Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1873)
- Date
- 1873-05-13
- Page
- Seite 330 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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330 noch andere Mächte dem Proteste anschtössen. Destreich wäre, der Zahl seiner Staatsangehörigen nach, am Ehesten hierzu berufen; allein wir hegen diese Hoffnung von Andrnssh nicht. Er sucht seine Arrangements mit Rumänien anderswo zu treffen. Das; der obige Schritt, wenn er vereinzelt bleibt, auf die indolente Pforte einen Einfluß übe, erwarten wir kaum. i Rußland. Petersburg, im April. Die berliner Blätter lasten sich von hier Folgendes schreiben:' Bor längerer Zeit schon war in den russischen Journalen von einem jüdischen Prediger, Namens Dainow, die der zuerst in den Dstseeprovinzen aufgetreten, und mit großem Erfolge neue Lehren gepredigt habe. Seine Predigten waren namentlich gegen die Eiuancipation der Juden von der Bevölkerung deS Landes, in welcheni sie leben, hier also von den Russen und ferner auch, was nicht zu vergessen ist, gegen — den Schacher gerichtet, und empfahlen lieber eine geregelte Arbeit, mit der die Sympathieen der Völker zu erwerben wären. Die alten Rabbiner waren mit diesen Grundsätzen nicht im Entferntesten einverstanden, und in Riga entstand in Folge dessen vor einigen Monaten eine Spaltung der jüdischen Bevölkerimg, die Dainow veraulaßte, die Gegend eiligst zu verlassen. Nichts desto weniger aber findet er im ganzen Wcidjc mehr und mehr Anhänger. Gegenwärtig befindet er sich in Petersburg, und hat hier zweimal mit großem Erfolge gepredigt. Bei dem gegenwärtigen Stande der Jndenfrage in Rußland darf ein Ereigniß, wie das Auftreten eines solchen-Predigers, nicht unbeachtet gelassen werden. (Wir haben bis jetzt über diesen Borgang keine Mitthcilnng erhalten, und können daher nicht sagen, was daran Wahres ist, oder ein Urtheil uns darüber bilden. Jedenfalls sieht man, daß viel Geräusch und Aussehen damit verbunden wird. Redact. > Algcrit». Algier, im April. Nach der neuesten Volkszählung von 1S72 zählt die Gesammlbevölkernng Algeriens 2,123,0 15 Muselmänner, 129,001 Franzosen und 31,571 naturalisirte Israeliten. Die Letzteren haben seit 1SOO um 022 Seelen zugcnommen. Brasil»'». Rio de Janeiro, im April. Bor Kurzem haben die Israeliten im brasilianischen Kaiserthume die erste oisieielle Bestätigung ihres freien Bestandes daselbst erhalten. Sie haben nämlich eine Gesellschaft mit dem Namen „Israelitischer Verein von Brasilien, zur gegenseitigen Unterstützung in allen Nolhstänten des Lebens" gebildet. Die Statuten dieses Vereines wurden unter dem 3. Januar 1875 vom Kaiser bestätigt, mit der besonderen Elausel, daß der Verein auch Grundstücke erwerben kann, wenn auch nur, nach dem bestehenden Gesetze, soviel, wie viel für die Zwecke des Vereines unmittelbar nöthig ist. Da früher die katholische Kirche, mit Ausschluß aller übrigen Eonfessionen, in Brasilien alleinherrschend war, so ist die'e staatliche "Anerkennung von Bedeutung. Lächerlich aber muß es erscheinen, wenn die Arch. isr. zu obigen Mittheilungen hinzufügen, daß „bei den mißlichen Verhältnissen, welche - die gewaltsame Annexion des Elsaß Seitens Preußens für die dort wohnenden Juden beschaffen hat, es tröstlich ist, ein weites Gebiet mehr aufzählen zu kennen, wohin die elsässischen Inten gehen könnten." Für diesen, vom Zaune gebrochenen Rath werden sich wohl unsere Glaubensgenossen im Elsaß bestens bedanken. Ieuil So ist es gekommen. Erzählung. 1Fortsetzun g.) VII. Eines Tages kan, Grazia bleich und verstört von ihrem Vater herauf. Sie warf sich in meine Arme, und bald erleichterte sich der Druck ihres Herzens in einem Thränenstrome. Mühsam brachte sie hervor, daß ihr Vater ihr angekündigt habe, in Knrzetn würde der Sohn des reichen Giusiiani hier anlangcn, und sich mit ihr verloben. Ich kannte diesen Mann, der einen sittenlosen Lebenswandel geführt hatte, ein roher verkommener Gesell, der jetzt in den Wegen seines Vaters wandelte, welcher Herrn Satnuele auf's Haar glich. Ich kannte und verabschcuete k e t o n. ihn, und Grazia hatte ihn schon mehrere Male bei ihrem Vater gesehen, der dies wohl absichtlich veranlaßt. Ihr Widerwille war gränzenlos; aber das arme Kind war durch die Mittheilung ihres Vaters so entsetzt gewesen, daß sie, keines Wortes mächtig, nur durch ihr Zittern und ihre Fassungslosigkeit ihre Gefühle dem hartherzigen Urheber ihres Lebens zu erkennen geben konnte. Dieser hatte sich gestellt, als ob er dies gar nicht gewahre, und sie mit einigen Schmeichelworten entlassen, die sonst nicht in seiner Art lagen. Ich tröstete sie, so gut ich es vermochte, und gab ihr die Versicherung, daß aus dieser Sache Nichts werden solle. Ach, ich hatte recht voransgesagt, aber in welch schrecklicher Weise sollte es sich erfüllen! Als Giacomo Mittags nach Kaufe kam. erkannte er die kmitmervolle Stimmung Grazia's sofort, und drang darauf, die