Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1873)
- Date
- 1873-05-13
- Page
- Seite 328 (sequence 8)
- Language
- German
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328 tic dem schönen granitenen Denkmale cingcmcißclten, nach dem Propheteuworte geformten Verse: Es ist, da er den Weg des Lebens nahm, Ein Chor von Dichtern ihm erschienen, Und als der Geist des Herrn ihn überkam, Da sang er umthig unter ihnen. Ueber den Versen ist aus weißem Carraramarmor eine Harfe an einem Weidenbaumc angebracht. — Gestern wurde der k. k. Obcrlientenant Jakob Löwcnthal auf dem israelitischen Fried- Hofe zu Währing begraben. Löwenthal, der sich bei Königgrätz besonders ausgezeichnet hatte, wurde damals schwer verwundet; sein früher Tod ist eine Folge jener starken Blessuren. Pest, 1. Mai. Wir entnehmen dem hier erscheinenden „Bürger" folgende Mittheilnng: „Eine pietätvolle Feier versammelte Tonntag, den 20. d. M., Vormittags ln Uhr, ein zahlreiches Publicum in den Räumen des großen Schulgebäudes der pefter israelitischen Cultusgemcinde, und eine wahrhaft festliche Trimmung war es, in welcher die Fahnenweihe des Rabbi-Meiscl-Uhtcrftützungsvereines begangen wurde. Die als Fahnenmuttcr sungirende Frau Diuaora Herzfelder war von einem festlich gekleideten Mädchen mit einer sinnigen Ansprache begrüßt worden, nach welcher man ihr als ein Angebinde des Vereines einen prachtvollen Blumenstrauß überreichte. Nach einer Eröffnungsansprache, des Herrn Directors Steiner und nach vollzogener Absingung der Nationalhymne unter entsprechender Musikbegleitung, hielt das Ehrenmitglied Herr Prediger Dr. K ayserling eine mit stürmischent Beifalle aufgenommene Festrede, in welcher den Mauen des Rabbi Mcisel sowohl, wie auch den humanen Tendenzen des Vereines, die gemüthvollsle Würdigung wurde, und an deren Schluffe der Redner auch durch eine überaus glückliche Wendung auf den Trauact zu sprechen kam, welcher sich zur selben Stunde in der wiener Kaiserburg vollzog. Es wurden nun Seitens der geladenen Gäste die silbernen Nägel in den Fahnenstiel geschlagen, welch Letztere die Namen der Gäste eingravirt enthielten. Unter diesen befanden sich die hervorragendsten Vertreter des Ministeriums,, rer Cultusgemeinden der Tchwesterhauptstädte, die Rabbiner, und Obercantor Friedmann, die Redaeleure der hiesigen bekannten Blätter, Teputirte und Repräsentanten der Stadt, und sonstige durch ihre Stellung hervorragende Persönlichkeiten. Franz Denk hatte in einem Schreiben sein Nichterscheinen durch Unwohlsein entschuldigt, und den Gemeindesecretär, Herrn Barnay, mit seiner Vertretung betraut. Fast kein Nage! wurde in den Fahnenstiel geschlagen, ohne daß ein sinniges Wort dazu gesprochen worden wäre, und säst jedem dieser Worte folgte auch eine gleich schätzenswerthe That, indem Jedermann die schöne Veranlassung gern benützte, nm dem Vereine eine mehr öder minder bedeutende Spende znzuführen. Die Fahnenmuttcr selbst halte mit einer Spende von taufend Gulden einen glanzvollen Anfang gemacht, und cs kamen bei dieser Gelegenheit nicht weniger als 5600 Gulden zu Gunsten des Vereines ein. Zum Schluffe wollen wir noch den unermüdlichen und sehr verdienstvollen Functionär dieses Vereines. Herrn Leopold Wärmer, hervorheben, der die erhebende Feier mit Umsicht und Tact leitete." —. Bei der Eintragung zu den hauptstädtischen Repräsentantenwahlen kam es wiederholt vor, daß Wähler, welche aufgesordert wurden, ihre Onalisieation im Schreiben zu beweisen, nur in jüdischen Currenrlettern zu schreiben verstanden. Nach längerer Berathung entschied die Commission, daß die Fähigkeit in jüdischer! Lettern zu schreiben die Anforderungen des Gesetzes nicht erfülle, da die jüdische Spracht eine todte sei. Prag, 2. Mai. (Privatmitth.) Endlich hat die Repräsentanz beschlossen, die ans 6—SOOO Bänden bestehende Ge-' meindebibliothek, welche seit Jahren im größten Durcheinander in -Stiften verpackt liegt, ordnen und aufstellen zu kaffen, um sie den mit der jüdischen Wissenschaft sich Befassenden zugänglich zu machen. Mit dem Ordnen und Anferiigen eines Kataloges wurden die Herren Di*. Grün und Stark von der Repräsentanz betraut. Ich werde nicht ermangeln, Ihnen seinerzeit über diesen Gegenstand Näheres zu berichten. Der gegenwärtigen Repräsentanz kann man überhaupt das Zeugniß nicht versagen, daß, sie nach Thunlichkeit bestrebt ist, den bei den hiesigen eigenthümlichen Verhältnissen in ihren Wirkungskreis fallenden Aufgaben gerecht zu werden. So hat dieselbe erst vor Kurzem durch die Anstellung zweier neuer Religionslehrer, des bereits genannten Herrn Dr. Grün und des Herrn Freund, auch für den Religionsunterricht an den Volks- und Bürgerschulen bestens gesorgt, was an den öffentlichen Mittelschulen durch die Wirksamkeit des Herrn Rabbiners Professor Adler schon seit mehr als sechzehn Jahren der Fall ist. In Beziehung auf einen unlängst in diesem Blatte behandelten Gegenstand will ich noch bemerken, daß in dem hiesigen israelitischen Spitale, welches mit jütischem Gelde erhalten wird, Kranke ohne Unterschied der Confession ausgenommen werden, und das; in Wirklichkeit viele Nichtjuden dasselbe aussnchen. Italien. Nom, im April. Die Israeliten von Nom haben sich entschlossen, zwei Asyle zu gründen, und wandten sich an die Stadtbehördc, um eine Unterstützung zu erhalten. Der Municipalrath beschloß für die beiden Asyle eine Summe von 4000 Liren zu bewilligen, von denen die Hälfte jede»! der beiden Asyle zukommcn solle. —. Während die französischen Journale im Allgemeinen über die Mißhandlungen der rumänischen Juden ein zurückhaltendes Stillschweigen beobachten, geben die italienischen Zeitungen in anerkeuitungswerthester Weise ihre Sympathieen für die leideitden Menschenbrüter kund, besonders die in Rom erscheinenden. Wir nennen z. B. La nnova Roma vom 20. April,