Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1873)
- Date
- 1873-05-13
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
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329 welche einen lesenßwerthen Artitel über das in Rumänien jüngst geschmiedete Dabaksmonopol enthält;- ferner L'Espsrance de Rome, welche in Rr. 3 einen ausführlichen Aufsatz: Les Israclitcs et la justice Koumainc bringt, der die grellen Verhältnisse in diesem Lande in ein Helles Licht setzt. (S. unten Bukarest.» Rnmäntkn. Bukarest, 21. April. (Privatmitth.) Die Sancticnirung des Spirituosengesetzeö hat gezeigt, daß die Gesuche um Vermittelung der auswärtigen Mächte zu Nichts geführt haben, welche man anzurusen berechtigt war, weil nicht wenige Unterthanen derselben dadurch benachtheiligt Werren. Entweder cs geschahen Seitens der Großmächte keine Schritte, oder sie waren fruchtlos. Geholfen kann nur noch durch die Wucht der Thatsachen werden. Es wird sich zeigen, ob dieses Gesetz ausführbar sein wird, ohne das ganze Land zu bedrücken. Der Weg, den die Gesetzgeber Rumäniens eingeschlagen haben, führt zum Verderben. Die Verarmung des Bottes kann nicht ausbleiben. Schon ruht aller Hanrel, und z. B. Galatz bietet einen völlig verödeten Anblick. Ausfuhrartikel sind nicht vorhanden, und die Einfuhr kann nicht mehr bezahlt werten. Anleihen machen und Banken errichten hilft hier nur zum Scheine. Wo keine Production und kein Eeusunl ist, ra verschwindet auch das geborgte Geld, weil cs aufgezehrt wird. — Alan kann voraussetzen, das; die rumänischen Journale zu der Gewaltthätigkeit noch Hohn und Anklagen fügen. Es liegt dies in dem evclen Charakter und der sittlichen Bildungsstufe dieser Menschen. Sic wollen den Wurm treten, und er soll sich nicht krümmen, das Thier schlagen, und es soll nicht schreien. Aber die Tage der Vergeltung kommen unausbleiblich, für die Volker, »vie für die Individuen. Der mißhandelte Mensch braucht hierfür weder zu sorgen noch zu beten. Die Felgen der Handlungen stellen sich von selbst ein. Dies allein ist cS, was wir diesen erbärmlichen Leuten zu antworten haben. —. Das Organ der italienischen und französischen Altkatholiken, die in Rom erscheinende Esperance, enthält einen ausführlichen Artikel, in welchem mit. Geist und Geschick das Recht der rumänischen Israeliten auf Emaneipatien, und die Pflicht des rumänischen Staates zu derselben, nachgewiesen wird. Alle Einwürse der Gegner werden ruhig und sachgemäß, aber siegreich , widerlegt. Wir wollen diesem Artikel nur einige. fouft noch weniger bekannte Thatsachen entnehmen. Gegen den Borwurf der Vaterlandslosigkeit der rumänischen Israeliten wird angeführt, daß, nach dem eigenen Zeugnisse des fürstlichen Schulinspeetors, die Zöglinge der israelitischen Schulen in Bukarest, zulnal derer von spanischem Ritus, das Rumänische ohne jeden fremdartigen Accent sprächen: ein Zeichen, daß diese Sprache von den Kindern seit ihrer frühesten Jugend beständig in den Familien geredet wird. Die rumänischen Juden, deren Vorfahren nie in Ghclti eingesperrt gewesen sind, zeichnen sich^ durch kräftige Fermen und durch hohe Gestalt vor ihren tvesteuropäischcn Glaubensgenossen aus, in einer Weise, welche daS Erstaunen und die Bewunderung jüdischer Reisenden erweckt. Wie falsch sind die Anschuldigungen, daß die rumänischen Juden schädlichen Gewerben oblägen! Der französische Eonsul Mellinet fragte einst den Bürgermeister von Jassy, Gusti, früheren Minister des Cultus und Unterrichtes: ob cs wahr sei, was man ihm gesagt habe, daß der größte Dheil der Juden, zumal, in Jassy, wo sie eine Bevölkerung von fast :>o,uoo Seelen ansmachen, sich mit Kunst oder Handwerk beschäftigten? Gewiß, antwortete der Bürgermeister. Natürlich konnte der Eensnl seine Uebcrraschung nicht verbergen, so nützliche Bürger mit einer solchen Heftigkeit angegriffen zu sehen. Herr Gusti schwieg, aber kurze Zeit daraus gab er einem Israeliten auf eine ähnliche Frage folgende offenherzige Antwort: „Wir wollen die Israeliten noch nicht ans den schwierigeren Gewerben ansschließen, denn wir versieben noch Nichts davon; aber was die leichteren Gewerbe anbetrisft, so verstehen wir sie, und brauchen also die Juden nicht mehr; sie sollen sie deshalb aufgeben!" . Ist daö nicht Barbarei, erasseste Selbstsucht, das bloße Faustrecht? — Tic Gründe für die Mißhandlung der Inden durch die Rumänen findet der wohl nnterrichtete Eorrespondcnt der Espürance in Folgendem: „Die großen Grundbesitzer, die früheren Bojaren, finden es bequem Banquiers zu haben, die nicht ihres Gleichen sind; die christlichen Kaufleute und Bürger finden es bequem Eoneurrentcn zu haben, die nicht ihres Gleichen sind; und die Verwaltung von unten bis oben findet es bequem, eine ganze Bevölkerung von Negierten zur freien Verfügung zu haben, von denen der Ansehnlichste immer noch nicht dem niedrigsten Beamten gleichgestellt ist; sie ist dann der Emaneipation um so feindlicher, als sie jedem Juden täglich ihre Duldung verkauft. Aber es giebt auch allgemeinere Gründe, welche Lord Stanley, als er in seiner Eigenschaft als Haupt des Foreign Officediese Frage zum ersten Male im Parlamente besprach, sofort intuitiv sehr wohl verstanden hatte, und in treffender Weise zum Ausdruck brachte: einerseits die Ausbeutung der schlinunsten Volksneignngen zu Gunsten der Regierung durch ein Ministerimu, daS in der Wahl rer Mittel zur Popularität sehr wenig scrupulöS ist, und andererseits die Genugthnnng, welche ein kleines, eben erst befreites Volk darin fand, einen schwächeren Theil der Bevölkerung zu martern, da diese von Slrastosigkeit begleitete Verfolgung ihm selbst bewies, daß es tvirklich frei sei! Konstautinopel, I. Mai. 'Wie die Times erfahren, haben die vereinigten Staaten von America durch ihren Gesandten in Kenstautinopel gegen das neulich von den rumänischen Kämmern angenommene Gesetz, welches alle nicht als Wähler rcgistrirte Personen von dem Verkaufe von Spirituosen ansschließt, als unvereinbar mit Verträgen, welche den Unterthanen der vereinigten Staaten in allen Dheilen der Türkei Handelsfreiheit zusichern, protestirl. Dies ist der erste lhalfächliche Schritt in dieser Angelegenheit, und cs wäre nur zu wünschen, das; sich 20