Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1873)
- Date
- 1873-05-13
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
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324 von Vogüö in großer Anzahl in Palästina gesehen, während sie anderswo nicht Vorkommen.; Dazu kommen denn die jüdischen Symbole. Als solche fallen hauptsächlich in's Gewicht diejenigen auf den Grabsteinen eingemeißelten Figuren, die man als stebenarmigcr Leuchter, als Lulab und Esrog (?) und als Del trug .?- erklärt hat. Drittens sind es rann die jüdischen Namen, welche den jüdischen Ursprung dieser Gräberstätten wahrscheinlich machen. Um die Gewichtigkeit dieses Argumentes zu prüfen, wollen wir ans den siebzig von Garrucci in der betreffenden Arbeit wiedcrgegebenen -Inschriften — es sind nicht alle — die jüdisch klingenden Namen ausziehen. Nr. 15 zeigt uns den "Namen Judas, Nr. 18 rmd 1!> Maria, Nr. 22 Sabatis, 9fr. 23 Sabatias, Nr. 31 Simonis «als Frauenname-; unter den Zusätzen -die voran gedruckt stehen) Nr. 7 Joseph, "Nr. 8 Lea, Nr. 3 und 9fr-. 21 Juda, Nr. 11 Jonathan, 9fr. Hi ZabataS. Ich muß gestehen, diese Menge ächt jüdischer Namen bildet ein starkes und fast unwiderlegliches Argument dafür, daß Juden hier begraben liegen. Die überwiegende Zahl römischer "Noamen kann Nichts dagegen beweisen, da ja selbst im heiligen Lande die Juden schon vielfach griechische Namen annahmen, also um so leichter römische, als sie inmitten der Römer wohnten. Noch mehr bekräftigt wird diese Ansicht durch die Inschrift Zusätze 9fr. 23: Mannacius sorori Clny.sidi dulcissime proselyti, also „Mannacius seiner thenersten Schwester Ehrysis, der Proselytin"; das ist ein Ausdruck, der, so viel wir wissen, nur von zum Judenrhume bekehrten Heiden gebraucht wurde. Gleichfalls ächt jüdisch ist der Zusatz auf dem Grabsteine des Amachius Primus Zusätze Nr. 21) ör/xuoc tic. tvhjyictv ov ahiÜtj nt tv/Muut „das Andenken des Gerechten sei zum Segen, wahrhaft ist sein Ruhm." Unter diesen Umständen müssen wir uns doch der Ansicht zrincigen, das; wir es hier mit einem jüdischen Begräbnißortc zu thrrn haben. Weniger wichtig ist es, wenn wiederholt (Nr. 8, Zusätze Nr. 1") von Vorstehern der Synagoge oder einer bestimmten Synagoge, der der Nhodier (9fr. 37), der Augusteuser (Zusätze 9fr. 13) die Rede ist; denn das Wort Synagoge wurde auch von nichtjüdischcn Gemeinden und Bersammlungshäusern gebraucht.. Theilen wir nun auch die Ansicht Garrucci's, daß wir es hier mit jüdischen Katakomben zu thun haben, so müssen uns um so mehr einige andere Umstände auffallen. Zuerst wird die Hu meiner Eorrespondenz aus Rom. in Nr. 17 d. Vl. gemachte Bemerkung, daß auch nicht ein hebräischer Buchstabe in den Inschriften gesunden ist, völlig bestätigt. „Ich kann versichern," sagt Garrucci, „daß sich nur Inschriften in lateinischer und griechischer Sprache gefunden haben; und was die eine betrifft, die nach der Behauptung eines Rabbiners in chaldäischcn Buchstaben geschrieben sein soll, so kann ich bethcuern, daß es von dieser Schrift nee vola nee vcstigium gebe." Auf anderen antiken jüdischen Grabsteinen in Italien hat man die hebräischen Worte br aVrs*:}, auch blos airs «und zwar ohne rrgesunden — hier Nichts. Allein das ist nur ein negativer Beweis, ohne große Kraft. Befremdender ist cs aber, daß in durchaus unjüdischer Weise Thicre auf den Grabmälern abgebildet sind: Greifen, Rinder und Böcke, Hähne und verschiedene andere Vögel, Fische; ja sogar menschliche Figuren, wie eine geflügelte Victoria mit Kranz und Palme, ein bekränzter nackter Jüngling, eine Frau mit einen: Füllhorue und einer Schale, und noch mehr: die Genien der Lebensalter! Vergebens sucht Herr Garrucci das Auffallende dieser Darstellungen zu läugnen, indem er die Thiere als Erinnerungen an den Dpfercultus, die menschlichen Gestalten als unschuldige Erinnerungen an Siege des Verstorbenen in der Ring- und Laufbahn erklärt. Wenn diese Juden so das damals fast allgemein beobachtete Gesetz übertraten, so ist cs kein Wunder, daß ein in diesen Katakomben begrabener Eudopius als gewerbsmäßiger ^(oyocttf.og, also Maler, bezeichnet wird! Bedenken wir. daß in Palästina die Juden Aufstände erregt haben, weil Herodes einen Adler über der Thüre des Tempels einmeißelte, oder weil Pilatus und Vitellius nur die römischen Feldzeichen auf jüdischen Boden brachten, so muß uns die Darstellung von Thieren, Menschen und selbst Göttern an den Sarkophagen doppelt Wunder nehmen. Man wende nicht ein, daß hier vielleicht Juden und Heiden neben einander begraben lagen; denn abgesehen von der Unwahrscheinlichkeit einer solchen Einrichtung, ist dagegen anzuführen, daß die jüdischen und die nichtjüdischen Symbole auf einem und demselben Steine Vorkommen. Wir haben von Beginne an diese- Katakomben als räthselhaft bezeichnet. Wenn auch die jüdischen Symbole, und zumal die häufigen jüdischen Namen, den jüdischen Ursprung dieser Bcgräbnißstätten beweisen, so ist doch eine solche Gefügigkeit gegen heidnische Sitten, wie sie hier erscheint, bei den Juten wohl unerhört. Auch insofern ist dieser unterirdische Friedhof von der höchsten Wichtigkeit, indem er ein Helles Licht über den bisher so gut wie unbekannten religiösen und Eulturzustand der römischen Juden' im Beginne des dritten Jahrhnndertcs nach Christus —- dieser Zeit gehört wenigstens der untere, wichtigste Theil der Katakomben an — zu werfen im Stande ist. Dr. M. P.