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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-05-13 · Heft 20 (13.5.1873) · p. Seite 327

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 20 (13.5.1873)
Date
1873-05-13
Page
Seite 327 (sequence 7)
Language
German
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* 327 Gleiwitz, 27. April. (Privatmitth.) Ihrer Aufforderung gemäß theile ich Ihnen von hier Folgendes mit. Se. Excellcnz der Cultusminister hat bei der bedeutenden Anzahl der jütischen Schüler an hiesigem königlichen katholischen Gymnasium es für billig erachtet, daß der Religwnsunterricht für dieselben aus der Gymnasialcasse rcmunerirt werde, unb vom ersten Mai d. I. den Rabbiner, Herrn Dr. Hirschseld, mit einem jährlichen Honorare von 80 Thlrn. angestellt. Dieser hat den VceligionSunterricht, bis zur Obertertia inclusive, in jeder Glaste besonders, im Gymnasialgebäude, zu derselben Zeit wie derjenige der christlichen Gonfessioncn gegeben wird, schon seil mehr als zwanzig Jahren crtheilt, jedoch ohne eine Remuneration aus der Gasse dafür zu erhalten; in den letzten fünfzehn Jahren wurden seine Gensuren in die Zeugnisse mit eingetragen, wie die der anderen Confessionen. Die Anzahl der Schüler ist durchschnittlich zwischen 120 bis 1.80. Es ist dies, soweit wir wißen, der erste Fall, daß der jüdische Religionsunterricht aus einer königlichen Gasse honorirt wird, während an städtischen Gymnasien, oder an solchen, die vom Staate übernommen wurden, wie in Kattowitz, Beuthen :c. die Remuneration schon seit mehreren Jahren erfolgt. Auch an der hiesigen königlichen Gewerbeschule, welche die Stadt gründete, crtheilt schon seit Jahren unser Rabbiner bis zur Secunda in den verschiedenen Glasten, in jeder besonders, den Religionsunterricht, wird wie die anderen Geistlichen honorirt, und als öffentlicher angestetüer Lehrer betrachtet. Die Anzahl der Schüler übersteigt hier hundert. Es ist somit hier die Parität der verschiedenen Religionen vollkommen hergestellt, mit dem einen Unterschiede, daß bei den Abiturienten des Gymnasiums auf den Religionsunterricht keine Rücksicht genommen wird, weshalb er auch in den oberen Glasten nicht crtheilt wird. An der höheren Gewerbeschule wird Religion überhaupt nicht gelehrt. Bremen, 27. April. (Privatmittheil.) Im Anschlüsse an die Miltheilung in Nummer 18 berichte ich, daß sich vor einigen Tagen hier auch eine '-Ion '-cn gebildet hat, welcher die größere Zahl der hiesigen Gemeindemitglieder und, was besonders erfreulich ist, recht viele junge Männer sich angeschlossen haben. Es versteht sich, daß hiermit die Gonstituirung der hiesigen Gemeinde ein kräftiges -Band der Einigung mehr erlangt hat. Bon einem besonderen Acte achter Humanität muß ich Ihnen Buttheilung machen, wenn gleich ich mir bewußt bin, dadurch eine kleine Iudiöeretiou zu begehen. Bei Gelegenheit der vorigen Woche begangenen Feier der silbernen Hochzeit eines unserer Senatoren, übersandte derselbe dem Borstande der israelitischen Gemeinde zwanzig Louise'or zur Bertheilung an die jüdischen Armen der Stadt, mit der Bitte, den Namen des Spenders nicht zu nennen, auch in den hiesigen Blättern nicht über das Geschenk zu berichten. Wenn man bedenkt, daß noch vor kaum fünfundzwanzig Jahren Senat und Bürgermeister der „freien Hansestadt Bremen" mit aller Energie sich'dagegen stemmten, die Juden hier wohnen zu lasten, ja ihnen nicht einmal gestatteten, hier zu übernachten, so wird man den liberalen Act dcS Senators um so höher anschlagen müssen, da derselbe ja auch bekundet, daß selbst in den sogenannten „höheren Kreisen" unserer Stadt, die etwa noch herrschenden Borurthcile gegen die Juden, und deren Zurücksetzung, immer mehr abnehmen und hossentlich bald ganz verschwinden. ' Worms, 1. Mai. lPrivatmittheil.) Arn 28. April verstarb hier in einem Alter von zweiundsiebzig Jahren der Präses der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Isaak PsungS, der mit großer Gewissenhaftigkeit, Einsicht lind Kenntniß die Angelegenheiten der Gemeinde geleitet hat. Seine Menschenfreundlichkeit und Wohlthätigkeit haben ihm viele Freunde crworbeü. Eigenthümlich war seine letztwitlige Verordnung, daß von den vier hier bestehenden Religionsgesellschaften zwei Israeliten, zwei Protestanten, zwei Katholiken und zwei Pentschkatholiken zu beiden Seiten des Leichenwagens nicht nur einhergehcn, sondern ihn auch in das Grab senken sollten, was auch geschah; ferner verbot er sich jede Leichenrede; er wollte an der Pforte der Ewigkeit weder gelobt, noch getadelt sein. — Die Hinterbliebenen werden im Sinne des Verewigten eine Stiftung errichten, damit sein Name und Wirken auch noch unter den kommenden Geschlechtern fortlebe. Posner. Provinz Hannover, im Mai. (Privatmitth.) In dem nicht unbedeutenden Amtsflecken Nenhaus an der Oste, wurde vor einiger Zeit wiederum, wie im verflossenen Jahre in Visselhövede, ein Israelit, der Kaufmann I. Heinemann, zum Bürgermeister gewählt, und von der Negierung auch bestätigt. Ein Schwager desselben, Herr Hein, ist übrigens schon seit mehreren Jahren Kirchenjurat daselbst. Letztere Thatsache ergicbt namentlich den Beweis, daß bei dem eigentlichen Volke der consessionelle Unterschied in staatlicher und communalcr Beziehung erblaßt ist, und als kein unbedingt bestimmendes Moment mehr gilt. Ocstrcichisch-unganschc Monarchie. Wien, 30. April. Für den verstorbenen Dichter Max Le 1t er iS fand die Enthüllung eines Denkmales vorgestern ans dem währingcr israelitischen Frierhofe statt. Freunde und Verehrer des Hingeschiedenen hatten gleich bei der am 21. März 187 1 stattgehabten Beerdigung Beiträge gezeichnet, denen der Vorstand der jüdischen Gemeinde eine namhafte Summe beifügte. Obercantor Snlzer sang unter Assistenz des Gantors Fischer mit seinem Quartett ein ergreifendes hebräisches Lied. Prediger Dr. Jeüinek pries in geistvoller Rede den Hingeschiedenen Dichter in zwei Sprachen, der hebräischen und der deutschem Unter den Versammelten waren zwei Gemeindevorsteher, und die beiden Jugendfreunde und Liedgenossen des Hingeschiedenen, Dr. Moritz Rappoport und Ludwig August Frankl. Von dein Letzteren sind

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