Allem Grazia blieb standhaft, nur weder seine Schmeicheleien und Verheißungen, noch seine Drohungen und Schmähworie erschütterten sie in ihrem Entschlüsse. Ten ersteren setzte sie Thräneu, reu letzteren Ruhe und Kälte entgegen. Sie ging umher mit bleichem Antlitze, znsammengepreßlen Lippen und gesenkten Blickes; die Haltung ihres zarten Körpers aber, und rer feste Ausdruck, der aus ihren Augen schoß, wenn sie aufblickte, zeugten von der Entschiedenheit ihres Wittens. Als ihr Vater in seinem Grimme ihr drohte sie aus rem Hause zu jagen, antwortete sie ruhig: „Gut, so werde ich draußen das Stückchen Brod suchen, dessen ich bedarf, und sei es als-Magd. Schlimmer als bei Tir, Bater, kann cs mir doch nicht ergehen." Einige Tage darauf kam der verheißene Bräutigam an. Cut) hatte ihm die Pforte geöffnet, und sein Anblick machte mich erbeben. Ich setzte Grazia davon in Kenntnis;. Eine halbe Stunde später ries die gellende Stimme Samnele's Grazia herunter. Sie rührte sich nicht von ihrem Platze. Er wiederholte den Ruf; immer stärker und dringender. Derselbe Erfolg. Ta stürzte er die Treppe heraus und in das Zimmerchen Grazia's, und forderte sie mit äußerster Heftigkeit aus, ihm zu felgen und ihren Bräutigant willkommen zu heißen. Sie antwortete, keine Bi acht rer Welt werde sie hierzu vermögen. Das war für Samuele zuviel; er ergriff mit seiner eisernen Hand den Arm res Märchens, um sie herunter zu schleppen. Aber sie hielt sich am Tische fest und ries um Hülse. Samuele erhob die Faust, sie zu mißhandeln. Ta stürzten ras treue Mädchen und uh herein, wir warfen uns zwischen die beiden, und drängten Samuele zurück. Tie Magd und Grazia entflohen in die Nebenkammer und verriegelten die Thüre. Nun, es fand noch ein tüchtiges Wortgefecht zwischen mir und Samuele statt; aber er sah ein, daß er jetzt hier Nichts ausrichten könne, und unter Flüchen stieg er die Treppe wieder hinab zu seinem erwünschten Schwiegersöhne, Nach einer Stunde verließ dieser das Haus; Samuele mochte ihn zur Geduld ermahnt haben, da das Mädchen noch zu jung sei und sich noch sträube; mit der Zeit werde pch das geben. Signor Ginsliani war nicht rer Mann, der einen erhofften selten Bisten darum aufgebe, weil er ihn nicht alsbald ausgetragen sah. Giacomo durfte uns also nicht mehr besuchen. Er war jedoch nicht der Mann, der sich dem Verbote seines gehässigen und gehaßten Oheimes willig unterzog. Auch ich glaubte mich nicht verpflichtet, mich der Grausamkeit meines Herrn theilhaftig zu machen. Und Grazia sah mich so bittend an, ihre Lippen zitterten, und ohne daß sie sprach, verstand ich sie. Verabredungen mit Giacomo zu treffen, ward mir nicht schwer, da ich Besorgungen in der Stadt genug zu machen hatte, und Giacomo kannte meine gewohnten Wege zu genau, um mir nicht allezeit begegnen zu können. Wenige Monde noch, und er mußte Porlezza verlassen. Wie sollte ich mich nicht bewogen finden, die beiden Kinder sich dann und wann sehen und sprechen zu laßen? Ein geeigneter Ort war bald gefunden. Trüben die alte verlassene Synagoge bot Raum genug dazu. Sie war ja seit jener unglückseligen Nacht von 1797 ihrem heiligen Zwecke entfremdet, und ward nur zur Aufbewahrung von Gerümpel, und zeitweilig zur Niederlage von Waaren benutzt. Das Volk umher schenete sie, und flüsterte von seltsamen Erscheinungen, von Lichtglan; in vunkelen "Nächten, der plötzlich erlösche, wenn Lebende sich näherten, von dmnpfen Gesängen, die sich darin vernehmen ließen; kurz, man betrachtete sie als den Sammelplatz der Geister Derer, die ehemals darin ihre Andacht vollzogen. Nun, so etwas von diesem Glauben lag mir nicht ganz fern, aber der Drang der Umstände überwand meine Schm, nur ich meinte, die Geister, welche dahin kämen, wären doch nur die Freunde der unglücklichen Kinder. Heimlich räumte ich darin etwas ans, daß ein Plätzchen frei wurde. Giacomo - erhielt den Schlüssel zum Hinterpförtchen der Mauer, daß er im Schatten der Nacht leicht hineinschlüpfen konnte, und der leichte Schritt Grazia's machte zu später Stunde zu wenig (Geräusch, um sich zu verraihen. So war es mir möglich, den jungen Leuten dann und wann eine Stunde des Glückes zu verschaffen, ihnen, denen bis jetzt die Sonne des Glückes so wenig geschienen hatte, und die der Stärkung in ihrem schweren Kampfe so sehr bedurften. Ter Zeitpunet, an welchem Giacomo von Porlezza scheiden mußte, rückte näher heran. Manche Thräne floß schon darüber aus den schönen Augen meiner Grazia. Sie beschäftigte sich mit einigen Stücken der Ausrüstung des theueren Giacomo und mit der Fertigung eines Angebindes, das sie ihm beim Abschiede überreichen wollte. Ter stattliche, blühende Jüngling war seinerseits voll erheheten Muthes. Tes Trennungsschmerzes schien er nicht zu achten, wenigstens bemühete er sich nur, die Zuversicht, die ihn beseelte, auch in das Herz der Geliebten zu gießen. Er malte ihr die Zukunft in leuchtenden Farben aus; drei Jahre nur werde er zum Studium bedürfen, dann kehre er zurück, an Erfolg in der Praxis könne es ihm nicht fehlen, da die ganze Starr ihn kenne und achte, nur kurze Zeit dann noch, und Grazia wäre mündig, und sie könnte dem Zorne ihres Vaters trotzen. Ach Signor, die Rathschlüsse Gottes sind unersorschlich; ich habe es oft gesehen und erlebt, wenn die Menschen das Ziel